Beamte der flämischen Regierung müssen künftig wieder 50 % ihrer Arbeitszeit im Büro verbringen. Dies wurde auf Vorschlag der flämischen Innenministerin Hilde Crevits (CD&V) beschlossen. Die flämische Christdemokratin folgt damit einem Trend, der von Unternehmen im In- und Ausland vorangetrieben wird, die ihre Homeoffice-Regelungen schrittweise reduzieren. Laut der christlichen Gewerkschaft ACV für den öffentlichen Dienst wird diese Entscheidung zu „Chaos und Unsicherheit“ am Arbeitsplatz führen.
Die flämische Landesregierung und das Homeoffice: „Beamte müssen 50 % ihrer Arbeitszeit im Büro verbringen“
Keine Staus mehr auf dem Weg zur Arbeit, Meetings via Teams und eine bessere Work-Life-Balance. Seit der Corona-Pandemie hat sich das Arbeiten von zu Hause aus in der Geschäftswelt und auch auf Ebene der Behörden weltweit etabliert. Doch in letzter Zeit schränken immer mehr Unternehmen die Möglichkeiten des Homeoffice wieder ein und führen strengere Regeln ein.
„Fernarbeit ist gekommen, um zu bleiben und wir wollen sie durch klare Regelungen strukturell verankern“, so Ministerin Crevits: „In den Ministerien der flämischen Regierung beobachten wir derzeit Unterschiede in der Anzahl der Tage, die die Mitarbeitenden im Büro anwesend sind.“ Um die Situation zu vereinheitlichen, führt die Landesregierung jetzt eine Grundregel ein: Maximal 50 % Homeoffice pro Monat für alle Einrichtungen, Räte, Behörden und Institutionen. „Das bedeutet, dass von den Mitarbeitenden erwartet wird, mindestens zwei bis drei Tage pro Woche im Büro zu sein,“ so die Landesinnenministerin.
„Ein ausgewogenes Verhältnis ist wichtig“
Das wichtigste Prinzip bleibt die Bereitstellung eines qualitativ hochwertigen und zugänglichen Service, so Crevits. Je nach Art der Tätigkeit, den Aufgaben einer bestimmten Abteilung oder familiären, medizinischen oder außergewöhnlichen Umständen können in Absprache mit der/dem Vorgesetzten Ausnahmen gemacht werden. Flexible Arbeitszeiten sind ebenfalls weiterhin in Absprache mit dem Arbeitgeber möglich.
„Ich denke, es ist besonders wichtig, ein gutes Gleichgewicht zu finden. Telearbeit bietet viele Vorteile, aber wir scheinen manchmal zu vergessen, dass die Arbeit im Büro dieselben Vorteile bietet: Der soziale Zusammenhalt im Team und die Verbindung zu den Kolleginnen und Kollegen sowie zum Arbeitgeber sind mindestens genauso wichtig.“
„Chaos und Unsicherheit“
Die Entscheidung von Ministerin Crevits hat bei der christlichen Gewerkschaft ACV für den öffentlichen Dienst Unverständnis ausgelöst. „Die Ministerin trifft diese Entscheidung einseitig, ohne jegliche Konsultation oder gründliche Prüfung“, argumentiert die Gewerkschaft: „Das ist kein Beispiel für gute Regierungsführung.“
„Dies ist ein einseitiger Plan der Ministerin“, bemerkt Ilse Remy von ACV: „Die Erklärung der Ministerin gegenüber der Presse sorgt für Chaos und Unsicherheit am Arbeitsplatz. Die Autonomie und Verantwortung der höheren Beamten werden dadurch völlig untergraben.“
