Der belgische Mörder Freddy Horion (Foto) darf nach 47 Jahren das Gefängnis verlassen. Er kann jetzt in einer Spezialeinrichtung mit elektronischer Fußfessel untergebracht werden, entschied ein Gericht in Gent am Montag. Der heute 78-jährige Freddy Horion war fast ein halbes Jahrhundert inhaftiert und ist einer der am längsten in einem belgischen Gefängnis einsitzende Straftäter.
Freddy Horion: Mehrfachmörder wird nach 47 Jahren Knast mit elektronischer Fußfessel entlassen
Freddy Horion ermordete am 23. Juni 1979 in Sint-Amandsberg bei Gent fünf Mitglieder einer Autohändlerfamilie. Wenige Monate zuvor, am 9. Februar 1979, hatte Horion auch Hélène Lichachevski, eine Ladenbesitzerin im Hafen von Gent, ermordet. Horion wurde 1980 wegen des fünffachen Mordes in Sint-Amandsberg zum Tode verurteilt, eine Strafe, die umgehend in lebenslange Haft umgewandelt wurde.
In den vergangenen 20 Jahren unternahm Horion mehrere Versuche, freigelassen zu werden. 2018 urteilte ein Team von forensischen Psychiatern, dass Horion nicht mehr gefährlich sei und daher nicht mehr in ein Gefängnis, sondern in eine forensisch-psychiatrische Klinik gehöre.
Gutachten
Da Horion trotz dieses Gutachtens weiterhin inhaftiert blieb, legte er Berufung beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Das Gericht verurteilte Belgien dafür, dass Horion weiterhin inhaftiert war. 2023 entschied das Berufungsgericht von Antwerpen, dass er in eine Einrichtung außerhalb des Gefängnisses verlegt werden könne. Andernfalls müsste der Staat eine Strafe von 1.000 € pro Tag zahlen.
Seine Anträge wurden jedoch weiter abgelehnt – trotz positiver Gutachten bzw. trotz der verschiedenen Urteile in seinem Sinn. Daraufhin stellte der Anwalt von Horion letztes Jahr aufgrund unerträglichen psychischen Leidens einen Antrag auf Sterbehilfe.
Verlegt
Jetzt hat ein Gericht in Gent entschieden, dass Horion das Gefängnis in Hasselt in der Provinz Limburg doch noch verlassen darf. Er wird mit einer elektronischen Fußfessel versehen in eine forensische Klinik verlegt. Laut VRT NWS ist dies ein normaler und dem Gesetz entsprechender Zwischenschritt zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
Die elektronische Überwachung ist an strenge Auflagen geknüpft. „Er muss beispielsweise das Therapieprogramm befolgen und sich an die Hausordnung halten“, so die Staatsanwaltschaft Ostflandern. Die Staatsanwaltschaft wird gegen die Gerichtsentscheidung keine Berufung einlegen.
