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Werk von Chéri Samba, Kölnischer Kunstverein

Kunstausstellung in Köln rückt Brüssel als Atelier ins Rampenlicht: „Liebesbrief an die Stadt“

Die Ausstellung „Eine Stadt als Atelier“ wurde diese Woche in Köln eröffnet und stellt Brüssel in den Mittelpunkt. Über dreißig Brüsseler Künstler präsentieren ihre Sicht auf die Stadt, wobei „Bastelei“ und provisorische Lösungen zu den wiederkehrenden Themen gehören. „Brüsseler Kunst folgt keinen Trends“, so Kurator Fabian Flückiger gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ zu dieser Ausstellung im „Kölnischen Kunstverein“.

Andreas Kockartz
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Von halb ausgebesserten historischen Fassaden über skurrile Schaufenster und zusammengeklebte Stoßstangen bis hin zu einem undurchschaubaren politischen Geflecht: Das bunte Chaos und die Fragmentierung, die die belgische (und europäische) Hauptstadt Brüssel prägen, bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung „Eine Stadt als Atelier“.

Seit einigen Tagen bieten 80 Kunstwerke von Künstlern aus Brüssel (oder mit starker Verbindung zu Brüssel) im „Kölnischen Kunstverein“ Einblicke in die belgische Hauptstadt. Unter anderem präsentieren Sammy Baloji, Walter Swennen, Kasper Bosmans, Hana Miletić und Michael Van den Abeele neue und ältere Arbeiten in Köln. Auch Werke der Filmemacherin Chantal Akerman und des Künstlers Stéphane Mandelbaum sind zu sehen.

Die Gruppenausstellung erstreckt sich über vier Etagen dieses Zentrums für Gegenwartskunst und untersucht, wie Brüssel Künstler beeinflusst – nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Unordnung.

Reibung und Freiheit

In „Eine Stadt als Atelier“ geben die Kuratoren Fabian Flückiger und Valérie Knoll rund 30 Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit, ihre Vision des urbanen Raums zu teilen. Dabei werden sowohl persönliche als auch historische Dimensionen thematisiert, ebenso wie die Dysfunktionalität der Stadt, die sich als fruchtbarer Boden für die Kunstszene erweist.

Kasper Bosmans: "Legend: Eine Stadt als Atelier" (2026)

„Gerade durch ihre Unvollkommenheiten entfaltet die Stadt ihre einzigartige, fast wahnsinnige Energie“, so die Kuratoren Fabian Flückiger und Valérie Knoll. „Brüssel funktioniert oft durch Improvisation und provisorische Lösungen“, sagt Flückiger, der zeitweise in der Brüsseler Gemeinde Vorst lebt, gegenüber BRUZZ: „Diese Unvollständigkeit und Komplexität durchdringen auch die hier entstehende Kunst. Diese Ausstellung ist eine Liebeserklärung an die Brüsseler Kunstszene und an die Stadt selbst.“

Kölnischer Kunstverein: „Matonge-Brussels, Porte de Namur !
Porte de l‘Amour ?” von Chéri Samba

Brüssel funktioniert oft durch Improvisation und provisorische Lösungen. Diese Unvollständigkeit und Komplexität durchdringen auch die hier entstehende Kunst“

Fabian Flückiger, Co-Kurator von „Eine Stadt als Atelier“ in BRUZZ

Eine der Künstlerinnen, die die raue Urbanität Brüssels in ihren Werken einfängt, ist Hana Miletić. Die in Brüssel lebende kroatische Künstlerin fotografiert improvisierte Reparaturen oder Flicklösungen im Straßenbild und verwebt diese Stadtansichten anschließend zu Textilien. „Ihre Arbeit fängt die Narben der Stadt ein,“ so Flückinger. In Köln zeigt Miletić eine Serie von 23 Textilfragmenten, die sie für ihre Einzelausstellung in der Galerie La Loge im Jahr 2021 geschaffen hat.

Der Kurator führt die enge Verflechtung zwischen dem kreativen Raum und den hier entstehenden Werken auf die Identität, die Struktur und die Lage der europäischen Hauptstadt zurück. „In Brüssel sind viele Regierungsebenen dysfunktional miteinander verflochten, was zwar Reibungen erzeugt, aber auch Freiheit. Und das kommt der Kreativität zugute“, sagte Fabian Flückiger weiter: „Die Brüsseler Kunst folgt keinen Trends. Die Stadt hat ihre eigene Identität, ist aber eng mit anderen Kulturstädten Europas verbunden. Und bis vor der Pandemie konnten Künstler hier auch günstig leben, was beispielsweise in Berlin längst nicht mehr möglich ist.“

Brüssel ist chaotisch und das erfordert Improvisation“

Kasper Bosmans, teilnehmender Künstler in BRUZZ
Hugard & Vanoverschelde, Werk von Walter Swennen

Der bildende Künstler Kasper Bosmans stimmt dem zu: „Brüssel ist chaotisch, und das erfordert Improvisation. Das macht die Brüsseler vielleicht widerstandsfähiger und Brüssel zu einer sehr realistischen Hauptstadt Europas. Man muss seinen eigenen Weg finden, sich in der Stadt zurechtzufinden und dort Freude und Leid zu erfahren. Man könnte es ruhig eine Art improvisatorisches Ballett nennen.“

Für die Ausstellung überarbeitete Bosmans ein bestehendes Werk mit Bezügen zum Atomium und den grünen Sittichen, die inzwischen zum Stadtbild gehören (sie wurden vor Jahrzehnten aus dem Botanischen Garten in Brüssel freigelassen und vermehren sich bis heute in der Stadt). Für die deutsche Ausstellung schuf der Künstler eine neue Version des Werkes in Grün und Rot, den Farben der Stadt Brüssel. „Wir gießen quasi eine St.-Michael-Sauce über die Wände der Ausstellung im Kölnischen Kunstverein“, so Bosmans. St. Michael ist der Schutzpatron der Stadt. Auch Zinneke, der berühmte Brüsseler Straßenhund, ist in seinem Werk zu sehen.

Eine runde Terrazzo-Skulptur verweist auf einen jahrhundertealten Mühlstein, der 2019 unter dem Parkhaus 58 im Brüsseler Stadtzentrum ausgegraben wurde und sich als Kölner Stein herausstellte: „Es könnte daher nicht passender sein, diese Skulptur in Köln zu zeigen.“

„Eine Stadt als Atelier“ ist noch bis zum 19. Juli 2026 im Kölnischen Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln, zu sehen. Nach Köln reist die Ausstellung im Frühjahr 2027 ins Établissement d’en face in Brüssel. Anschließend geht es nach Peking. Info: https://koelnischerkunstverein.de/

Das Motiv des Kölnischen Kunstvereins für die Ausstellung „Eine Stadt als Atelier“

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