Zum Hauptinhalt springen

Adoptionen nach Flandern nicht mehr möglich: „Historischer Moment“

Flanderns Regionalregierung hat eine Einigung über ein Auslaufszenario für internationale Adoptionen erzielt. Das teilte Wohlfahrtsministerin Caroline Gennez mit. Nach der neuen Gesetzgebung werden nur noch jene Personen das Verfahren abschließen können, die über ein Eignungsurteil und eine Zuordnung zu einem Adoptivkind verfügen. Die Entscheidung, Adoptionen aus dem Ausland endgültig zu beenden, folgt auf Berichte über problematische Adoptionsdossiers.

Jens Van Reet Belga
Veröffentlicht:

Die Entscheidung kommt keineswegs überraschend. Die Zahl internationaler Adoptionen in Flandern sinkt seit Jahren. Im Jahr 2009 gab es noch mehr als 244 internationale Adoptionen nach Flandern. Diese Zahl sank bis 2022 auf 29. Ursache dafür sind zahlreiche Unregelmäßigkeiten in Adoptionsdossiers und weniger geeignete Adoptionskanäle.

Seit 2023 sind internationale Adoptionen in Flandern ausgesetzt, nachdem Berichte über Missstände bei Dossiers aus Äthiopien bekannt geworden waren. Kürzlich tauchte in der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad ein neuer Fall eines problematischen Adoptionsdossiers aus Portugal auf.

Aufgrund der anhaltenden Probleme wuchs die politische Unterstützung dafür, aus der Adoptionspause einen endgültigen Stopp zu machen. Im März dieses Jahres zeigte sich darüber auch innerhalb der flämischen Mehrheitsparteien (N-VA, Vooruit, CD&V) Einigkeit. Ministerin Gennez sprach damals im Flämischen Parlament von „einem historischen Moment“.

Nun gibt es also eine tatsächliche Einigung über ein solches Auslaufszenario. Konkret kommt ein neues Adoptionsdekret, das einen gesetzlichen Rahmen für alle Adoptionsverfahren schaffen soll. Dabei werden internationale Adoptionen nicht mehr möglich sein. Nur Kandidaten, die bereits über ein Eignungsattest und eine konkrete Zuordnung zu einem Kind in einem Herkunftsland verfügen, werden ihr Verfahren noch abschließen können.

Die neue Regelung soll im Laufe des Jahres 2027 in Kraft treten. Bis dahin wird die derzeitige Adoptionspause fortgesetzt. Das bedeutet, dass weiterhin keine neuen Kandidaten für internationale Adoptionen eingeladen werden, mit vorbereitenden Sitzungen zu beginnen.

Inlandsadoptionen bleiben weiterhin möglich, auch wenn deren Zahl im Jahr 2025 auf 13 gefallen ist, den niedrigsten Stand aller Zeiten. Zudem wird es ein einheitliches Vorbereitungssystem für Adoptiv- und Pflegeeltern geben.

Kinderrechtskommissariat zufrieden

Unterstützung für die Beendigung kommt neben Teilen der Opposition auch vom Kinderrechtskommissariat. Kinderrechtskommissarin Caroline Vrijens stellt das System internationaler Adoptionen schon länger infrage. „Das System ist inhärent betrugsanfällig“, sagte Vrijens der Nachrichtenagentur Belga und verwies unter anderem auf Unklarheiten und Unsicherheiten hinsichtlich Identität, Abstammung und der Bedürfnisse von Kindern.

Zwar gebe es laut Vrijens auch gute Adoptionsgeschichten, doch negative Berichte über traumatische und problematische Erfahrungen tauchten immer wieder auf. „Und wenn man keine Sicherheit geben kann, dass das Verfahren im Interesse des Kindes ist, dann sollte man das System besser beenden. Das ist daher die einzig richtige Entscheidung“, hieß es.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5