Seit Anfang April lässt sich die historische Altstadt Antwerpens auch in einer Elektrokutsche erkunden. Ein Unternehmen, das Kutschen ohne Zugpferde anbietet, hat von der Stadt Antwerpen die Genehmigung erhalten, Fahrten anzubieten: „Der Pferdegeruch ist natürlich nostalgisch, aber so muss man keine Pferdeäpfel mehr wegräumen“, so ein Beobachter.
„Nie wieder Gestank von Pferdeäpfeln“: Elektrische Fiaker ab jetzt auch in Antwerpen
In den vergangenen Monaten fanden bereits mehrere Testfahrten mit diesen Batterie-betriebenen Kutschen in der Stadt statt. Inzwischen kann man die Kutschen offiziell mieten. Fiaker Johnny ist begeistert: „Sie fährt sich fantastisch. Ich habe keine Zügel mehr, sondern ein kleines Lenkrad wie im Auto.“
Die Elektrokutschen sehen den traditionellen Kutschen zum Verwechseln ähnlich. „Es sind elegante Kutschen“, sagt Betreiber Thibaut Dantine: „Der einzige Unterschied ist, dass kein Pferd mehr vorgespannt ist.“ Pannen sind kein Thema. Die Kutschen können problemlos zwei Tage lang fahren. „Mit einer Batterie kommen wir bis zu 120 Kilometer weit. Das ist also kein Problem“, so Dantine.
Lautlos durch die Stadt
Die elektrischen Kutschen bieten auch Vorteile für die Stadt und die Fahrgäste. „Der Pferdegeruch ist für manche natürlich nostalgisch, aber jetzt muss man keine Pferdeäpfel mehr wegräumen und alles bleibt viel sauberer“, erzählt Kutscher Johnny. Außerdem sind die neuen Fahrzeuge geräuschlos. Deshalb benutzt Johnny eine kleine Klingel, um Fußgänger zu warnen: „Und bei den Autos benutze ich eine Hupe.“
Die neuen Kutschen rufen gemischte Reaktionen hervor. „Viel sauberer und viel besser“, sagte ein Passant auf dem Groenplaats: „Im brütend heißen Sommer steht das Pferd da. Dann bekommt es kaum Wasser. Ich finde es gut, dass das jetzt elektrisch ist.“ Nicht alle sind überzeugt. „Was ist eine Kutsche ohne Pferd? Das gehört einfach dazu“, sagte jemand anderes. Manche stellen auch die Nachhaltigkeit in Frage. „Elektrisch ist gut, aber wie sieht es langfristig mit den Batterien aus?“, so ein Kommentar am ersten Einsatztag.
Schon länger in Brüssel, jetzt auch in Antwerpen
Das Konzept ist nicht ganz neu. In Brüssel sind die elektrischen Kutschen bereits seit zwei Jahren unterwegs. Ihre Einführung dort erfolgte unter anderem aufgrund von Kritik am Einsatz von Pferden in der Stadt. In Antwerpen ersetzen die elektrischen Kutschen vorerst nicht die Pferdekutschen. Sie bieten Touristen, die die Stadt erkunden möchten, eine zusätzliche Option.
Eine halbstündige Fahrt kostet 70 €. Reservierungen sind nicht erforderlich. Die Kutschen warten normalerweise auf dem Großen Markt oder am Groenplaats. Ob weitere Städte diesem Beispiel folgen werden, ist noch unklar. In Brügge sind die Pferdekutschen inzwischen auch nicht mehr ganz unumstritten.
