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Inland
Wirtschaft

„Ohne Gegenmaßnahmen droht die Lebensmittelproduktion aus Belgien zu verschwinden“

Die belgische Lebensmittelindustrie warnt davor, dass die Lebensmittelproduktion schrittweise ins Ausland verlagert werden könnte, wenn nicht dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ergriffen werden. In ihrem diese Woche vorgestellten Jahresbericht nannte Fevia, der Branchenverband dieses Sektors, stagnierende Inlandsverkäufe, steigende grenzüberschreitende Käufe, zunehmenden Wettbewerb durch ausländische Produkte und geopolitische Spannungen als zentrale Bedrohungen für die Branche.

Andreas Kockartz
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„Wenn wir jetzt nicht eingreifen, droht die Produktion aus Belgien zu verschwinden“, erklärte Fevia. Trotz dieser Bedenken bleibt die Branche Belgiens größter Industriezweig mit einem Umsatz von 85,1 Mia. €, Exporten in Höhe von 42,4 Mia. € und 102.779 Arbeitsplätzen im Jahr 2025. „Die Lebensmittelindustrie ist der Motor der belgischen Industrie“, sagte Fevia-CEO Ann Wurman bei der Präsentation des Berichts.

Druck auch im Inland und zunehmender Wettbewerb

Hinter diesen starken Zahlen sieht Fevia jedoch wachsende strukturelle Herausforderungen. Der Inlandsabsatz bzw. die Nachfrage im eigenen Land stagniert, während die grenzüberschreitenden Käufe mit 708 Mio. € im letzten Jahr weiterhin hoch sind. Gleichzeitig gewinnen ausländische Produkte, insbesondere aus den Niederlanden, in den belgischen Regalen an Bedeutung. Ihre Präsenz hat sich in den letzten fünfzehn Jahren verdoppelt.

Auch international verlangsamt sich das Wachstum. Die Exporte außerhalb der Europäischen Union stagnieren und die Dynamik in wichtigen Märkten wie den USA lässt nach. Geopolitische Spannungen, darunter der Krieg in der Ukraine und die Instabilität im Nahen Osten, sorgen für zusätzliche Unsicherheit und treiben die Kosten in die Höhe.

Sinkende Wettbewerbsfähigkeit?

„Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Ohne Gegenmaßnahmen gerät die Verankerung der Lebensmittelindustrie in Belgien unter Druck. Sinkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen weiter, droht die Produktion in Länder mit niedrigeren Produktionskosten abzuwandern. Dies hätte Folgen für Arbeitsplätze, Investitionen und die gesamte Agrar- und Lebensmittelkette“, so Wurman.

Laut Fevia handelt es sich bei der Situation nicht um einen vorübergehenden Abschwung, sondern um ein „strukturelles Warnsignal“. Eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern des Branchenverbandes zeigt, dass alle Lebensmittelunternehmen betroffen sind. „Steigende Kosten werden derzeit nicht weitergegeben, und die Rentabilität gerät stark unter Druck, was sich auf Investitionen und Arbeitsplätze auswirkt. Der Krieg im Nahen Osten und die geopolitische Lage verschärfen den Druck auf Energie-, Transport- und Verpackungspreise sowie Rohstoffe und Logistik. Die Unternehmen können die Belastungen zwar abfedern, aber das ist mittelfristig nicht tragbar“, warnte Wurman.

Dringende Maßnahmen gefordert

Fevia fordert sofortiges Handeln zum Schutz der Branche: „Wenn wir unsere belgische Lebensmittelindustrie schützen und stärken wollen, müssen wir heute handeln, nicht erst morgen. Wir müssen die Binnennachfrage ankurbeln, indem wir Lebensmittel und Getränke erschwinglich halten und keine Mehrwertsteuererhöhung einführen. Eine Mehrwertsteuererhöhung würde den grenzüberschreitenden Handel weiter ankurbeln.“

Der Verband setzt sich außerdem für niedrigere Verpackungsabgaben und Verbrauchssteuern sowie für die Einführung eines steuerlichen Rahmens für Getränke ein. Er warnt davor, dass die derzeitige Abfallsteuer ein „Damoklesschwert“ sei: „Sie ist drei- bis viermal so hoch wie in unseren Nachbarländern. Auch das ist eine zusätzliche Steuer, die den grenzüberschreitenden Handel weiter ankurbeln kann. Wir wollen, dass diese Abfallsteuer das Niveau unserer Nachbarländer erreicht.“

Strukturelle Reformen

Neben fiskalischen Maßnahmen betont Fevia die Notwendigkeit struktureller Reformen: „Unsere Lohnkosten liegen derzeit über 23 Prozent über dem Durchschnitt der Nachbarländer. Das ist nicht tragbar. Daher müssen wir durch eine gezielte Lohnindexierung für tragbare Lohnkosten sorgen und die Unterstützung für Nacht- und Schichtarbeit aufrechterhalten.

Laut Fevia-CEO Wurman müssen diese Maßnahmen mit erschwinglichen Strompreisen, reduziertem Verwaltungsaufwand und gleichen Wettbewerbsbedingungen einhergehen: „Nur so können Unternehmen weiterhin in Belgien investieren. Ohne diese Garantien riskieren wir, dass die Produktion verschwindet.“

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