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Gegen Krieg und Gewalt: Luc Tuymans malt gigantische Made an die Wand einer Ausstellung in Hasselt

Das Kunstzentrum Z33 in Hasselt greift mit der neuen Ausstellung „Voor onze ogen“ („Vor unseren Augen“) aktuelle Themen auf. Sie untersucht, wie zeitgenössische Künstler mit Krieg und Gewalt umgehen. „Es ist ein Aufruf an die Betrachter, nicht gleichgültig zu bleiben“, sagt Luc Tuymans, der ein eindringliches Wandgemälde geschaffen hat.

Kristien Bonneure Andreas Kockartz
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Erst von Weitem erkennt man, was es ist: Eine riesige, unheilvolle, blasse Made, die sich vergrößert über eine ganze Wand im Kunstzentrum Z33 in Hasselt erstreckt. Das Geschöpf ist das Werk von Luc Tuymans, einem der bedeutendsten Künstler Belgiens. Es entstand innerhalb weniger Tage, basierend auf einem kleineren Ölgemälde, das Tuymans derzeit in Los Angeles ausstellt.

„Ich habe das bewusst über die gesamte Wand gemalt. Der Kopf fällt sofort ins Auge. Und diese zwei roten Punkte wirken wie die Abzeichen einer Uniform“, erklärt der Künstler: „Es entsteht der Eindruck eines Angriffs.“

Eine Made symbolisiert Verfall, aber auch Heilung"

Luc Tuymans

„Prinzipiell ist eine Made ein Eindringling, ein Element des Verfalls. Aber sie hat auch eine heilende Seite, da sie abgestorbenes Gewebe zersetzt.“ Sie passt perfekt in diese Ausstellung, so Tuymans: „Ein vielschichtiges Bild, das der Betrachter vervollständigen kann.“ Ein Bild, das gleichzeitig anzieht und abstößt.

Die Ausstellung trägt den Titel „Vor unseren Augen“ und thematisiert das, was wir täglich in den Nachrichten sehen: Krieg und Gewalt. Und wie Künstler darauf reagieren, erklärt Kurator Tim Roerig: „Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen, in der das Recht des Stärkeren immer mehr an Bedeutung zu gewinnen scheint. Über die Medien werden wir alle Zeugen der immensen Gewalt in Gaza. Die Frage ist: Welche Position und Verantwortung haben Sie als Zuschauer?“

Detail von Luc Tuymans, Die Made, 2026

Zuschauen oder wegschauen, zeigen oder verschweigen? Unbequeme Fragen für Künstler und Zuschauer gleichermaßen. Luc Tuymans plädiert für eine gewisse kritische Distanz: „Die Menschen sind derzeit von all dem, was über die Medien und sozialen Netzwerke geschieht, überwältigt. Angesichts dieser Fülle an Gewaltbildern neigt man dazu, gleichgültig und abgestumpft zu werden.“

Distanz wahren, konzentriert und überlegt hinschauen – ein Ratschlag des Künstlers Luc Tuymans. Nicht nur die Bilderflut ist problematisch, sondern auch ihre Wahrheitsgehalt: „So vieles davon ist Propaganda und dient dazu, Lügen zu verbreiten. Es ist wichtig, eine gewisse Distanz zu wahren. Konzentriert und überlegt hinzusehen.“ Hinsehen ist niemals neutral. Was wir sehen und wovon wir wegschauen, sagt etwas über uns aus: „Wer Gewalt betrachtet, macht sich unweigerlich mitschuldig an dem, was er sieht.“

Als Künstler muss man daher seine Position finden. Welche kann das sein? Zum Widerstand aufrufen oder Trost spenden? Denkanstöße geben oder Stellung beziehen? „Es geht um Bewusstsein“, sagt Luc Tuymans. „Dabei deutlich machen, dass man nicht gleichgültig ist. Und gleichzeitig dem Betrachter die Freiheit lassen, selbst Stellung zu beziehen.“

Detail von Rosalind Nashashibi, Die Rückkehr, 2026

Gaza ist in der Ausstellung prominent präsent. Manchmal direkt, wie in Rosalind Nashashibis Video „Elektrisches Gaza“ von 2015. Bilder einer damals noch lebendigen Gesellschaft. Die Kinder, die mit Pferden im Meer planschen: Würden sie heute noch leben?

Die britisch-palästinensische Künstlerin Nashashibi malte auch großformatige Fresken mit galoppierenden Pferden - wieder Pferde, die den aussagekräftigen Titel „Die Rückkehr“ tragen. Andere Gemälde zeigen stolze Schwäne, aber auch leere Schüsseln und Becken, wie bei einer Lebensmittelverteilung in Gaza. 

Marlene Dumas, Last Man Standing, 2023. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und der Frith Street Gallery, London.

Die renommierte Künstlerin Marlene Dumas war ebenfalls tief betroffen von der Gewalt in Gaza. Zwei ihrer jüngsten Porträts blicken den Betrachter eindringlich an. „Es sind Menschen, die auf die Zerstörung blicken; ein Gefühl der Ohnmacht spricht aus ihrem Blick“, so Kurator Tim Roerig.

Gleichzeitig ist ein weiteres Gemälde eines kleinen jüdischen Mädchens mit ihrem Großvater ausgestellt. Marlene Dumas hat 20 Jahre lang an diesem Bild gearbeitet und es immer wieder übermalt. „Es ist kein Zufall, dass sie diese drei Werke zusammen zeigt. Für mich stellt sie die Verbindung zwischen dem Holocaust, der Gründung Israels und dem Völkermord in Gaza her“, meint Kurator Roerig.

Wir dürfen niemals das Recht des Stärkeren akzeptieren“

Tim Roerig, Kurator des Z33

Drei Werke der mittlerweile 91-jährigen Belgierin Marianne Berenhaut sind ebenfalls zu sehen. Sie sammelt allerlei Fundstücke, die sie an das Trauma ihrer Kindheit erinnern. Als Kind musste sie sich vor der Judenverfolgung verstecken. Der Kampf gegen Gleichgültigkeit war der eigentliche Grund für diese Ausstellung.

Drei Werke der heute 91-jährigen Belgierin Marianne Berenhaut sind zu sehen. Sie verarbeitet darin gefundene Objekte, die sie an die Traumata ihrer Kindheit erinnern. Als Kind musste sie vor der Judenverfolgung untertauchen. Die Auseinandersetzung mit Gleichgültigkeit war der eigentliche Grund für diese Ausstellung.

„Voor onze ogen“ ist keine reißerische Kunst und will nicht polarisieren, so Kurator Tim Roerig. Doch die Ausstellung hat eine klare Botschaft. „Sie entspringt der Weigerung, den aktuellen Zustand der Welt und insbesondere Gazas hinzunehmen. Wir versuchen, sachlich zu bleiben, nicht zur Polarisierung aufzurufen, sondern dem Geschehen direkt ins Auge zu sehen.“

„Vor unseren Augen“ - „Voor onze ogen“, noch bis zum 23. August 2026, Kunstzentrum Z33 - Haus für zeitgenössische Kunst, Design und Architektur in Hasselt, Bonnefantenstraat 1, 3500 Hasselt. Info: https://www.z33.be/

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