Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn wird rund ein Drittel seiner Linien umbauen, anpassen oder sogar streichen. Mehr als 320 der etwa 1.000 Linien sind betroffen, wie das Unternehmen diese Woche mitteilte. Städte, Gemeinden, Fahrgastverbände und Gewerkschaften reagieren mit Enttäuschung und harscher Kritik.
ÖPNV in Flandern: De Lijn setzt trotz lokalen Widerstands weitreichende Kürzungen durch
Einige der Änderungen seien routinemäßige Anpassungen aufgrund neuer Schul- oder Zugfahrpläne bzw. veränderter Gegebenheiten vor Ort, so De Lijn in einer Erklärung. Maßnahmen zur Kostensenkung spielten jedoch ebenfalls eine zentrale Rolle, da die flämische Regierung ein Einsparziel von 44 Mio. € für die Betriebsstruktur von De Lijn festgelegt habe. Der Fokus der Einsparungen bzw. Anpassungen liegt auf Linien mit geringer Fahrgastzahl.
Über 40 Linien werden ganz eingestellt, andere werden seltener bedient. Früh- oder Spätverbindungen gestrichen oder ihr Fahrplan wird angepasst. In einigen Fällen werden Linien verlängert, um Kürzungen an anderer Stelle auszugleichen. Und es werden laut De Lijn sogar einige wenige neue Linien eingeführt. Ab dem 18. Mai können Fahrgäste die aktualisierten Fahrpläne über die Routenplaner-App und die Website von De Lijn einsehen.
Kommunale Bedenken wurden ignoriert
Das belgische Bundesland Flandern wurde 2019 in 15 Verkehrsregionen unterteilt. Innerhalb jeder Region sind die Kommunen in Verkehrsräten organisiert und spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Mobilitätspolitik für ihr Gebiet. Trotz erheblichen Widerstands dieser Räte hat De Lijn die jetzt vorgelegten Änderungen durchgesetzt.
Das Verkehrsunternehmen räumte ein, dass einige alternative Vorschläge der Regionen berücksichtigt würden, sofern sie „alle Ziele“ der Einsparungen erfüllten, schloss aber eine weitere Verschiebung und neue Konsultationen aus. „Um das Einsparungsziel für 2026 zu erreichen, müssen die Maßnahmen ab dem 1. Juli 2026 eingeführt werden. Jede Verzögerung würde weitere Kostensenkungsmaßnahmen erforderlich machen“, so De Lijn.
„Das ist wirklich dramatisch. Die Leute werden nicht mehr zur Arbeit oder ins Krankenhaus kommen.“ So kommentiert Peter Meukens vom Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) die Anpassungen bei De Lijn. TTB befürchtet eine „Verkehrsarmut“ unter den Flamen, bleibt aber realistisch: „Damit müssen wir uns abfinden.“
Die Gewerkschaften kritisieren die Änderungen deutlich
Die Gewerkschaften haben scharf auf die Ankündigung reagiert. „Wer es ernst meint mit der Verbesserung der Barrierefreiheit, dem Kampf gegen den Klimawandel und der Förderung sozialer Inklusion, muss die Kürzungen im öffentlichen Nahverkehr stoppen und wieder in ein zuverlässiges, häufiges und barrierefreies Netz investieren. Das, was heute geschieht, bewirkt genau das Gegenteil“, erklärte die christliche Gewerkschaft ACV in einer Reaktion.
Die sozialistische Gewerkschaft ACOD ging noch weiter und forderte die regionalen Verkehrsräte auf, die Kürzungen abzulehnen. Die Gewerkschaft behauptet, die Empfehlungen der Regionen würden „systematisch ignoriert“ und drängt darauf, „alle möglichen rechtlichen Schritte zu prüfen“, um ein substanzielles Mitspracherecht in diesem Prozess zu erhalten.

