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„Das Foto von Flandern“: Jeder dritte junge Flame möchte keine Transperson als Freund oder Freundin - Junge Männer vertreten traditionellere Ansichten

Jeder dritte junge Mensch kann sich nicht vorstellen, mit einer trans Person befreundet zu sein. Dies geht aus der von VRT in Auftrag gegebenen Sozialstudie „Das Foto von Flandern“ hervor. Der Widerstand gegen Geschlechtervielfalt ist unter jungen Männern deutlich größer. Sie vertreten auch traditionellere Ansichten zur Gleichstellung von Mann und Frau als ältere Generationen.

Andreas Kockartz
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Obwohl die meisten Flamen angeben, offen für Vielfalt zu sein, zeichnen die Zahlen zu Geschlecht und Sexualität ein gemischtes Bild. Traditionellere Ansichten gewinnen an Boden, insbesondere unter der jüngeren Generation von Männern - ein Ergebnis, das auch andere Studien kürzlich bestätigt haben.

Eines der auffälligsten Ergebnisse der Studie betrifft Freundschaften. Jeder dritte junge Flame zwischen 18 und 24 Jahren gibt an, keine trans Person als Freund oder Freundin haben zu wollen. Bei den über 45-Jährigen liegt dieser Wert bei 14 %. Junge Menschen sind auch in Bezug auf medizinische Eingriffe kritischer: Jeder dritte Jugendliche befürwortet ein Verbot von Geschlechtsumwandlungen. Ältere Menschen haben damit deutlich weniger Probleme. Es besteht ein klarer Unterschied zwischen Männern (30 %) und Frauen (19 %).

Im Berufsleben herrscht mehr Akzeptanz: Sieben von zehn Flamen haben kein Problem damit, einen Transmann als Kollegen zu haben. Junge Menschen und insbesondere Männer tun sich damit jedoch schwerer als andere.

Die Studie vergleicht dies mit der gleichen Fragestellung bezüglich Freundschaften mit nicht-heterosexuellen Personen. Obwohl der Widerstand auch dort unter jungen Männern etwas höher ist, ist die Akzeptanz im Allgemeinen größer als bei Transpersonen.

Auf der Straße und in der Schule

Die jährlichen Pride-Paraden der LGBTQIA+-Community z.B. in Brüssel oder in Antwerpen stoßen nicht überall auf Zustimmung. Jeder fünfte Flame findet sie „nicht in Ordnung“, unter Jugendlichen sogar jeder Dritte.

Eine knappe Mehrheit der Flamen (57 %) ist der Meinung, dass Schulen über verschiedene Formen der sexuellen Orientierung aufklären sollten. Viele Jugendliche, die selbst noch zur Schule gehen, sind davon nicht begeistert: 28 %der Teenager halten dies für unnötig. Nur bei den über 45-Jährigen hält eine klare Mehrheit diese Kurse für sinnvoll.

Traditionelle Geschlechterrollen unter jungen Menschen

„Das Foto von Flandern“ zeigt einen Trend, bei dem junge Männer zu traditionellen Geschlechterrollen zurückkehren. Sie sind häufiger als der Durchschnitt der Ansicht, dass der Mann der Ernährer der Familie sein sollte. Auch sind sie häufiger der Meinung, dass ein Mann in einer Beziehung mehr Mitspracherecht haben sollte als eine Frau.

Die Soziologin Cecil Meeusen von der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) bezeichnet dies als „besorgniserregende Entwicklung“. Die Unterschiede zwischen jungen Männern und Frauen, die schon immer bestanden haben, würden sich vergrößern, sagte sie gegenüber VRT NWS: „Männer der Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) sind deutlich konservativer als die Babyboomer.“

An sich müsse das kein Problem sein, so Meeusen: „Es wird aber problematisch, wenn es dazu führt, dass die Rechte von Frauen und LGBTQIA+-Personen eingeschränkt werden.“ Sie warnt zudem, dass die zunehmende Polarisierung zwischen Männern und Frauen die Gesellschaft „zerstören“ könne.

Junge Männer fühlen sich bedroht

Viele junge Männer haben schon lange das Gefühl, dass ihre Position bedroht wird, erklärt die Soziologin. Sie nennt dies eine „Geschlechter-Gegenreaktion“, eine Gegenreaktion auf den Wandel der Geschlechterrollen und die Geschlechtergleichstellung.

Welche Rolle spielt dabei die Herkunft? Die Forschung dazu ist begrenzt, aber Cecil Meeusen stellt fest, dass junge Menschen nicht-belgischer Herkunft in Bezug auf Geschlechterrollen konservativer eingestellt sind: „Das ist zu erwarten bei jungen Menschen, die religiöser oder traditioneller erzogen wurden. Man kann es aber nicht allein auf Religion oder Herkunft reduzieren. Berücksichtigt man den sozioökonomischen Status, den Bildungsstand der Eltern usw., gleichen sich diese Unterschiede aus. Es stimmt definitiv nicht, dass diese Gruppe junger, konservativer Männer hauptsächlich aus Jungen nicht-belgischer Herkunft besteht.“

Die Rolle der sozialen Medien

Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle, sagt Meeusen. Algorithmen lenken junge Männer in eine bestimmte Richtung. „Wenn sie beispielsweise nach Inhalten über Fitness oder Gaming suchen, zeigt ihnen der Algorithmus innerhalb von fünfzehn Minuten frauenfeindliche Inhalte.“

Influencer der sogenannten „Manosphere“ nutzen diese Frustrationen aus, indem sie Kurse und Podcasts über „wahre Männlichkeit“ anbieten. Laut der Expertin ist dies nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer selbst schädlich. „Auch Männer können in einem starren Rollenmuster gefangen sein: Von ihnen wird erwartet, dass sie stark sind, keine Gefühle zeigen und der Ernährer der Familie sind“, so Meeusen.

Was ist „Das Foto von Flandern“?

„Das Foto von Flandern“ ist eine Studie, die VRT seit 2009 durchführen lässt. Sie gibt Einblicke in die Sorgen und Nöte der flämischen Bevölkerung, insbesondere in gesellschaftliche Themen.

Es handelt sich dabei um eine Online-Umfrage, deren Datenerhebung vom unabhängigen Forschungsinstitut Profacts durchgeführt wurde. Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe (Geschlecht, Alter, Bildung, Provinz) von 2.261 Flamen ab 12 Jahren.

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