Die Beseitigung der umweltschädlichen PFAS-Verbindungen sowie die damit verbundenen Gesundheitskosten könnten Belgien jährlich zwischen 2 und 6 Milliarden Euro kosten. Das berichtet „De Standaard“. Die vorherige Regierung hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Kosten zu ermitteln und zu klären, wer dafür aufkommen soll.
Die Kosten für die Beseitigung von PFAS-Verunreinigungen können sich auf bis zu 6,2 Milliarden Euro pro Jahr belaufen
Aus dem Gutachten des externen Beratungsunternehmens RDC Environment geht hervor, dass die Sanierungs- und Gesundheitskosten Belgien im schlimmsten Fall bis zu 6,2 Milliarden Euro pro Jahr betragen können. Das entspricht etwa 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Eine genaue Einschätzung der Kosten ist schwierig, da die Verschmutzung weiterhin andauert und sich die Kosten somit noch verändern können. Außerdem wird weiterhin darüber diskutiert, in welchem Ausmaß Gesundheitsrisiken begrenzt werden können.
Was sind PFAS?
PFAS sind sogenannte „forever chemicals“. Dabei handelt es sich um tausende chemische Stoffe, die in der Natur nicht abgebaut werden und sich im menschlichen Körper anreichern können. Einige stellen nachweislich ein Gesundheitsrisiko dar. Sie können unter anderem das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
Besonders in den Fokus rückten PFAS durch den 3M-Skandal im Jahr 2021. Damals wurde eine großflächige Kontamination mit der PFAS-Variante PFOS aufgedeckt, die in der 3M-Fabrik in Zwijndrecht verwendet wurde.
In anderen Szenarien könnten die kosten niedriger ausfallen: In einer vorsichtigeren Schätzung liegen sie bei etwa 1,9 Milliarden Euro pro Jahr, in einem mittleren Szenario bei rund 3,8 Milliarden. Ein großer Teil der Ausgaben entfällt auf die Bodensanierung.
Der Bericht hebt hervor, dass die „verlorenen Menschenleben“ am schwersten wiegen. Daher müsse es auch Entschädigungen für Todesfälle im Zusammenhang mit PFAS geben.
Beratung der Regionalminister
Das Gutachten liegt inzwischen dem Beratungsgremium der Umweltminister vor. Den Vorsitz hat der föderale Umweltminister Jean-Luc Crucke der frankophonen Konservativen (Les Engagés) inne. Er erwartet bis zum Sommer zusätzlich eine eigens in Auftrag gegebene Folgenabschätzung zu den PFAS.
„Die Gespräche mit den föderalen Kollegen und den Kollegen der anderen Regionen laufen derzeit“, sagt Jo Brouns, der flämische Umweltminister der flämischen Christdemokraten (CD&V). „Wir stellen fest, dass es bei verschiedenen Partnern kritische Bedenken gegenüber der Studie gibt. Diese werden auch von anderen Kollegen geteilt.“
Brouns betont, dass man der Konsultation mit den regionalen Ministern „alle Chancen geben“ wolle, um das Dossier gründlich und untereinander abgestimmt zu behandeln. Gleichzeitig hält der Minister daran fest, dass die Verursacher die Kosten der Sanierung tragen müssen.
Forderung nach Produktionsstopp
Die Abgeordnete Mieke Schauvliege, die für die flämischen Grünen (Groen) im flämischen Parlament sitzt, spricht sich für ein Ende der PFAS-Produktion aus. „Der Fall zeigt, wie enorm die Kosten sind und dass wir aufhören müssen, PFAS zu produzieren und in die Umwelt zu bringen“, sagt sie gegenüber VRT NWS.
„PFAS sind in unserem Land weitverbreitet. Sie gelangen nicht nur durch 3M in die Umwelt, sondern auch über Abfallentsorger“, so Schauvliege. Ihrer Ansicht nach sei ein Produktionsstopp die einzige Lösung: „PFAS stecken in sehr vielen Produkten, deshalb braucht es ein Verbot. Die Produktion sollte nur dort erlaubt sein, wo sie wirklich notwendig ist, etwa im medizinischen Bereich.“

