Geschäfte in Belgien dürfen künftig abends länger geöffnet bleiben und der obligatorische wöchentliche Ruhetag wird abgeschafft. Der Plan wurde bereits im vergangenen Sommer angekündigt, stieß aber im Einzelhandel nicht überall vorbehaltlos auf Zustimmung. Das Parlament muss der Änderung noch zustimmen. Die Regierung hofft, dass dies noch vor dem Sommer geschieht. Inzwischen kündigte Aldi in Belgien an, auch Sonntags öffnen zu wollen. Dagegen wird seit Donnerstag in mehreren Filialen gestreikt. Auch am Wochenende werden wohl Aldi-Warenhäuser in ganzen Land wegen solcher Streiks geschlossen bleiben.
In Belgien werden die Ladenöffnungszeiten gelockert - Streiks gegen geplante Sonntagsöffnung bei Aldi
Wer heute in Belgien etwas kaufen möchte, kann jederzeit seinen Laptop oder sein Smartphone zücken und mit wenigen Klicks bestellen. In Läden und Geschäften wie Modeläden, Fachgeschäfte und Supermärkten darf man – theoretisch – nur bis 20 Uhr einkaufen und einmal wöchentlich gilt zudem eine obligatorische 24-stündiger Ruhetag.
Deshalb sah der Koalitionsvertrag der belgischen Bundesregierung eine Lockerung der Regelungen zu den Öffnungszeiten vor. „Das geltende Recht entspricht weder den Erwartungen der Verbraucher und des Einzelhandels noch der Entwicklung des E-Commerce, der deutlich flexibler ist als der stationäre Handel“, so die Begründung.
Bedenken
Die Lockerung kommen beim Einzelhandel, vor allem bei den entsprechenden Kleinunternehmern, nicht gut an und dort befürchtete man höhere Kosten und mehr Arbeitsstunden, ohne dass das Einkommen wesentlich steigt. Dieser Ansicht ist auch der Neutrale Verband der Selbstständigen (NSZ): „Für multinationale Konzerne ist das ein Geschenk, für kleine, unabhängige Geschäfte ein vergiftetes Geschenk.“
„Unser Einkaufsverhalten hat sich so stark verändert, dass wir uns unbedingt an die Regeln halten müssen“, so die belgische Ministerin für kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige und KMU, Eléonore Simonet (MR, frankophone Librale): „Schon jetzt nutzen nicht alle Geschäfte die Möglichkeit, bis 20 Uhr geöffnet zu bleiben. Für sie ändert sich nichts; sie können weiterhin um 18 Uhr schließen. Aber für die Händler, die sich im Vergleich zu Online-Shops und ausländischen Geschäften benachteiligt fühlen, beseitigen wir das Hindernis.“
Es gibt ohnehin schon viele Ausnahmen von den Regeln, wie beispielsweise das sonntägliche Einkaufen oder die Öffnung von Geschäften in historischen Stadtzentren an Sonn- und Feiertagen. „Und wir sehen, dass einige Supermärkte die Gesetzesänderung bereits antizipieren“, sagt Simonet.
Aldi in Belgien an Sonntagen geöffnet?
Am Donnerstag kündigte die Supermarktkette Aldi in Belgien an, ihre Filialen ebenfalls sonntags öffnen zu wollen. Dies stieß umgehend auf Widerstand - die Mitarbeiter von rund 20 Filialen traten in den Streik. Aldi will in dieser Hinsicht so bald wie möglich Sozial- und Tarifverhandlungen ansetzen, doch auch an diesem Freitag werden zahlreiche Aldi-Filialen im Land bestreikt. Hier ist die Rede von rund 60 bestreikten Aldi-Warenhäusern. Auch am Samstag sollen noch Filialen wegen dieser Streiks nicht geöffnet sein, wie Gewerkschaftler wissen ließen.
