Zum Hauptinhalt springen

Belgische SkyGuardian-Drohnen erstmals im Ausland eingesetzt

Die zwei nagelneuen SkyGuardian-Drohnen der belgischen Armee werden am Freitag und Samstag über dem Mittelmeer im Kampf gegen illegale Migration und Waffenschmuggel eingesetzt. Das teilt Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken mit. Es ist das erste Mal, dass die Drohnen bei einer Auslandsmission eingesetzt werden. Obwohl die Drohnen rund 1.000 Kilometer entfernt fliegen, werden sie von Belgien aus gesteuert.

Jens Van Reet
Veröffentlicht:

Die Drohnen vom Typ MQ-9B SkyGuardian starten von Sigonella auf der italienischen Insel Sizilien. Ihr Einsatz erfolgt im Rahmen der Operation Silent Spear, mit der Belgien zur NATO-Operation Sea Guardian beiträgt, einer bestehenden maritimen NATO-Mission im Mittelmeer mit Schwerpunkt auf maritimer Sicherheit, Lageerfassung und Terrorismusbekämpfung.

„Eindämmung illegaler Migrationsströme“

Der Kampf gegen illegale Migration bleibt neben gewalttätigem Extremismus und internationalem Terrorismus eine absolute Priorität für unsere kollektive Sicherheit, betont Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA, flämische Nationaldemokraten).

„Bedrohungen machen nicht an den Grenzen Europas halt. Was in Nordafrika, der Sahelzone oder im Nahen Osten geschieht, hat direkte Auswirkungen auf die illegalen Migrationsströme in Richtung unseres Landes. Deshalb setzen wir auf Stabilität, die Bekämpfung von Extremismus und vor allem auf die Eindämmung illegaler Migrationsströme, die unsere Sicherheit bedrohen.“

Es ist das erste Mal, dass die Drohnen für eine Auslandsmission eingesetzt werden. Sie wurden jedoch bereits zuvor für Einsätze im Inland genutzt, etwa beim Entern eines Schiffes der russischen Schattenflotte in der Nordsee.

Das Verteidigungsministerium bestätigt gegenüber VRT NWS, dass die Drohnen von der Militärbasis in Florennes aus gesteuert werden. Die Piloten befinden sich in Florennes, weil dort der Kontrollraum mit allen Bildschirmen, Computern und Verbindungen eingerichtet ist.

Von dort aus steuern sie die Drohne über Satellit, auch wenn diese manchmal Hunderte oder Tausende Kilometer entfernt fliegt, beispielsweise über dem Mittelmeer.

Verteidigungsminister Francken mit der Drohne.

Wichtiger Schritt

Die SkyGuardian (MQ-9B) bedeutet für die belgische Luftwaffe einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen, datengetriebenen und unbemannten Fähigkeit. Ein großer strategischer Wandel, vergleichbar mit der Einführung von Düsenjägern in den 1950er Jahren.

Mit der SkyGuardian erhält die Verteidigung erstmals ein System, das tagelang überwachen kann (bis zu 40 Stunden), Aufklärungsmissionen durchführen und Echtzeitdaten liefern kann.

Darüber hinaus ist die SkyGuardian eine der ersten Drohnen, die vollständig in den europäischen zivilen Luftraum integriert werden kann. Auch das ist für Belgien einzigartig. Dadurch kann die Verteidigung nicht nur in Kriegs- oder Einsatzgebieten fliegen, sondern auch über eigenem Staatsgebiet bei Katastrophen oder Notsituationen.

„Die neuen SkyGuardian-Drohnen sind für derartige Operationen äußerst geeignet: Die Geräte verfügen über Kameras und Sensoren, die ein großes Gebiet schnell scannen können“, sagt der Verteidigungsexperte von VRT NWS, Jens Franssen. „Außerdem können die Drohnen sehr lange zu vergleichsweise geringen Kosten in der Luft bleiben.“

Auch Kritik

Dennoch gibt es auch Kritik am Drohnenprogramm, insbesondere hinsichtlich der ethischen und juristischen Fragen, die mit unbemannten Fluggeräten verbunden sind. So können die Drohnen auch mit Präzisionsraketen und gelenkter Munition bewaffnet werden.

Die Geräte sind technisch also auf eine Bewaffnung vorbereitet, wodurch es möglich ist, die Drohnen feuern zu lassen, falls dies politisch beschlossen wird. Die belgische Regierung hat dafür bereits grünes Licht gegeben, betont jedoch, dass die Drohne vorläufig ausschließlich für Aufklärungszwecke genutzt werden soll. Vor allem die Partei Groen lehnt die Bewaffnung ab und fordert strikte Einschränkungen sowie Kontrollmechanismen.

Auch von Bürgerorganisationen werden Fragen zum Datenschutz gestellt. Da die Drohne auch über belgischem Luftraum zu Überwachungszwecken fliegen kann, ist damit auch eine Überwachung von Bürgern möglich.

Die Drohnen verfügen auch über hochtechnologische Kameras

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5