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Inland
Wirtschaft

Erste europäische Großanlage für nachhaltigen Flugkraftstoff entsteht im Hafen von Gent

Im Hafen von Gent soll die erste europäische Großanlage entstehen, die Ethanol in nachhaltiges Kerosin umwandelt. Das US-amerikanische Technologieunternehmen LanzaTech hat dazu den North Sea Port als Standort ausgewählt. Dabei sollen unter anderem Restgase des nahegelegenen Stahlkonzerns ArcelorMittal genutzt werden. Die Investition von rund 500 Millionen Euro soll dazu beitragen, den Luftfahrtsektor klimafreundlicher zu gestalten.

Geert Houck Anne Mettlen
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Die Luftfahrt gilt als einer der Bereiche, in denen Nachhaltigkeit besonders schwer umzusetzen ist. Mit der neuen Anlage im Hafen von Gent, der Teil des North Sea Port ist, stellt LanzaTech nun eine konkrete Lösung vor. Dort soll die erste kommerzielle „Alcohol-to-Jet“-Anlage Europas gebaut werden.

Besonders ist dabei die Zusammenarbeit verschiedener Industriezweige. ArcelorMittal fängt bereits seit Längerem schädliche Restgase auf, die mithilfe von Bakterien in Ethanol umgewandelt werden. Diese sogenannte Steelanol-Anlage befindet sich gegenüber der geplanten Fabrik auf der anderen Seite des Kanals Gent–Terneuzen. Das dort produzierte Ethanol soll anschließend in der neuen Anlage von LanzaTech durch einen chemischen Prozess in nachhaltigen Flugkraftstoff umgewandelt werden.

Neue Arbeitsplätze 

Mit dem Projekt ist eine Investition von rund 500 Millionen Euro verbunden, die auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigung haben soll. Während der voraussichtlich dreijährigen Bauarbeiten sollen durchschnittlich rund 300 Menschen beschäftigt werden. Nach der Inbetriebnahme sollen zudem 50 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.

Die Anlage soll jährlich etwa 79.000 Tonnen nachhaltigen Flugkraftstoff produzieren. Das könnte den CO₂-Fußabdruck von Tausenden Flügen deutlich reduzieren. Laut LanzaTech verursacht der Kraftstoff bis zu 80 Prozent weniger Emissionen als herkömmliches Kerosin. Zusätzlich sollen jährlich rund 9.000 Tonnen erneuerbarer Diesel hergestellt werden.

„Das ist ein Meilenstein“, erklärt LanzaTech. „Indem wir Abfallströme direkt in Kraftstoff umwandeln, beweisen wir, dass eine Kreislaufwirtschaft auch in der Schwerindustrie und Luftfahrt möglich ist.“

Der Standort in Gent ist kein Zufall

Für den North Sea Port ist das Projekt ein wichtiger Erfolg. „Diese Investition bestätigt unsere Strategie, konsequent auf die Energiewende und die Kreislaufindustrie zu setzen“, sagt der North-Sea-Port-CEO Cas König.

Auch die Genter Hafenschöffin Sofie Bracke von der lokalen Liste Voor Gent begrüßt die Entscheidung. „Dass dieses Projekt gerade in Gent realisiert wird, ist kein Zufall: Unser Hafen bietet den richtigen Standort, die passende Infrastruktur und eine innovative Denkweise.“

Bemerkenswert ist dabei die Rolle der Steelanol-Anlage. Ende vergangenen Jahres waren noch Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts laut geworden, und auch eine mögliche Schließung stand im Raum. Nun verweist LanzaTech ausdrücklich auf die Nähe der Anlage als einen der Gründe für die Standortwahl Gent.

Wann der Bau der neuen Fabrik beginnt, hängt noch von den endgültigen Genehmigungen ab. 

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