Die N-VA-Vorsitzende Valerie Van Peel (Foto oben) schlug am Wochenende vor, u.a. die Mittel für das erhöhte Erstattungssystem zu kürzen. Dank dieser Regelung können nicht weniger als 2,4 Millionen Belgier einen Allgemeinmediziner für nur 1 € aufsuchen. Darüber hinaus will ihre Partei, die flämischen Nationaldemokraten, auch bei Patienten sparen, die länger als ein Jahr krank sind. Die N-VA ist der Ansicht, dass die Kontrolle in diesem Bereich den Krankenkassen entzogen werden sollte, da diese angeblich ein Interesse daran hätten, jemanden krankzumelden. Dagegen folgte harsche Kritik und dies nicht zuletzt von Seiten des christdemokratischen Koalitionspartners CD&V.
Haushalts- und Sparpolitik in Belgien: Die Regierungspartei CD&V lehnt die von der N-VA vorgeschlagenen Kürzungen im Gesundheitswesen ab
Viele Akteure im belgischen Gesundheitswesen und in der Politik lehnen die Position der N-VA rundweg ab, so auch der CD&V-Vorsitzende Sammy Mahdi (Foto unten): „Die Behauptung, dass es ein Interesse daran gäbe, Menschen krankzumelden, halte ich für eine absolute Frechheit gegenüber dem Gesundheitssystem. Ich glaube nicht, dass ein Allgemeinmediziner einen Patienten krankmeldet, in der Hoffnung, dass dieser dann möglichst lange zu ihm kommt.“
„Ich halte das daher für eine merkwürdige Sichtweise. Den Krankenkassen wurden - völlig zu Recht – zusätzliche Aufgaben und Mittel übertragen, damit sie ihre Arbeit gut machen und dafür sorgen, dass die Menschen wieder Arbeit finden. Daran müssen wir weiterarbeiten“, sagte Mahdi.
Kritik von den Kassen und den Ärzteverbänden
Auch die Krankenkassen selbst übten scharfe Kritik am Vorschlag der N-VA und an den Behauptungen von deren Vorsitzender Van Peel. „Das ist eine Lüge. Das ist offenkundig unwahr. Das ist zutiefst unmoralisch“, sagte ein wütender Luc Van Gorp, Vorsitzender der Christlichen Krankenkasse (CM) in Reaktionen gegenüber dem Medien.
Nicht zuletzt zeigte sich auch der Hausärzteverband Domus Medica über Van Peels Äußerungen alles andere als erfreut: „Wir setzen uns für die Gesundheit unserer Patienten ein, aber wir haben auch einen Eid geschworen, verantwortungsvoll mit den Ressourcen der Gesellschaft umzugehen.“ Das sagte Maaike Van Overloop, die Vorsitzende von Domus Medica, nachdem N-VA-Parteichefin Valerie Van Peel am Wochenende die Kontrollärzte scharf kritisiert hatte. „Unsere Aufsichtsfunktion befasst sich daher viel mehr mit der Arbeitsfähigkeit als mit der Arbeitsunfähigkeit“, so Van Overloop.
