In Houthulst in Westflandern sind über 100 Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg beschädigt worden. Und in der Brüsseler Gemeinde Schaarbeek sind drei Denkmäler zerstört bzw. gestohlen worden. Diese Art Vandalismus gegen die Erinnerungskultur in Belgien wird als rundweg skandalös und befremdlich aufgefasst.
Beschädigte Erinnerungskultur: Soldatenfriedhof in Flandern geschändet und Denkmäler in Brüssel zerstört oder gestohlen
Auf dem belgischen Soldatenfriedhof in Houthulst wurden 135 Gräber beschädigt. Dies geschah höchstwahrscheinlich in der Nacht von Montag auf Dienstag. „Das ist schlichtweg skandalös“, reagiert Bürgermeister Jeroen Vandromme (CD&V, flämische Christdemokraten): „Ich bin zutiefst entsetzt über das Ausmaß des Vandalismus. Laut einer Zählung des für den Friedhof zuständigen War Heritage Institute wurden 135 Gräber beschädigt. Die Bronzetafeln mit den Namen des Soldaten wurden von den meisten Grabsteinen entfernt.“
Viele dieser Tafeln wurden in der Umgebung gefunden, es ist aber noch unklar, ob es sich dabei um alle handelt. Mehrere Grabsteine wurden zerstört, und bei anderen wurde der Marmor beschädigt.
„Sinnloser Vandalismus“
Es ist nicht nur sinnloser Vandalismus, sondern auch eine absolute Respektlosigkeit gegenüber den Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, und ihren Familien. Ich selbst sehe, welch eine grüne Oase der Ruhe und Besinnung dies ist und wie oft Menschen dort spazieren gehen. Diese Vorfälle sind daher zutiefst bedauerlich und dürfen nicht ungestraft bleiben“, sagte Bürgermeister Vandromme.
Er rief Zeugen auf, sich bei der Polizei zu melden: „Wir wollen die Verantwortlichen ausfindig machen. Jeder, der etwas Verdächtiges beobachtet hat, wird gebeten, dies zu melden.“ Auf dem Friedhof selbst gibt es keine Kameras, aber in der Umgebung wird ermittelt. Die Polizei wird zudem verstärkt auf dem Friedhof patrouillieren, um eine mögliche Rückkehr der Vandalen zu verhindern.
Der betroffene belgische Soldatenfriedhof befindet sich in der Poelkapellestraat in Houthulst, am Rande des Vrijbos. Er wurde 1925 angelegt und umfasst 1.907 Gräber. Fast alle Gräber sind belgischen Soldaten gewidmet, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Es befinden sich dort aber auch etwa achtzig italienische Grabkreuze. Der Friedhof ist sternförmig angelegt, etwas über 5 Hektar groß und steht seit 2008 unter Denkmalschutz.
Mehrere Fälle von Vandalismus und Diebstahl an Kulturgütern in Schaerbeek
Die Brüsseler Gemeinde Schaarbeek verzeichnete mehrere Fälle von Vandalismus und Diebstahl an Kulturgütern der Gemeinde. So wurde beispielsweise das Denkmal für Todor Anguelov an der Raymond-Foucart-Allee gestohlen. Die Bronzebüste von Raymond Foucart wurde zunächst ebenfalls als gestohlen gemeldet, doch die Statue des früheren Bürgermeisters von Schaarbeek wurde etwas weiter weg zerstört am Boden gefunden.
Laut der Gemeinde wurde auch die Aschenbrödel-Statue, ein Werk des Künstlers Edmond Lefever, das seit 1905 im Josaphat-Park stand, gestohlen. Die Polizeizone Brüssel-Nord bestätigte die Vorfälle und die Gemeinde hat zwei offizielle Anzeigen erstattet. Die Ermittlungen laufen bereits.
„Diese Taten sind inakzeptabel“, heißt es dazu bei der Gemeindeverwaltung von Schaarbeek: „Neben ihrem künstlerischen und kulturellen Wert sind diese Kunstwerke Teil der Geschichte, der Erinnerung und der Identität von Schaerbeek. Ein Angriff auf diese Denkmäler ist ein Angriff auf unser gemeinsames Erbe und auf den Respekt vor denen, die die Geschichte unserer Gemeinde geprägt haben.“
