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Inland
Justiz

Belgiens Gefängnisse quellen über

Als „besonders besorgniserregend“ bezeichnet der Zentrale Aufsichtsrat für das Gefängniswesen (CTRG) die aktuelle Situation in belgischen Gefängnissen. Der Grund: Die Zahl der Inhaftierten stieg zwischen 2023 und 2025 um mehr als ein Fünftel. In Gefängnissen wie Mechelen, in der Provinz Antwerpen, sind fast doppelt so viele Häftlinge untergebracht wie eigentlich vorgesehen.

Dirk Leestmans Anne Mettlen
Veröffentlicht:

Die problematische Situation der belgischen Gefängnisse ist allerdings nicht neu. Regelmäßig werden Zahlen zur Überbelegung und zu Häftlingen veröffentlicht, die auf Matratzen am Boden schlafen müssen. Besonders in den vergangenen drei Jahren ist die Gefängnisbevölkerung stark angestiegen.

Das hängt vor allem mit der politischen Entscheidung zusammen, Haftstrafen bis einschließlich drei Jahren tatsächlich zu vollstrecken. Eine Erweiterung der Kapazitäten blieb jedoch aus. Das Gefängnissystem war allerdings bereits zuvor überlastet. Seither kamen zusätzlich zahlreiche weitere Inhaftierte hinzu.

„Am 2. Januar 2023 befanden sich 124 Gefangene mit einer Strafe von bis zu einem Jahr und 399 Gefangene mit einer Strafe von mehr als einem Jahr bis zu drei Jahren im Gefängnis. Am 2. Januar 2026 waren es jeweils 405 und 1.476 Häftlinge, also ein Anstieg um 1.358 Personen oder mehr als eine Verdreifachung. Die Einführung der geänderten Strafvollstreckung liest sich daher wie eine Chronik einer angekündigten Katastrophe“, stellt die CTRG fest.

In belgischen Gefängnissen gehören Matratzen zwischen den Hochbetten zur Normalität.

Gefängnisse in Mechelen und Dinant platzen aus allen Nähten

In einigen Gefängnissen, wie etwa in Mechelen, befinden sich fast doppelt so viele Personen in Haft, wie die Kapazität zulässt. Eigentlich ist dort Platz für 84 Menschen vorgesehen, im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich jedoch 153. Im Gefängnis von Dinant, in der Provinz Namur, gibt es theoretisch Platz für 32 Personen, tatsächlich sind dort 57 Menschen untergebracht.

Auch die Zahl der Internierten in belgischen Gefängnissen ist deutlich gestiegen. Im Jahr 2023 befanden sich 851 Internierte in belgischen Gefängnissen, 2025 waren es bereits 1.074. Das sind 223 mehr, obwohl weitgehend Einigkeit darüber herrscht, dass diese Menschen nicht in Gefängnisse gehören, da sie entweder für schuldunfähig erklärt wurden oder unter psychischen Störungen leiden. Auch dieses Problem ist seit Jahren bekannt.

Im Jahresbericht heißt es dazu: „In der Praxis verbringen internierte Personen lange Zeiträume in Justizvollzugsanstalten. Dort kann die Zielsetzung der Pflege und Reintegration, die der Internierungsmaßnahme zugrunde liegt, nicht erfüllt werden. Diese Situation ist rechtswidrig und verstößt gegen internationale Instrumente zum Schutz grundlegender Menschenrechte.“

Vor genau zehn Jahren wurde ein neues Internierungsgesetz verabschiedet, um Menschen mit Pflege- und Integrationsbedarf aus Gefängnissen herauszuhalten. In der Praxis habe sich jedoch das Gegenteil entwickelt. „Internierte Personen gehören nicht in Gefängnisse. Gefängnisse sind keine Orte für Pflege.“

Außerdem geht aus dem Jahresbericht hervor, dass immer mehr Häftlinge unter psychischen Störungen leiden. Rund 50 Prozent der Gefangenen haben laut Bericht eine psychische Störung, fast 80 Prozent hatten bereits früher psychische Probleme.

Die Überbelegung der belgischen Gefängnisse ist ein bekanntes Problem.

Belgien gehört zu den strengsten Ländern Europas 

Die Überbelegung belgischer Gefängnisse gehört laut CTRG zu den höchsten unter den Mitgliedstaaten des Europarats. Das Verhältnis zwischen der durchschnittlichen täglichen Gefängnisbevölkerung und der verfügbaren Kapazität lag 2025 bei 117 Prozent. Belgien gehört damit zu den fünf bis sechs Ländern mit der höchsten Überbelegungsrate.

Auch die Zahl der Inhaftierten pro 100.000 Einwohner zählt zu den höchsten in Westeuropa. Belgien kommt auf 113,5 Inhaftierte pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Frankreich liegt der Wert bei 111,5, in Spanien bei 117,2 und in Portugal bei 114,6.

Andere Mitgliedstaaten des Europarats verzeichnen deutlich niedrigere Zahlen. Deutschland kommt auf 71,2 Inhaftierte pro 100.000 Einwohner, Dänemark auf 69,3 und Norwegen auf 54,1. Dass die Kriminalität dort grundsätzlich anders sei als in Belgien, hält die CTRG für unwahrscheinlich. Die Erklärung liege vielmehr vor allem in strengeren Urteilen belgischer Gerichte.

„Die Herausforderungen und strukturellen Probleme, mit denen das Gefängnissystem zu kämpfen hat, sind nicht unüberwindbar oder unvermeidlich; sie sind das Ergebnis von Entscheidungen. Das bedeutet, dass andere Entscheidungen auch zu anderen Ergebnissen führen können“, so der stellvertretende Vorsitzende der CTRG, Pieter Houbey.

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