Eine neue Arbeitsgruppe unter Leitung von Premierminister Bart De Wever (N-VA, flämische Nationaldemokraten) befasst sich mit der Zukunft von Volvo Car Gent. Das berichtet die flämische Tageszeitung De Morgen und wurde unserer Redaktion bestätigt. Das Werk ist mit 6.500 Beschäftigten einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber Belgiens. Die Regierung will verhindern, dass die letzte Autofabrik des Landes in Schwierigkeiten gerät.
Premier De Wever leitet Arbeitsgruppe zur Sicherung der Zukunft von Volvo Gent
Seit Januar tagt die Arbeitsgruppe hinter verschlossenen Türen, um ein Szenario wie bei Audi Brüssel oder Ford Genk abzuwenden, die vor einigen Jahren infolge von Umstrukturierungen schließen mussten. Auch die föderalen Vizepremierminister sowie der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) sind eng in die Gespräche eingebunden.
Die Leitung des Werks in Gent bestätigt die engen Kontakte mit den verschiedenen Regierungen. „Als Unternehmen stehen wir fortlaufend im Dialog mit politischen und anderen Stakeholdern über Dossiers, die für unsere Industrie von Bedeutung sind“, erklärte Sprecherin Barbara Blomme.
Nicht zukunftssicher
Die Leitung von Volvo Gent bestätigt die Gespräche mit den belgischen Regierungen und würdigt deren Engagement und Unterstützung. „Wir arbeiten konstruktiv zusammen mit Blick auf eine weitere nachhaltige Entwicklung des Sektors.“
Die Gewerkschaften sorgen sich, dass das Werk im kommenden Jahr zwei Elektromodelle an einen neuen Standort in der Slowakei verlieren wird. Es besteht noch keine akute Gefahr, dass das Werk verschwinden könnte, doch es gibt Handlungsbedarf. Das sagt Gert Verhoeven, Mobilitätsexperte beim VAB. „Das neueste Automodell von Volvo, der EX60, ist auf einer völlig anderen Plattform gebaut als die anderen Modelle.“
Derzeit werden die Batterien in oder unter den Autos montiert. „Bei neuen Modellen ist die Batterie Bestandteil der Grundplatte des Fahrzeugs. Dadurch sind die Autos sicherer, leichter, effizienter und nachhaltiger. Über diese Technologie, die man Mega-Casting nennt, verfügt Volvo Gent nicht.“ In Volvo-Werken in Schweden und der Slowakei ist die neue Produktionsmethode hingegen bereits installiert.
Für Mittwoch ist ein neues Treffen zwischen der Arbeitsgruppe und der Leitung von Volvo Car Gent geplant. Obwohl noch keine großen Entscheidungen erwartet werden, ist der Zeitpunkt auffällig. Am selben Tag wird nämlich auch die Zukunft des Standorts Gent in der Konzernzentrale in China besprochen.
