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Gesundheit
Seksualiteit & Relaties

Experten fordern mehr Aufklärung über den weiblichen Körper ab dem Kindergarten

Mädchen sollen bereits im Kindergarten lernen, dass sie eine Vulva haben, und früher mehr über die Menstruation erfahren. Das fordert eine Gruppe von Experten laut einem Bericht der Zeitung De Standaard.

Ellen Maerevoet Anne Mettlen
Veröffentlicht:

14 Ärzte, Gesundheitsforscher und Bildungsexperten haben der flämischen Bildungsministerin der flämischen Nationalisten (N-VA), Zuhal Demir, ein Grundsatzpapier überreicht. Darin bitten sie um Anpassungen des Lehrplans, die vom Kindergarten bis in die Sekundarschule reichen soll.

Nach Ansicht der Experten wissen viele Mädchen noch immer zu wenig über ihren eigenen Körper, insbesondere über ihre Geschlechtsorgane. Geschlechtsteile gehören bislang nicht zu den Mindestanforderungen im Kindergartenunterricht, obwohl Kinder dort bereits andere Körperteile und deren Funktionen kennenlernen.

„Das ist eine Initiative aus dem Bildungsbereich, die aber auch von der medizinischen Praxis unterstützt wird, weil wir feststellen, dass es erhebliche Wissenslücken über die Anatomie unserer Geschlechtsorgane gibt“, erklärt Martine Cools, Kinderendokrinologin am UZ Gent und Mitverfasserin des Grundsatzpapiers. „Bei Mädchen ist das noch ausgeprägter als bei Jungen. Das hat wichtige Konsequenzen.“

„Jungen kennen ihren Penis, bei Mädchen ist das deutlich schwieriger“, so Cools. „Wir merken, dass das zu weniger Wissen über Pflege führt, zu Scham, darüber zu sprechen, und auch zu mangelndem Wissen über natürliche Unterschiede. Dass jede Nase anders aussieht, wissen wir. Dass aber auch jede Vulva anders aussieht, wird kaum vermittelt.“ 

Zugleich sei es wichtig, das Thema aus dem rein sexuellen Kontext herauszulösen und die Vulva als Körperteil wie jedes andere zu betrachten. Deshalb müsse altersgerecht und schrittweise bereits früh mit der Wissensvermittlung begonnen werden.

Nach Ansicht der Expertengruppe könnten dadurch Stress und Unsicherheiten reduziert werden. „Wenn man sich nicht traut, darüber zu sprechen, oder das Thema vermieden wird, weil die richtigen Begriffe fehlen, bleibt man damit allein. Genau das wollen wir ändern.“

Frühere Aufklärung über Menstruation gefordert 

Außerdem sprechen sich die Experten dafür aus, Mädchen früher über die Menstruation aufzuklären. Dieses Thema gehört bislang nicht zu den wichtigsten Unterrichtszielen in der Grundschule, obwohl das Durchschnittsalter für die erste Regelblutung inzwischen knapp unter zwölf Jahren liegt.

Nach Ansicht der Experten kann das Tabu nur verschwinden, wenn Mädchen ausreichend informiert sind und die richtigen Begriffe kennen, um darüber sprechen zu können.

„Bildung ist eine sehr wichtige Quelle für Wissen und Informationen“, betont Cools. „Viele Eltern haben dieses Wissen selbst nie in der Schule vermittelt bekommen. Deshalb müssen wir bei unseren Kindern anfangen und dafür sorgen, dass dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird.“

Die flämische Ministerin für Soziales der flämischen Sozialisten (Vooruit), Caroline Gennez, die für Sexualerziehung an Schulen zuständig ist, bezeichnet ein besseres Wissen über den eigenen Körper auf Grundlage korrekter Begriffe als „absolute Notwendigkeit“. 

„Wir können viel über grenzüberschreitendes Verhalten sprechen, aber alles beginnt mit einem guten Verständnis des Körpers und sexueller Beziehungen. Dafür müssen die Bildungsziele auch tatsächlich umgesetzt werden.“

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