Mit der feierlichen Diplomvergabe an der Harvard Kennedy School in Boston endet für Kronprinzessin Elisabeth ein wichtiger Lebensabschnitt. Die 24-Jährige hat in den vergangenen zwei Jahren einen Master in Public Policy absolviert. Wie es nun weitergeht, ließ die belgische Thronfolgerin in einem Gespräch mit belgischen Journalisten bewusst offen. „Ich möchte mich eine Weile zurückziehen und darüber nachdenken, was auf mich zukommt. Nichts überstürzen, alles zu seiner Zeit.“
Kronprinzessin Elisabeth schließt Studium ab: "Froh zu wissen, was ich den Rest meines Lebens tun werde"
Noch wird Elisabeth keine aktive Rolle als Kronprinzessin übernehmen. Ihre Zukunft sehe sie aber klar in Belgien. „Es ist schön zu wissen, dass das mein Weg ist“, erklärte sie.
Die Abschlussfeier an der renommierten Harvard-Universität markiert für die älteste Tochter von König Philippe und Königin Mathilde einen weiteren Meilenstein nach ihrem Bachelorstudium in Oxford. Während viele Harvard-Absolventen internationale Karrieren anstreben, weiß Elisabeth bereits, dass ihre Zukunft eines Tages im belgischen Königshaus liegen wird. Das empfindet sie nach eigenen Worten jedoch nicht als Einschränkung.
Ein ganz normales Leben in Harvard
In Harvard habe sie vor allem geschätzt, zeitweise ein vergleichsweise normales Studentenleben führen zu können. „Mein Ziel war es, hier einfach Elisabeth sein zu können“, sagte die Kronprinzessin. Zwar hätten viele Menschen gewusst, wer sie sei, dennoch habe sie sich dort wie jede andere Studentin gefühlt. Besonders genossen habe sie es, im Alltag nicht ständig erkannt zu werden. „Ich konnte kleine Gewohnheiten entwickeln. Das brachte mehr Spontaneität in mein Leben.“
Die Kronprinzessin beschrieb ihre Studienjahre als intensiv. Sie habe sich verpflichtet gefühlt, die Chance auf ein Studium an zwei Eliteuniversitäten wie Oxford und Harvard bestmöglich zu nutzen. Vorlesungen ausfallen zu lassen, sei für sie kaum infrage gekommen. Gleichzeitig betonte Elisabeth aber auch, nicht ausschließlich in Bibliotheken gelebt zu haben. „Ich habe versucht, auch ein Leben außerhalb der Universität zu haben.“
Neben dem Studium habe sie viel Sport gemacht, sei gereist und habe Zeit mit Freunden verbracht. Unter anderem nahm sie am Halbmarathon in Cambridge sowie am Marathon von New York teil. Wenn es ihre Zeit erlaubte, habe sie außerdem verschiedene Regionen der USA bereist, denn Cambridge bleibe trotz seines internationalen Umfelds ein „Mikrokosmos“. Deshalb habe sie bewusst auch andere Teile des Landes kennenlernen wollen.
Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft
Über ihre Zukunft sprach die Thronfolgerin nur vorsichtig. Nach den intensiven Studienjahren wolle sie nun zunächst Abstand gewinnen und eine solide Grundlage für den nächsten Lebensabschnitt schaffen. „Ich würde mir gerne ein Jahr oder etwas länger Zeit nehmen, um darüber nachzudenken.“ Konkrete Pläne nannte sie nicht. Auch auf mögliche Praktika oder ehrenamtliche Tätigkeiten wollte sie sich noch nicht festlegen.
Spekulationen über eine mögliche Atlantiküberquerung mit einem Segelboot bezeichnete Elisabeth zwar als „großartige Idee“, stellte jedoch klar, dass dies derzeit nicht zu ihren Plänen gehöre. Im Moment gehe es vor allem darum, nach dem Studienabschluss erst einmal Orientierung zu finden.
Wann Elisabeth künftig stärker öffentliche Aufgaben übernehmen wird, ließ sie ebenfalls offen. „Morgen wird sich noch nichts ändern“, erklärte sie mit Blick auf ihre Rolle innerhalb der Monarchie. Auch die belgischen Handelsmissionen würden vorerst weiterhin von Königin Mathilde begleitet.
"Nur in Belgien wirklich zuhause"
Dass ihre Zukunft fest mit Belgien verbunden ist, empfindet Elisabeth nach eigenen Worten nicht als Belastung. Im Gegenteil: Viele junge Menschen wüssten nicht genau, welchen Weg sie einschlagen wollten. „Ich bin froh zu wissen, was ich den Rest meines Lebens tun werde.“ Gerade deshalb nehme sie sich nun die Freiheit, noch etwas zu reisen und andere Erfahrungen zu sammeln, bevor sie dauerhaft nach Belgien zurückkehre. „Ich habe entdeckt, dass ich mich nur in Belgien wirklich zuhause fühle.“
Dass sie einmal die erste regierende Königin Belgiens werden könnte, bezeichnete Elisabeth als historisch. Gleichzeitig betonte sie jedoch: „Mein Frau-Sein ist nicht das Einzige, was mich definiert.“ Eine besondere Herausforderung sei, dass es in Belgien bislang kein Vorbild einer regierenden Königin gebe, an dem sie sich orientieren könne.
International stehe sie mit dieser Situation allerdings nicht allein da. In mehreren europäischen Monarchien seien inzwischen Frauen direkte Thronfolgerinnen, darunter Prinzessin Amalia in den Niederlanden, Prinzessin Leonor in Spanien und Prinzessin Ingrid Alexandra in Norwegen. Man kenne sich seit Jahren und treffe sich gelegentlich bei offiziellen Anlässen.
Über ihre Rolle als Thronfolgerin sprach Elisabeth insgesamt ungewöhnlich persönlich. Sie habe zwar „nicht das normalste Leben“ geführt und möglicherweise weniger Freiheit gehabt als andere junge Menschen, gleichzeitig habe ihr diese Rolle aber auch viele Möglichkeiten eröffnet. Sie habe immer gewusst, welche Verantwortung einmal auf sie zukommen würde. Deshalb habe sie nie das Gefühl gehabt, in ihrer Jugend auf etwas verzichten zu müssen.
Von ihren Eltern habe sie vor allem gelernt, „bescheiden zu bleiben und hart zu arbeiten“. Auf die Frage nach einer möglichen späteren Thronübernahme verwies die Kronprinzessin schließlich auf ihren Vater. „Ich finde, dass er das großartig macht“, sagte Elisabeth über König Philippe. „Für alles gibt es den richtigen Zeitpunkt.“


