Wie schwerwiegend die „Drohnenkrise“ im Herbst 2025 in Belgien tatsächlich war, ist weiterhin unklar. Das unterstreicht das VRT-Magazin „Pano“ in seiner aktuellen Sendung. Nach Abschluss der entsprechenden Recherche liegen „keine Beweise für feindliche Drohnen vor“. Die Staatsanwaltschaft will noch keine Schlussfolgerungen ziehen.
VRT-Magazin „Pano“: Wo sind die Beweise für feindliche Drohnen über Belgien?
Es begann mit 15 Drohnen, die Anfang Oktober 2025 über dem Militärstützpunkt in Elsenborn in Ostbelgien gesichtet wurden. Ende Oktober und Anfang November 2025 wurde Belgien mit Drohnensichtungen regelrecht überschwemmt. Zeitweise musste sogar der Flugverkehr am Brussels Airport in Zaventem aufgrund der dort gesichteten Drohnen eingestellt werden.
Fast ein halbes Jahr später blickt „Pano“ auf die Dutzenden Sichtungen aus dieser Zeit zurück. Das VRT-Programm zitiert die Bundesanwaltschaft, die die Drohnenmeldungen weiterhin untersucht und keine Zwischenergebnisse der Ermittlungen veröffentlicht.
„Es ist noch zu früh für Schlussfolgerungen“, so die Staatsanwaltschaft. „Pano“ selbst kommt zu dem Schluss, dass es „keine Beweise für feindliche Drohnen“ gibt. Die vorschnelle Behauptung, dass diese Drohnen russische Angriffe waren, so logisch dies damals auch schien, konnte bisher nicht bewiesen werden.
Anti-Drohnenplan: Zuviel bezahlt?
„Pano“ beleuchtet auch die politische Reaktion auf die zahlreichen Drohnensichtungen seinerzeit. Die belgische Bundesregierung verabschiedete im November auf Initiative von Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA, flämische Nationaldemokraten) einen Anti-Drohnen-Plan.
Dafür machte sie rund 50 Mio. € für die Anschaffung von Ortungsgeräten und Drohnenabwehrwaffen frei. Aufgrund der Dringlichkeit der damaligen „Drohnenkrise“ wurde keine öffentliche Ausschreibung durchgeführt. Dies führte zu Kritik und einer negativen Stellungnahme der Finanzaufsichtsbehörde, wie „Pano“ noch einmal hervorhebt.
Darüber hinaus hinterfragt „Pano“ die konkreten Ausgaben im Anti-Drohnen-Plan. So investierte die Bundesregierung angeblich viel Geld in die Ortung von per Funk gesteuerten Drohnen, während feindliche oder russische Drohnen primär Steuerungssysteme nutzen, die deutlich schwieriger zu orten oder zu stören sind.
Verquickungen?
Laut „Pano“ zahlte das Bundesverteidigungsministerium für Anti-Drohnensysteme und -Abfangwaffen Preise, die deutlich über dem durchschnittlichen Wert für solche Produkte liegen und angeblich liegen zwischen Verteidigungsminister Francken und einem der Geschäftsführer, dessen Firma daran beteiligt ist, persönliche Beziehungen vor.
Die Oppositionsparteien Groen (flämische Grüne), Anders (flämische Liberale) und die linke Arbeiterpartei PTB/PVDA forderten Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA) ebenso wie die christlich-sozialen bzw. sozialistischen Koalitionspartner CD&V und Vooruit auf, vor dem Parlament zu erscheinen und seine Rolle in der Drohnenkrise des vergangenen Herbstes zu erläutern.
Verteidigungsminister Francken und die Armee bekräftigen Gesetzeskonformität
Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA) reagierte am Donnerstag auf die VRT-Pano-Sendung bei unseren Kollegen des flämischen Privatsenders. Er betonte, dass das Gesetz beim Ankauf des oben genannten Materials eingehalten wurde: „Das Gesetz schreibt für dringende Beschaffungen ein bestimmtes Verfahren vor und dieses Verfahren wurde eingehalten.“
Er erklärte außerdem, dass der Beschaffungsausschuss des Parlaments bis auf eine Enthaltung alles genehmigt habe: „Alle anderen stimmten dafür, auch die Opposition, die jetzt so viel Lärm macht.“ Weiter sprach er von „sehr schwerwiegenden, aber völlig unbegründeten Anschuldigungen. (…) Man versucht, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, die ich bedauere.“
Francken lehnte ein Interview mit Pano ab und verweigerte anschließend jeglichen Kommentar zu der Sendung. Sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag hat die Redaktion von VRT NWS den Minister wiederholt um eine Stellungnahme gebeten.
Auch das Verteidigungsministerium verteidigt die Anschaffung von Drohnenabwehrsystemen im Wert von 50 Mio. € und bedauert die „Unterstellungen und Sensationsgier“ des Pano-Berichts. Laut dem Ministerium entsprechen die Preise den Marktpreisen und wurden geprüft. Das beschleunigte Verfahren, das auch der Verteidigungsminister erwähnte, sei ordnungsgemäß und rechtmäßig durchgeführt worden.
