Immer mehr Kinder und Jugendliche werden Opfer sexueller Ausbeutung im Internet. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht von Child Focus hervor. Besonders auffällig: Die Zahl der Fälle von Grooming, Sextortion und Sexting ohne Zustimmung hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Für die Organisation zeigen diese Zahlen, dass ein stärkerer gesetzlicher Rahmen für soziale Medien dringend notwendig sei.
Dringender Handlungsbedarf: Child Focus meldet Rekordzahl minderjähriger Opfer sexueller Online-Ausbeutung
Bei sexueller Online-Ausbeutung geht es meist um Fotos oder Videos, mit denen Minderjährige erniedrigt, erpresst oder missbraucht werden. Die Zahl der Opfer von Grooming, Sextortion und Sexting ohne Zustimmung stieg innerhalb von drei Jahren von 401 auf 837 Fälle.
Besonders stark nahm die Zahl der Grooming-Fälle zu. Dabei baut ein Erwachsener gezielt Vertrauen zu Minderjährigen auf, um sexuelle Kontakte anzubahnen. Child Focus eröffnete dazu im vergangenen Jahr 108 neue Dossiers, ein Anstieg von 151 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die betroffenen Kinder waren im Durchschnitt 13 Jahre alt.
Auch Sextortion, also sexuelle Erpressung, verzeichnete einen starken Anstieg. 433 neue Opfer wurden registriert, 143 Prozent mehr als im Vorjahr. Durch diese Entwicklung sind Jungen erstmals die größte Gruppe der von Child Focus betreuten Opfer sexueller Online-Ausbeutung.
Beim Sexting ohne Zustimmung wurden 296 neue Fälle gemeldet, 30 Prozent mehr als 2024. Die Betroffenen waren durchschnittlich 14 Jahre alt, in drei Vierteln der Fälle handelte es sich um Mädchen.
Forderung nach strengeren Regeln
„Für Kinder und Jugendliche ist es nicht einfach, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der so viel möglich ist und gleichzeitig vieles immer komplexer wird“, erklärt der CEO von Child Focus, Nel Broothaerts. „Es muss dringend an einem besseren Online-Schutz für unsere Kinder gearbeitet werden.“
Nach Einschätzung der Organisation spielt auch Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung. Deshalb müsse der europäische Digital Services Act konsequent angewendet werden. Dieser lege „klare Regeln für große Technologieunternehmen“ fest.
Darüber hinaus fordert Child Focus einen dauerhaften gesetzlichen Rahmen zur Bekämpfung sexuellen Kindesmissbrauchs im Internet. Die geplante europäische Verordnung solle den Kampf gegen Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs weiter verstärken. Über den Gesetzestext wird derzeit noch auf europäischer Ebene verhandelt.
