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Nordrhein-Westfalen kritisiert das Vorhaben Belgiens, seine alten Kernkraftwerke in Betrieb zu lassen

Die Pläne Belgiens, den Rückbau der ausgedienten Reaktoren in den Atomkraftwerke Tihange (Foto) und Doel zu stoppen und auf eine längere Laufzeiten der noch aktiven Meiler zu setzen, stoßen in Nordrhein-Westfalen (NRW) auf massive Kritik. Dies melden die Aachener Zeitung und der WDR. Besonders die Reaktoren im grenznahen Kernkraftwerk Tihange in Huy bei Lüttich gelten wegen ihrer langen Laufzeit und ihren Pannen in Deutschland als Sicherheitsrisiko.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Idee der belgischen Bundesregierung, aus Gründen der Energie-Versorgungssicherheit wieder auf Kernkraft zu setzen und im Zuge dessen die alten AKW wieder in Betrieb zu nehmen, führt zu erheblichen Bedenken im angrenzenden deutschen Bundesland Nordrhein-Westfahlen. Die Kernpunkte der Kritik aus Richtung NRW sind in erster Linie Sicherheitsbedenken: NRW-Politiker kritisieren scharf, dass Reaktoren, die bereits über 30 bis 40 Jahre in Betrieb sind, weiterlaufen oder wieder in Betrieb genommen werden sollen.

Die Landesregierung von NRW hat ihre Kritik an den belgischen AKW-Plänen Anfang Mai 2026 noch einmal intensiviert und fordert den endgültigen Ausstieg Belgiens, wie die Aachener Zeitung berichtet. In diesem Zusammenhang wird von Belgien mehr Transparenz, Sicherheitsgarantien und eine stärkere Einbeziehung der betroffenen Regionen in NRW gefordert.

Protest in der Grenzregion

Die Städteregion Aachen klagt offenbar aktiv gegen den geplanten Weiterbetrieb der belgischen AKW und fordert Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, so die Aachener Zeitung. Der WDR meldete vor einigen Tagen dazu, dass der Aachener Städteregionsrat Tim Grüttemeier (CDU) in der Sache eher zurückhaltend reagiert.

Der Protest der Städteregion habe sich stets konkret gegen den aus seiner Sicht unsicheren Reaktor Tihange 2 gerichtet, der inzwischen abgeschaltet ist, so Grüttemeier. Man habe sich nie grundsätzlich gegen Atomkraft oder andere Reaktoren ausgesprochen und wolle Belgien auch weiterhin keine Vorschriften machen.

Hintergrund

Obwohl Belgien 2022 ursprünglich den Ausstieg beschlossen hatte, führen die allgemeinen geopolitische Entwicklungen möglicherweise zu einer Laufzeitverlängerung von einigen Reaktoren, was jetzt zu einer Aussetzung des  Rückbaus von bereits abgeschalteten Meilern führt.

Belgien verfügt über sieben Atomreaktoren: 4 im AKW Doel bei Antwerpen und 3 im AKW in Tihange bei Huy in der Provinz Lüttich. Zwei davon sind noch in Betrieb: Doel 4 und Tihange 3.

Ihre Laufzeit wurde kürzlich bis 2035 verlängert. Die Regierung plant diese voraussichtlich weiter zu verlängern. Die anderen Reaktoren wurden zwischen 2022 und 2025 abgeschaltet. Inzwischen verhandelt die belgische Regierung mit Kraftwerksbetreiber Engie über eine Übernahme der Anlagen, was quasi einer Verstaatlichung gleichkommt. Dagegen richtet sich auch Kritik und Protest im eigenen Land. 

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