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70 Jahre nach dem Grubenunglück von Bois du Cazier: 2 weitere Opfer identifiziert

Zwei weitere Opfer der Grubenkatastrophe von 1956 konnten identifiziert werden. Das teilt die Direktorin von Bois du Cazier in Marcinelle bei Charleroi mit. Nach dem Unglück konnten 14 sterbliche Überreste zunächst nicht formell identifiziert werden. Das Grubenunglück gilt als die größte Industriekatastrophe in der belgischen Geschichte.

Jens Van Reet Belga
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Die Untersuchungen begannen 2019 auf Anfrage des Sohnes eines der 262 Opfer des Unglücks. Er hoffte, dass sein Vater unter den 14 Opfern identifiziert werden könnte, deren Leichen ohne Identität auf dem Ehrenfriedhof des Friedhofs von Marcinelle bestattet worden waren.

Dafür mussten die Ermittler die Leichen exhumieren und nahe Angehörige der Opfer ausfindig machen, um DNA-Vergleiche durchführen zu können. Mithilfe moderner Techniken wurde 2022 ein erstes Opfer identifiziert. Ein zweites und ein drittes folgten 2024, ein viertes im Jahr 2025.

Größte Industriekatastrophe in der belgischen Geschichte

Das Unglück ereignete sich am 8. August 1956 in dem Steinkohlebergwerk. In den Stollen brach ein Brand aus, bei dem 262 Bergleute ums Leben kamen, vor allem Italiener. Das Unglück gilt als die größte Industriekatastrophe in der belgischen Geschichte.

Die Katastrophe hätte möglicherweise verhindert werden können, wenn strengere Sicherheitsvorschriften gegolten hätten. Das Bergwerk entsprach jedoch den damaligen – äußerst laschen – belgischen gesetzlichen Vorschriften. Diese wurden vor allem unter dem Druck der noch jungen Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl verschärft.

Die Katastrophe führte auch zu einer Verschiebung der Arbeitsmigration nach Belgien. Belgien hatte nach dem Zweiten Weltkrieg ein Kooperationsabkommen mit Italien geschlossen, um Gastarbeiter anzuwerben. Nach dem Grubenunglück verlangte die Regierung in Rom bessere Arbeitsbedingungen, doch die damalige belgische Regierung setzte lieber auf neue Partnerschaften mit anderen Ländern wie Spanien und Griechenland sowie später auch Marokko und der Türkei.

Das Bergwerk wurde erst Ende der 1960er Jahre endgültig geschlossen. Inzwischen wurde das ehemalige Steinkohlebergwerk zu einer Gedenkstätte und einem Museum umgebaut.

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