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Wenn Farben zu Klängen werden: Ausstellung „Zingend rood“ im KMSKA zeigt Spitzenwerke von Ensor, Wouters und Schmalzigaug

Das Königliche Museum der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) zeigt in einer neuen Ausstellung Meisterwerke von James Ensor, Rik Wouters und Jules Schmalzigaug. In „Zingend rood“ (‚Singendes Rot‘) und anderen klingenden Farben – und in einer Kreuzbestäubung mit Musik.

Jens Van Reet Kristien Bonneure
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Von James Ensor, Rik Wouters und dem Antwerpener Futuristen Jules Schmalzigaug besitzt das KMSKA in Antwerpen die größten Sammlungen. Zeit, sie einmal „sehr nah und innig beieinander in einem direkten Dialog zu präsentieren“, fand Kurator Adriaan Gonnissen.

Die Meisterwerke des Museums neu zu ordnen war auch notwendig, denn Ende Mai nimmt der britische Künstler Antony Gormley einen großen Teil des Museums in Beschlag. Der Saal Licht und die drei Ensor-Säle wurden dafür geräumt, und mehrere Spitzenwerke tauchen nun in der Ausstellung „Zingend rood“ in neuen und überraschenden Zusammenhängen auf. 

"Die Büglerin" von Rik Wouters

Kannten James Ensor, Rik Wouters und Jules Schmalzigaug einander? „Sie hatten sehr große Wertschätzung für das Werk der anderen. Ensor und Wouters waren befreundet; Schmalzigaug besuchte das Atelier von Ensor.“ Schmalzigaug und Wouters flohen beide im Ersten Weltkrieg in die Niederlande, doch es ist unwahrscheinlich, dass sie einander begegnet sind. Wie dem auch sei: „Es gibt etwas zwischen den beiden, sie sind farblich so verwandt, dass man sie nebeneinander zeigen muss.“

Schmalzigaug: eine Explosion der Farbe

James Ensor ist weithin bekannt, sicher nach seinem Festjahr 2024 mit zahlreichen Ausstellungen. Auch die intimen Gemälde von Rik Wouters, etwa die vielen Einblicke in das Leben seiner Frau Nel, sind beliebt. Jules Schmalzigaug dagegen ist lange unter dem Radar geblieben; er ist früh gestorben. Er war ein Antwerpener deutscher Herkunft, der nach Italien reiste und dort futuristische Werke schuf, wahre Explosionen der Farbe.

„Schmalzigaug war der erste belgische abstrakte Ölmaler. Für mich steht er auf demselben Niveau wie Wassily Kandinsky oder František Kupka“, sagt Adriaan Gonnissen. Der Titel der Ausstellung stammt übrigens aus einem Brief von Schmalzigaug.

„Er wollte sich in Italien einen Namen machen und fragte seine Kollegen, ob sie jemals in Antwerpen gewesen seien. Habt ihr die Farben von Rubens gesehen? Ich kenne kein Rot, das so singend ist. Dieses Rot müssen wir wieder in die moderne Malerei zurückbringen“, erzählt Kurator Gonnissen. Schmalzigaug bezog sich auf den roten Mantel von Melchior in der „Anbetung der Könige“. Kein Wunder also, dass in dieser Ausstellung auch ein Werk von Peter Paul Rubens zu sehen ist: „Heilige Familie mit dem Papagei“.

"Volumen + Licht: Die Sonne scheint auf die Santa Maria della Salute" von Jules Schmalzigaug, 1914

Was Ensor, Wouters und Schmalzigaug gemeinsam haben? „Sie gingen alle drei bewusst über die sanfte Farbpalette der Impressionisten hinaus. Sie brachten die vollen, gesättigten Farben zurück, Farben, die singen, die laut klingen.“

Nehmen wir etwa „Die Austernesserin“, ein berühmtes Gemälde von James Ensor. „Was dort alles auf dem Tisch steht, ist ein regelrechter Tingeltangel der Farben“, sagt Adriaan Gonnissen. Die Augen springen von einem roten Akzent zum anderen, vom Teppich unten über das Glas auf dem Tisch, die Blume in der Vase bis zum Buch im Schrank.

„Rot ist die Farbe von Herz und Leidenschaft, von Erregung und Wärme. Rot fällt immer ins Auge, wie ein Schlagrhythmus auf der Leinwand, wenn man all diese roten Akzente als Punkte miteinander verbindet.“ Rot als ewiger Gegenpol zum kühlen Blau.

"Das Mädchen mit Austern" von James Ensor, 1882

Synästhesie: gleichzeitig hören und sehen

Farben, die singen, Rot als Rhythmus: Auffällig ist, dass hier Wörter aus der Musik verwendet werden, um über Malerei zu sprechen. Das ist kein Zufall. „Alle drei dieser Künstler arbeiteten mit der Idee von Farben als Klängen. Ensor nannte eine Vase mit Blumen eine ‚Fanfare in Rot‘.“

Farben als Klänge: Das „klingt“ seltsam, ist aber tatsächlich etwas, das man erleben kann. Synästhesie ist ein neurologisches Phänomen, bei dem mehrere Sinne gleichzeitig gereizt werden. Der Komponist Claude Debussy schrieb zum Beispiel „Arabesken“, die eigentlich ornamentale Zeichnungslinien sind. Die er also hörte.

Der russische Komponist Alexander Scriabin war der Champion der Synästhesie. Für ihn hatte jeder Ton eine eigene Farbe. Zum Beispiel C oder Do ist Rot. In seinem Werk „Prometheus oder Das Feuerpoem“ setzte er das mit einem Farbenklavier in die Praxis um. In der Ausstellung zu sehen und zu hören.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: „Zingend rood“ ist eine Gemäldeausstellung als musikalische Erfahrung. Neben Ensor, Wouters und Schmalzigaug auch mit Arbeiten von Henri De Braekeleer oder Jean Brusselmans.

„Zingend rood“ im KMSKA in Antwerpen, vom 11. April 2026 bis einschließlich 30. August 2026.

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