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In Flandern wird immer häufiger wertvolle Natur illegal zerstört

Wertvolle flämische Natur wird immer häufiger illegal zerstört. In den letzten sechs Jahren wurden in Flandern deutlich mehr geschützte Hecken, Haine und Gräben illegal zerstört als zuvor. Dies belegen Zahlen der flämischen Naturinspektion, die vom VRT NWS angefordert wurden. Dabei sind diese Naturflächen für die Pflanzen- und Tierwelt solcher Landschaften von großer Bedeutung. Grundsätzlich ist jeder, der erwischt wird, zur Beseitigung des Schadens verpflichtet. Doch das ist leichter gesagt als getan. Fachleute in Flandern sind besorgt: „Die Regeneration kann Hunderte von Jahren dauern.“

Vincent Merckx Andreas Kockartz
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Wenn man an wertvolle Natur denkt, stellt man sich eher ausgedehnte Wälder vor als eine Hecke oder einen Hain zwischen ein paar Feldern. Aber genau solche typische flämische Landschaftselemente sind für die Natur sehr wertvoll. Deshalb stehen sie oft unter dem Schutz der flämischer Umweltgesetzgebung. Wer eine solche geschützte Hecke roden oder einen Teich zuschütten will, braucht eine Genehmigung.

Dennoch wird in Flandern jedes Jahr wertvolle Natur illegal zerstört. Laut Zahlen der Naturinspektion hat sich der Trend in den letzten Jahren offenbar beschleunigt. Seit 2020 verzeichnet die flämische Behörde deutlich häufiger zerstörte kleine Landschaftselemente wie Hecken, Wegränder und Baumreihen. Insgesamt sind seit 2020 196 Kilometer solcher Naturkorridore verschwunden.

Verschwindende Vegetation

Daneben wurde auch wertvollere Vegetation ohne Genehmigung zerstört. Dazu gehören unter anderem Heideflächen, Moore, Torfgebiete und Baumgruppen. Zwischen 2011 und 2018 verzeichnete die Naturinspektion nie mehr als 10 Hektar zerstörter Fläche. Seit 2020 hat sich diese Zahl – mit Ausnahme von 2023 – jedes Jahr um ein Vielfaches erhöht.

Typische Weißdornhecken, wie hier in der Maaslandschaft in den Niederlanden, sind in Flandern weitgehend verschwunden

Diese Entwicklung sei nicht auf die Anzahl der Kontrollen zurückzuführen, da diese gleich geblieben sei, heißt es dazu bei der flämischen Landesagentur für Natur und Wälder (Natuur & Bos).

Stacheldraht ersetzt Weißdorn

Nicht der gesamte flämische Bestand an Hecken, Baumreihen, Baumgruppen und Mooren sei dadurch akut gefährdet, so die Ansicht der Behörden. 2024 verfügte Flandern über 44.500 Kilometer an kleineren Landschaftselementen. Die seit 2020 verlorenen 196 Kilometer sind nur ein Bruchteil davon. Das Problem ist, dass bereits viel verloren gegangen ist. In den letzten 250 Jahren hat Flandern beispielsweise zwei Drittel seiner Hecken verloren. Und von dem, was noch übrig ist, wird jedes Jahr ein Stück mehr vernichtet.

„Diese Landschaftselemente nehmen rapide ab, vor allem aufgrund der Ausweitung der Landwirtschaft“, sagt Lander Wantens von der ehrenamtlichen flämischen Naturschutzbewegung Natuurpunt: „Früher gab es hier noch viele Bäume und Teiche, aber in den letzten zehn Jahren sind viele davon verschwunden.“

Anders bewirtschaften

Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Landwirte in Flandern ihre Anbaumethoden verändert haben. Dieser Prozess läuft zudem schon viel länger. Durch die Erfindung des Stacheldrahts zu Beginn des letzten Jahrhunderts sind beispielsweise Weißdornhecken nicht mehr nötig. Und kleine Teiche oder hügelige Wiesen sind eine Belastung für diejenigen, die möglichst viel Land bewirtschaften wollen.

Mehr Zäune, weniger Hecken und stark beigeschnittene Bäume...

