Die VRT-Magazinsendung „Pano“ enthüllte, wie mehrere BMW-Diesel in Belgien aufgrund eines dem Hersteller seit Langem bekannten Defekts in Brand gerieten. Doch das Problem betrifft weit mehr als nur BMW. Das gesamte System rund um Rückrufaktionen in der Automobilbranche wirft Fragen auf, denn in Belgien ist kein Hersteller verpflichtet zu überprüfen, ob eine Rückrufaktion tatsächlich durchgeführt wurde. Liegt hier das eigentliche Problem? Auch Europa ist hier gefragt.
VRT-Reportage: Ausgebrannte BMW-Dieselautos decken rechtliche Lücken bei Rückrufaktionen in Belgien und der EU auf
In der Reportage wurde enthüllt, dass in den letzten Jahren Dutzende BMWs aufgrund eines Konstruktionsfehlers in Brand geraten sind und der Rückruf sich bereits seit acht Jahren hinzieht.
Die Geschichte, die VRT NWS in der „Pano“-Sendung erzählt, beginnt wie folgt: Im November 2024 fuhr Cindy mit ihren beiden Töchtern nach Hause, als sie plötzlich etwas Seltsames unter ihren Füßen spürte. Weißer Rauch stieg unter der Motorhaube auf. Eine ihrer Töchter rief, sie müsse anhalten. Cindy hielt den Wagen an und knapp eine Viertelstunde später war von ihrem BMW nichts mehr übrig. Ihre jüngste Tochter ist seitdem in psychiatrischer Behandlung.
Versicherung deckt Schäden aber keine Konstruktionsfehler…
Darüber hinaus erhielt Cindy keinen einzigen Euro Entschädigung: Ihre Vollkaskoversicherung deckt keine Herstellungsfehler ab. Laut der Reportage fangen BMW-Dieselmotoren in Belgien seit Jahren Feuer aufgrund eines Defekts bzw. einer mutmaßlichen Fehlkonstruktion im Abgasrückführungssystem EGR-System). Bei einem Leck kann dieses Bauteil unter bestimmten Umständen einen Brand verursachen.
BMW ist das Problem angeblich seit 2018 bekannt. Betroffen ist ein Großteil der Dieselmodelle der Marke (1er bis 7er Reihe und SUVs von X1 bis X6, gebaut zwischen 2010 und 2022).
Ein weiterer Zeuge sagte gegenüber „Pano“, das er einen Monat vor dem Brand seines BMW eine erste Rückrufbenachrichtigung erhielt. Ein zweiter Brief folgte einen Monat später. Laut unabhängigen Werkstätten, mit denen „Pano“-Redakteure sprachen, sind in Europa bereits Hunderte von Fahrzeugen ausgebrannt. BMW selbst gab keine offiziellen Zahlen bekannt.
Nicht nur BMW
Der Fall ist ernst, doch die „Pano“-Recherchen zeigen, dass es weit über einen einzelnen Hersteller hinausgeht. In Europa ist nach einem Rückruf jedes vierte Auto unrepariert auf den Straßen unterwegs – unabhängig von Marke und Mangel, wie das belgische Automobil-Fachportal Gocar nach der „Pano“-Reportage berichtet.
Europäische Materie
Laut Gocar arbeitet die Europäische Kommission derzeit an einer Lösung für dieses Problem und will eine Gesetzeslücke schließen. Im Rahmen der Überarbeitung der Fahrzeugprüfungsvorschriften würde die Prüfung von Fahrzeugen mit einem noch ausstehenden sicherheitsrelevanten Rückruf in allen Mitgliedstaaten der EU bei den KFZ-Prüfstellen automatisch verweigert.
Die Verhandlungen zwischen EU-Kommission und EU-Parlament dauern jedoch noch an. Läuft alles planmäßig, ist frühestens 2028 mit einer Lösung zu rechnen – und selbst dann nur, wenn alle Mitgliedstaaten in dieser Frage tatsächlich zur Zusammenarbeit bereit sind.
Belgiens Verbraucherschutzminister Beenders reagiert: „Europäisches Meldesystem versagt“
Der belgische Verbraucherschutzminister Rob Beenders (Vooruit, flämische Sozialisten, Foto unten) ist der Ansicht, dass Safety Gate, das europäische Meldesystem für Produktrückrufe, nicht ordnungsgemäß funktioniert. Zu diesem Schluss kommt Beenders nach der „Pano“-Sendung.
„Deutschland entschied, dass das Problem nicht schwerwiegend genug sei, um es im Meldesystem zu erfassen. Das muss sich ändern. Selbst das geringste Risiko im Zusammenhang mit einem Produkt muss im System erfasst werden, damit jede Regierung in jedem europäischen Land weiß, was vor sich geht und was zu tun ist. Ich glaube, dass es in diesem Fall tatsächlich versagt hat,“ sagte der Verbraucherschutzminister gegenüber VRT NWS.
aut Beenders will Belgien eine Vorreiterrolle bei der Verbesserung von Safety Gate übernehmen: „Ich habe mich bereits mehrmals mit dem zuständigen EU-Kommissar beraten, da es eine Reihe weiterer Produkte gab, bei denen Mängel auftraten und keine Meldung eingereicht wurde. Diese Verbesserung muss dringend beschleunigt werden. Es geht um die Sicherheit der Menschen.“
Darüber hinaus möchte der Minister sich so schnell wie möglich mit dem Autohersteller BMW treffen, um zu erfahren, warum der Rückruf so lange dauert: „Die bloße Vorstellung, dass man nur wenige Sekunden Zeit hat, ein brennendes Auto mit einem Baby auf dem Rücksitz zu verlassen, ist für mich absurd. Es kann doch nicht so schwierig sein, die Fahrzeughalter zu kontaktieren und sicherzustellen, dass sie in die Werkstatt fahren.“
