Ein neues Kapitel in der Erforschung der römischen Vergangenheit Flanderns begann diese Woche in Tienen in Flämisch-Brabant. Forscher der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) haben unter der Leitung von Prof. Maarten Larmuseau mit DNA-Analysen an gallisch-römischen und merowingischen Skelettresten aus dem größten römischen Gräberfeld der Benelux-Staaten begonnen.
Die Löwener Universität startet DNA-Untersuchungen an Skelettresten aus einem großen römischen Gräberfeld in Tienen
Gemeinsam mit dem Doktoranden Noah Gaens entnahm das KUL-Team Proben von gut erhaltenen menschlichen Überresten aus dem Stadtmuseum Het Toreke in Tienen, um mehr über Herkunft, Mobilität und familiäre Bindungen der damaligen Bevölkerung zu erfahren. Die Forschung soll Antworten auf grundlegende Fragen liefern, wer diese Menschen waren und wie sie miteinander verbunden waren.
Das südwestliche Gräberfeld von Tienen mit fast 1.400 Gräbern bietet einen außergewöhnlichen Einblick in das Leben und Sterben der Bewohner des römischen Vicus, wie die Stadt damals hieß.
Frühere Forschungen hatten bereits gezeigt, dass das fünf Hektar große Gelände seit der Gründung der Siedlung genutzt wurde und fast drei Jahrhunderte lang eine zentrale Rolle spielte. Bestattungen und Einäscherungen fanden dort statt, oft begleitet von reichen Grabbeigaben, was auf komplexe Rituale und eine starke Symbolik im Zusammenhang mit dem Tod hindeutet.
Nicht die ersten Forschungen
Frühere Isotopenuntersuchungen der flämischen Freien Universität Brüssel (VUB) an 147 Individuen ergaben, dass die meisten Bewohner – mit wenigen Ausnahmen in Zeiten erhöhter Aktivität – aus der Region stammten. Auch die Ernährung schien von Faktoren wie Salzkonsum, Landnutzung und Lebensmittelimporten beeinflusst worden zu sein.
Mit der neuen DNA-Forschung wollen Wissenschaftler grundlegende Fragen zur Identität und Verwandtschaft der Bewohner des römischen Tienen beantworten. Mithilfe genetischer Analysen hoffen sie, Migrationsmuster, familiäre Bindungen und die Zusammensetzung der Bevölkerung zu erfassen.
Das Projekt soll ein einzigartiges und detailliertes Bild einer Gemeinschaft liefern, die vor fast 2000 Jahren lebte, aber bis heute weitgehend unbekannt blieb.
