Zum Hauptinhalt springen

Premiere in Flandern: Spezielle Einlegestreifen in den Genter Straßenbahnschienen zur Lärmbekämpfung

In Gent installiert ein Unternehmen Manganstreifen in den Straßenbahnschienen, um die Lärmbelästigung zu reduzieren. Dies ist eine Premiere in Flandern. Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn hofft, damit die Anwohner zu besänftigen, die rechtliche Schritte eingeleitet hatten. Dieses technische Verfahren könnte möglicherweise auch in Antwerpen und bei der Küstentram Anwendung finden.

Andreas Kockartz Ward Schouppe
Veröffentlicht:

An der Bernard Spaelaan in Gent mussten sich die Anwohner Mitte April zu nächtlicher Stunde auf Baulärm einstellen. Ein spezialisiertes deutsches Team behandelte die Tramgleise mit Manganstreifen, um die Lärmbelästigung durch vorbeifahrende Straßenbahnen zu reduzieren. Sie arbeiteten an einem rund 150 Meter langen Gleisabschnitt in einer Kurve, wo die Belästigung am größten ist.

Mit dieser Maßnahme hofft De Lijn, das störende Pfeifen der Straßenbahnen u.a. in den Kurven und auf den Weichen einzudämmen. „Zuerst wird eine Nut in die Schiene gefräst. Dann wird ein Manganstreifen eingesetzt und alles sauber und gleichmäßig wieder verschweißt“, erklärte Frederik Wittock von De Lijn. Die gesamte Installation sollte in rund Woche abgeschlossen sein.

„Manganstahl hat einen höheren Kohlenstoffgehalt als herkömmliche Straßenbahnschienen. Wenn Straßenbahnen darüberfahren, nutzt er sich langsam ab. Dabei wird Graphit freigesetzt, das als Schmiermittel wirkt. Dadurch schleift das Straßenbahnrad in den Kurven weniger und es entsteht weniger Lärm“, erklärte Wouter Vanrenterghem, Infrastrukturmanager bei De Lijn gegenüber VRT NWS.

„Das Verfahren funktioniert in niederländischen und deutschen Städten. Wir haben die Situation hier untersucht und normalerweise sollten sich die Streifen auch hier durchsetzen“, so Wittock. Es ist das erste Mal, dass dieses Konzept in Flandern getestet wird. Die Installation und die Streifen kosten zusammen mehr als 100.000 €. Das System soll etwa sechs Jahre halten, um dann möglicherweise erneuert und dauerhaft installiert zu werden.

„Wir nehmen alle Beschwerden über Straßenbahnlärm ernst“

Seit Jahren beschweren sich Anwohner über Lärmbelästigung, die bis zu 100 Dezibel erreichen kann. Täglich fahren an verschiedenen neuralgischen Stellen in der Altstadt von Gent 700 Straßenbahnen vorbei und die verursachen Lärm. „Vor einem Jahr beschloss die Geschäftsleitung von De Lijn, noch aktiver nach Lösungen zu suchen - nicht nur in Gent, sondern auch in Antwerpen und an der Küste. In diesem Fall ist der Manganstreifen die beste Option, aber andernorts könnte die Situation anders aussehen“, sagte Wittock.

Die Ursachen des Problems können sehr unterschiedlich sein. Es geht oft um Kurven und Weichen. Gent hat zudem recht enge Straßen. An der Küste läuft die Tram auf geraden Strecken und Straßenbahnschienen. Auch in Antwerpen hat die Tram oft etwas mehr Platz. Bei De Lijn will man maßgeschneiderte Lösungen finden. Eine spezielle Arbeits- und Forschungsgruppe prüft derzeit alle Möglichkeiten.

Frist des Friedensrichters

Die Justiz hatte De Lijn hatte in Gent eine Frist gesetzt. Ein Verfahren beim Friedensrichter ist noch anhängig. Der Friedensrichter hatte dem Verkehrsunternehmen eine Frist bis April 2026 gesetzt, um gegen die zu lauten Straßenbahnen einzugreifen. Eine bei einer Durchfahrt besonders scharf schrillende Weiche war bereits zuvor entfernt worden. Es gilt an den neuralgischen Stellen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 15 km/h.

Sollte die Lärmbelästigung nicht nachlassen, könnten weitere rechtliche Schritte der Anwohner folgen. Diese hatten zuvor betont, dass sie die Bemühungen von De Lijn schätzen und hoffen, dass diese auch vor Ort Wirkung zeigen werden.

In der Bernard Spaelaan in Gent quitsch(t)en die Straßenbahnen in der Kurve

23 Mio. €, 22 Baustellen und drei Jahre Beeinträchtigungen in Gent: Der Umbau von Flanderns meistbefahrener Straßenbahnlinie

In Gent haben auch die Arbeiten an der sogenannten „Petersilien-Achse“ begonnen. In den kommenden drei Jahren wird diese Achse entlang zahlloser Geschäfte, die vom Stadtring bis zum Korenmarkt verläuft, komplett umgebaut. Es handelt sich um ein Großprojekt mit erheblichen Auswirkungen auf die Stadt. Die Arbeiten wurden nach dem alten Stadttor an der Ketelbrücke, in der Nähe des Alten Justizpalastes, benannt. Dort begannen die Bauarbeiten.

Die Arbeiten finden in verschiedenen Zonen statt, die jeweils in drei Phasen unterteilt sind. Zunächst führen Archäologen mögliche Ausgrabungen durch -  Schließlich liegt die Achse im Herzen des mittelalterlichen Gent. Anschließend folgen die Abwasserarbeiten. Nach deren Abschluss beginnt der Bauunternehmer mit dem Umbau der Straßenbahnlinie, der Gehwege und der Radwege. Insgesamt gibt es dabei 22 verschiedene Zonen. Die Arbeiten beginnen mit Ausgrabungen rund um den Alten Justizpalast.

Projektstudie

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5