„Landwirte haben ein großes Interesse daran, so naturnah wie möglich zu wirtschaften und sie wollen das auch“, erklärt Tessa De Prins, Sprecherin des Bauernverbandes gegenüber VRT NWS, „aber natürlich muss das mit ihren Betriebsabläufen vereinbar sein. Oft stoßen sie dabei auf Vorschriften, Kosten und Unsicherheiten. Die Biodiversität darf keine Bedrohung für den Betrieb darstellen, weshalb wir uns auch für die Möglichkeit temporärer Naturflächen einsetzen.“

Umdenken

Laut Lander Wantens von Natuurpunt ist es an der Zeit, dass Flandern der Bedeutung einer gesunden Agrarlandschaft mit Hecken und Grünland mehr Aufmerksamkeit schenkt. Nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen: „Denken Sie an die Überschwemmungen in der Westhoek (in Westflandern, Red.) vor einigen Jahren. Dort wurde viel historisches Grünland für den Kartoffelanbau gerodet, obwohl es viel mehr Wasser speichert. Dann sind die Folgen Überschwemmungen und Bodenerosion.“

Es gibt daher gute Gründe, die Zerstörung wertvoller Natur zu verbieten. Folglich werden Strafen verhängt. Grundsätzlich müssen alle geschützten Haine, Sträucher, Hecken oder Teiche, die ohne Genehmigung zerstört wurden, wiederhergestellt werden. Geschieht dies nicht, kann der Richter eine Geldstrafe verhängen. Laut Natuur & Bos wurden 85 % aller im Jahr 2025 illegal zerstörten Naturflächen auf diese Weise wiederhergestellt.

In klassischen Heckenlandschaften leben zahlreiche Vögel

Keine genauen Zahlen

Die flämische Naturinspektion kann nicht sagen, wie oft Naturzerstörung nachträglich tatsächlich legalisiert wird, da dies als „eher die Ausnahme als die Regel“ ist. Wiederhergestellte Natur kann zudem nicht immer einfach das Verlorene ungeschehen machen. „Manche Pflanzenarten brauchen Hunderte von Jahren, um ihren ursprünglichen natürlichen Wert wiederzuerlangen“, sagt Jeroen Denaeghel von Natuur & Bos dazu: „Deshalb fordern wir in manchen Fällen auch zusätzliche finanzielle Entschädigung.“

„Darüber hinaus besitzt geschützte Vegetation einen bedeutenden landschaftlichen und kulturhistorischen Wert, da sie die traditionelle flämische Landschaft mitprägt. Zerstörung oder Degradierung bedeuten daher einen irreversiblen Verlust an Biodiversität und natürlichen Funktionen, der nicht ohne Weiteres kompensiert werden kann.“

Vorbeugen ist also besser als heilen. Dennoch kann eine entschlossene Politik etwas bewirken. So wurde beispielsweise im vergangenen Jahr nur ein Fünftel der historischen Grasfläche zerstört wie im Spitzenjahr 2019. Laut Natuur & Bos ist dieser bemerkenswerte Erfolg auf eine neue Überwachungsmethode mithilfe von Satellitenbildern zurückzuführen.

Bodenerrosion in einer flämischen Agrarlandschaft ohne Hecken und Bäume

Brouns: „Absolute Priorität“ – Schauvliege: „Reicht nicht“

Laut Flanderns Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jo Brouns (CD&V, flämische Christdemokraten) zeigen die Zahlen der letzten Jahre „keinen signifikanten Trend, insbesondere da die Erfassung in früheren Jahren im Vergleich zu den letzten Jahren auch weniger genau war“. Dennoch betont Brouns, dass der Schutz dieser wertvollen ländlichen Natur „absolute Priorität“ habe: „Jeder Fall wird sehr genau verfolgt.“

„Wer unserer Natur Schaden zufügt, muss das wiedergutmachen. Unsere Natur ist ein kostbares Gemeingut, das wir für künftige Generationen schützen müssen. Wo eine Wiederherstellung möglich ist, muss der Schaden wirksam behoben werden. Und wo nötig, folgen Bußgelder oder andere Sanktionen. Damit machen wir deutlich, dass Naturzerstörung in Flandern nicht ohne Folgen bleibt,“ so der Minister.

Laut der flämischen Landtagsabgeordneten Mieke Schauvliege (Groen, flämische Grüne) reicht das nicht aus: „Der Schutz der wertvollen Natur, die unsere Landschaft prägt, ist in Flandern nach wie vor unzureichend. Gerade jetzt, wo wir dringend die Natur in Flandern wiederherstellen müssen, hat der Schutz der noch vorhandenen Natur absolute Priorität.e

Die Bestandsaufnahme der Natur in Flandern zeige bereits, dass insbesondere die Arten der Agrarlandschaft zurückgehen: „Wir müssen diese Elemente daher besonders schützen und sie wiederherstellen und stärken, anstatt sie verschwinden zu lassen.“

Landwirte in Flandern sollen Naturschutz mehr in ihre Arbeit einbauen

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