Mehr als 10.000 Studierende in Flandern erhalten Sozialleistungen, wie aus Zahlen hervorgeht, in die VRT NWS Einblick hatte. Die Zahl steigt kontinuierlich. Die Sozialhilfe für eine Einzelperson beträgt 1.340 € im Monat. Die Leistungen werden von den Öffentlichen Sozialämtern (OCMW) verwaltet und sind an strenge Auflagen zum Studienfortschritt der Leistungsempfänger geknüpft.
Die diese Sozialhilfe beziehenden Studierenden sind außerdem verpflichtet, jährlich eine bestimmte Anzahl an Stunden zu arbeiten. Das Programm richtet sich an 18- bis 25-Jährige, die sich noch im Sekundarschulabschluss befinden, eine Erwachsenenbildung absolvieren oder ein Studium aufnehmen.
Jeder Studierende in Flandern wird von einem Sozialarbeiter betreut. Die Unterstützung kann bei Nichterfüllung der Auflagen eingestellt werden. Im vergangenen Jahr verzeichnete der belgische Bundesamt für soziale Integration 10.064 Studierende, die in Flandern Sozialhilfe bezogen – 14 % mehr als vor fünf Jahren. In Wallonien betrifft dies 18.421 und in Brüssel 14.246 Studierende.
Gründe?
„Wir beobachten, dass es Studierenden leichter fällt, sich an das Sozialamt zu wenden. Sie benötigen vor allem finanzielle Unterstützung und weniger psychosoziale Hilfe“, erklärte Nathalie Debast vom Verband der Flämischen Städte und Gemeinden (VVSG) gegenüber VRT NWS: „Indem wir ihnen vorübergehende Unterstützung bieten, erhöhen wir ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz und sie können so wieder die Kontrolle über ihr Leben erlangen.“
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Zum einen liegt dies mit Sicherheit am knappen Markt für Mietwohnungen in den flämischen Uni- und Hochschulstädten. Zum anderen liegen die Einschreibe- und Anmeldegebühren in einigen dieser Institute recht hoch, so dass mögliche Studienbörsen auch für weniger verdienende Haushalte nur bedingt erschwinglich sind. Im Falle von betroffenen Jugendlichen, die eine Berufsausbildung absolvieren, sind die recht geringen Zahlungen, die sie von ihren ausbildenden Arbeitgebern erhalten, ein Grund dafür, den Gang zum Sozialamt zu wagen.
