Zum Hauptinhalt springen
Inland
Wirtschaft

Angst vor Zinsanstieg treibt Wohnungsmarkt in Belgien an

Die Sorge vor steigenden Zinsen hat viele Belgierinnen und Belgier in den ersten Monaten dieses Jahres dazu veranlasst, schneller als geplant Immobilien zu kaufen. Nicht zu Unrecht, denn erst am Mittwoch ist der Zinssatz für Wohnkredite mit festem Zinssatz auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen. Besonders Wohnungen sind stark gefragt, insbesondere bei jungen Leuten und Investoren.

Belga Martina Luxen
Veröffentlicht:

Trotz des angespannten geopolitischen Klimas steigt die Zahl der Immobilienverkäufe weiter. „Das ist ziemlich unerwartet“, sagt Notar Bart Van Opstal vom belgischen Notariatsverband. Im ersten Quartal dieses Jahres nahm die Zahl der Immobilientransaktionen (Häuser und Wohnungen) in Belgien um mehr als 3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zu. Das geht aus dem neuesten Immobilienbarometer des Notariatsverbands Fednot hervor. 

Vor allem Wohnungen sind gefragt, mit 8 Prozent mehr Verkäufen. Der Anstieg ist paradoxerweise sogar der geopolitischen Unsicherheit geschuldet: „Junge Käufer und Investoren wollen den steigenden Zinsen zuvorkommen“, erklärt Van Opstal. 

Junge Käufer entscheiden sich daher häufiger für eine Wohnung. Der Verkauf von Häusern folgt mit einem Anstieg von 2  Prozent mit etwas Abstand. 

Regionale Unterschiede

Innerhalb Flanderns zeigen sich deutliche regionale Unterschiede bei den Verkaufszahlen. 

Westflandern ist der stärkste Wachstumsmarkt, mit einem Plus von 6  Prozent und einem auffälligen Anstieg bei den Wohnungsverkäufen (+16 Prozent). „Die Provinz war im vergangenen Jahr noch die günstigste, was zusätzliche Käufer angezogen hat“, so Van Opstal. 

In diesem Jahr hat Limburg den Titel der günstigsten Provinz übernommen. Dort blieb die Zahl der Immobilienverkäufe bislang weitgehend stabil, der Verkauf von Häusern sank sogar um 2  Prozent gegenüber 2025 zurück. 

In der Region Brüssel-Hauptstadt wurden 6  Prozent mehr Immobilien verkauft, während in der Wallonie, ebenso wie Flandern insgesamt, ein Plus von 3  Prozent verzeichnete. 

Junge Leute und nervöse Investoren 

Der durchschnittliche Käufer ist heute 41 Jahre alt, doch auch jüngere Altersgruppen prägen den Markt deutlich. 

Besonders aktiv sind die 26‑ bis 30‑Jährigen: Sie stehen für 21  Prozent der gekauften Häuser und 14  Prozent der Wohnungen. Rund 6,5  Prozent der Käuferinnen und Käufer sind 25 Jahre oder jünger. 

Laut Van Opstal erkennt diese Altersgruppe früh, dass Kredite wahrscheinlich teurer werden  und treffen deshalb schneller eine Entscheidung. 

Auch Investoren reagieren auf die unsicheren wirtschaftlichen Zeiten. „Die Schwankungen an den Aktienmärkten sorgen für Verunsicherung“, sagt Van Opstal: „Viele Anleger suchen dann einen sicheren Hafen. Belgische Immobilien – und insbesondere Wohnungen – bleiben eine naheliegende Wahl.“ 

Zinsen auf höchstem Stand seit 2014 

Wer den steigenden Zinsen zuvorkommen wollte, lag richtig. Erst am Mittwoch stieg der Zinssatz für Wohnkredite mit fester Laufzeit auf über 4 Prozent – erstmals seit 2014. 

Der durchschnittliche Zinssatz für einen Hypothekenkredit mit festem Zinssatz und 25 Jahren Laufzeit liegt nun bei 4,02 Prozent. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren beträgt er 3,81 Prozent. Wer sich für einen jährlich anpassbaren Zinssatz über 25 Jahre entscheidet, zahlt im Schnitt 3,55 Prozent. 

Keine guten Nachrichten also für alle, die heute eine Immobilie finanzieren wollen. Sollte man dennoch schnell unterschreiben, bevor die Zinsen weiter steigen? Die Antwort sei differenziert, meint Van Opstal. 

„Es ist schwer vorherzusagen, wie sich die Geopolitik – und damit die Zinsen – entwickeln werden. Aber wer heute mit den aktuellen Kreditkonditionen ein tragfähiges Budget hat, sollte nicht unnötig warten. Sonst riskiert man, bald mit noch höheren Zinssätzen konfrontiert zu werden.“ 

Preise steigen weiter – aber langsamer 

Nicht nur die Zinsen steigen, auch die Immobilienpreise ziehen weiter an, wenn auch deutlich langsamer als im vergangenen Jahr. „Sowohl Häuser als auch Wohnungen sind preislich um rund 2 Prozent gestiegen“, sagt Van Opstal. „Das entspricht in etwa der Inflation und liegt deutlich unter dem Preisanstieg des Vorjahres.“ 

Ein Haus in Belgien kostet derzeit im Schnitt etwa 360.000 Euro, rund 3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dieser leichte Anstieg zeigt sich in allen flämischen Provinzen. Am teuersten sind Häuser in Flämisch‑Brabant, mit einem Durchschnittspreis von 448.000 Euro, gefolgt von Antwerpen mit etwas über 430.000 Euro. 

Limburg war im ersten Quartal dieses Jahres die günstigste Region für den Hauskauf, mit einem Durchschnittspreis von 350.000 Euro. 

Auffällig ist, dass die Preise in Brüssel deutlich höher liegen (durchschnittlich 607.000 Euro) und dennoch weiter gestiegen sind (+4  Prozent). „Der Brüsseler Immobilienmarkt entwickelt sich auffallend gut – möglicherweise tut der Region die politische Stabilität gut“, sagt Van Opstal mit Blick auf die neue Brüsseler Regierung, die erst nach mehr als 600 Tagen gebildet wurde. 

Typische Häuserzeile in Brüssel

Eine Wohnung kostet in Belgien derzeit im Schnitt 288.000 Euro, rund 2  Prozent mehr wie 2025. 

Am stärksten sind die Wohnungspreise in Limburg gestiegen, mit 6 Prozent auf durchschnittlich 288.000 Euro. „Limburg hat eindeutig aufgeholt“, so Van Opstal. „Früher waren Immobilien dort deutlich günstiger als in den Nachbarprovinzen, doch dieser Unterschied wird immer kleiner.“

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5