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20 Kilo schwer und so groß wie ein Ofen: Dieser belgische Mondrover soll in einigen Jahren auf dem Mond fahren

Das Raumfahrtunternehmen Space Applications Services aus Zaventem (Provinz Flämisch-Brabant) hat ein Roboterfahrzeug gebaut, das 2028 auf dem Mond fahren soll. Das Fahrzeug wurde erstmals auf der nachgebildeten Mondlandschaft der europäischen Raumfahrtorganisation ESA in Köln getestet.

Jens Van Reet Wim De Maeseneer
Veröffentlicht:

Lernen Sie den LUVMI-M kennen, den kommerziellen Mondrover von Space Applications Services aus Zaventem. Das Fahrzeug steht derzeit noch sicher am Boden, doch wenn alles nach Plan verläuft, fährt es Ende 2028 auf dem Mond herum. Als erster belgischer Mondrover überhaupt.

Bevor es so weit ist, muss der Rover noch umfangreich getestet werden. Das geschieht diese Woche erstmals auf der nachgebildeten Mondlandschaft der europäischen Raumfahrtorganisation ESA in Köln.

Dort können sich Astronauten seit einigen Jahren auf Mondmissionen vorbereiten. Gleichzeitig können dort also auch Mondrover getestet werden, um zu prüfen, ob sie dem lästigen Mondstaub standhalten und ob sie sich nicht auf Steinen und Felsen festfahren.

„Unser Rover hat spezielle Räder, damit er nicht im lockeren Mondstaub einsinkt und nicht zu rutschen beginnt, wenn er eine Steigung hinauf- oder hinunterfährt“, sagt Business Developer Tom Hoppenbrouwers von Space Applications Services. „Im Prinzip muss unser Rover Hügel mit einer Steigung von 15 Prozent bewältigen können. Wir testen jetzt, ob das tatsächlich gelingt und mit welcher Geschwindigkeit.“

Das ist vor allem am Südpol des Mondes wichtig, wo es hohe Berge und tiefe Krater gibt. Die künftigen Mondmissionen richten sich alle auf diesen Südpol, der als interessantester Ort für längere Mondmissionen und wissenschaftliche Forschung gilt.

„Eine weitere große Herausforderung am Südpol ist, dass die Sonne dort immer sehr tief am Horizont steht“, sagt Hoppenbrouwers. „Das verursacht viele langgestreckte Schatten auf der Mondoberfläche, was es schwierig macht, einen Rover selbstständig oder aus der Ferne herumfahren zu lassen. Durch diese Schatten ist es zum Beispiel schwierig, Entfernungen über Kameras richtig einzuschätzen.“

Tests mit dem Rover bei der ESA in Köln.

Mondrover zu mieten/zu kaufen

Der LUVMI-M-Rover ist etwa so groß wie ein Einbaubackofen und wiegt 20 Kilogramm. Das Fahrzeug kann noch einmal ebenso viel Gewicht an wissenschaftlichen Instrumenten über die Mondoberfläche transportieren, und das mit einer (theoretischen) Höchstgeschwindigkeit von 5 Zentimetern pro Sekunde (180 Meter pro Stunde). Der Rover ist für Missionen von 10 bis 14 Tagen ausgelegt.

Der Rover wird aus der Ferne gesteuert: Aus dem Kontrollraum von Space Applications Services in Zaventem können Anweisungen und Kommandos gesendet werden. Die Strecke, die der Rover zurücklegen wird, ist in mehrere Zwischenpunkte unterteilt. Zwischen zwei Punkten kann der Rover dank Kameras an Bord weitgehend selbstständig fahren.

Es ist vorgesehen, dass Raumfahrtorganisationen, Unternehmen, Universitäten und Wissenschaftler Experimente, Instrumente oder neue Technologien auf dem Rover installieren können, um diese dann auf dem Mond zu testen. Raumfahrtorganisationen werden auch den gesamten Rover kaufen können, um damit eine eigene Mondmission durchzuführen, mit oder ohne operative Unterstützung von Space Applications Services.

Lkw auf dem Mond

Space Applications Services testet diese Woche in Köln auch noch einen zweiten, deutlich größeren Mondrover: den Lunar Prospecting and Scouting Rover (LPSR). Dieser wird im Auftrag der ESA entwickelt und soll bis 2030 auf dem Mond fahren.

Mit diesem größeren Rover will die ESA langfristig Fracht auf dem Mond transportieren. Er wird für den Transport von Material oder Rohstoffen benötigt, um eine permanente Mondbasis bauen zu können.

„Der LPSR ist noch nur ein Testmodell, um zu sehen, ob es tatsächlich gelingt, eine Art Lastwagen auf dem Mond fahren zu lassen“, sagt Hoppenbrouwers. „Dieser wiegt 300 Kilogramm, aber das endgültige Ziel ist es, einen Rover zu bauen, der 1.500 Kilogramm Fracht auf dem Mond transportieren kann.“

Nun bleibt abzuwarten, wie gut die zwei Mondrover von Space Applications Services in Köln abschneiden werden. Ob sie die Erwartungen erfüllen und was gegebenenfalls noch alles angepasst werden muss.

Der 'Mond-Lkw'

Warum Rover zum Mond?

Mondrover bekommen eine wichtige Rolle in den Zukunftsplänen der Raumfahrtagenturen, um eine Mondökonomie in Gang zu bringen, mit Mondbasen, Rechenzentren und Kernreaktoren auf dem Mond. Doch es gibt noch große Herausforderungen.

Wo genau sollen diese Dinge gebaut werden und wie? Sollen Fabriken auf dem Mond entstehen? Woher kommen Strom, Wasser und Sauerstoff für die Besatzung? All diese Fragen müssen noch beantwortet werden. Und die Antworten müssen mit Hilfe von Mondrovern zusammengetragen werden.

Bislang ist es erst fünf Ländern gelungen, ein Fahrzeug auf den Mond zu bringen: Russland (damals noch als Sowjetunion), die Vereinigten Staaten, China, Indien und Japan. Auch einige Raumfahrtunternehmen haben bereits einen Versuch unternommen, bislang jedoch ohne Erfolg.

2025 gab es noch einen gescheiterten Versuch des japanischen Unternehmens iSpace, mit einem Minirover, der in Luxemburg gebaut worden war. Es hätte das erste europäische Roboterfahrzeug auf dem Mond sein können.

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