Zehn Jahre nach Einführung der sogenannten „Gewerbegebiete im städtischen Umfeld“ (OGSO) zeigt sich, dass diese die weitere Entwicklung von Wohngebieten in der Brüsseler Region maßgeblich beeinflusst haben. Dies belegt eine neue Studie von perspective.brussels, dem regionalen Kompetenzzentrum für Raum- und Stadtentwicklung in der Region Brüssel-Hauptstadt. In der Universitätsstadt Löwen in Flämisch-Brabant nimmt derweil die Planung des Wissenschaftspark auf einem früheren Bahngelände in der Gemeinde Kessel-Lo Form an. Hier gehen Forschen, Wohnen und Arbeiten Hand in Hand.
Die Mischung macht’s: Brüsseler Gewerbegebiete werden zu Wohngebieten – Löwen plant einen entsprechenden Wissenschaftspark
Die OGSOs, die ursprünglich eingeführt wurden, um dem Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Wirtschaftstätigkeit der Region gerecht zu werden, umfassen seit ihrer Gründung im Jahr 2013 200 Hektar Fläche. In diesen Gebieten im Brüsseler Raum werden verschiedene Funktionen bewusst gemischt. Ziel ist, den Raum effizienter zu nutzen und lebendige Stadtviertel zu schaffen, in denen Menschen leben und arbeiten, anstatt strikt getrennte Zonen.
Zwischen 2014 und 2024 kamen in diesen 200 Hektar 235.000 Quadratmeter bebaute Fläche hinzu, wobei mehr als drei Viertel des Wachstums auf Wohnraum entfielen. Unter Einbeziehung zukünftiger Projekte steigt diese Fläche auf 480.000 Quadratmeter, ein Zuwachs von bis zu 40 %. Die städtische Verdichtung in den OGSO-Gebieten ist damit in den letzten zehn Jahren zweieinhalb Mal höher als im regionalen Durchschnitt.
Wohnraum im Fokus
Gleichzeitig blieb die Flächennutzung für Neubauten auf 10.000 Quadratmeter begrenzt, was lediglich einem Prozent der Gesamtfläche der OGSO-Gebiete entspricht. „Dies deutet darauf hin, dass vorwiegend in die Höhe gebaut wurde. Wohnraum spielt eine zentrale Rolle und macht drei Viertel der neu errichteten Geschossfläche aus. Das entspricht etwa 3.000 Wohnungen, von denen rund 2.200 bereits fertiggestellt sind oder sich aktuell im Bau befinden“, heißt es bei perspective.brussels dazu.
Von diesen Wohnungen wurden 80 % auf dem privaten Markt verkauft. 10 % sind Sozialwohnungen und 10 % Wohnungen sind für mittlere Einkommensgruppen vorgesehen. Die südliche Kanalzone in der Nähe des Biestebroek-Hafens ist die dynamischste Zone. „So sehr, dass dort zwei Drittel der neuen Wohnungen entstanden sind. Dazu tragen Großprojekte wie City Dox sowie Nautilus und Atlantis bei, die beide in der Gemeinde Anderlecht liegen“, heißt es bei perspective.brussels weiter.
Ein neues Konzept auf dem Sibelga-Gelände in Schaarbeek
Das landschaftsarchitektonische Konzept im Umfeld der Brüsseler Gasgesellschaft Sibelga am Kanal in Schaarbeek (Foto unten) von AAC Architects zeigt eine Abfolge von Pflanzen- und Mineralelementen zur Gestaltung von Raum mit unterschiedlicher Atmosphäre. Ziel dieser Maßnahme ist die Verbindung des grünen Massivs des nahegelegenen Bahndamms mit dem Jules-de-Trooz-Park durch einen Grünstreifen. Das Projekt umfasst die Integration von Einrichtungen für die Allgemeinheit, wie einen Sportplatz, einen Spielplatz und Ruhezonen.
Es trägt zur Sanierung und Verbesserung der allgemeinen Wasserdurchlässigkeit des Geländes bei (Brüsseler Greenfields-Label). Auch eine ökologische Dimension prägt das Landschaftsprojekt: Begrenzung versiegelter Flächen, Versickerungs- und Rückhaltebecken, Auswahl einheimischer Arten, Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien usw. Das Projekt ist beispielhaft für die lokale Regenwasserversickerung.
Wissenschaftspark „Leuven Noord“ in Löwen wird zu neuem Stadtviertel mit Park und Wohnungen
Der Wissenschaftspark „Leuven Noord“ in Löwen in Flämisch-Brabant wird weit mehr als nur ein Gewerbegebiet sein. Auf dem ehemaligen Bahngelände entlang der Eénmeilaan entsteht ein komplett neues Stadtviertel. Neben Wohnungen wird es auch einen großen Park mit Erholungsflächen geben. Die Pläne für einen neuen Wissenschaftspark in Kessel-Lo bei Löwen existieren schon länger, nehmen aber jetzt konkretere Formen an. Die Stadt hat ein Strategiepapier veröffentlicht, das die Erwartungen der Stadt und der KU Leuven an das Gelände darlegt.
„Es wird ein neuer Wissenschaftspark mit Raum für Wirtschaftswachstum und Innovation sein, aber er wird viel mehr als das“, so Bürgermeister Mohamed Ridouani (Vooruit): „Leuven Nord wird ein völlig neues Stadtviertel mit viel Platz für wirtschaftliche Aktivitäten, aber auch einem großen Park sowie Flächen für Wohnraum, Freizeiteinrichtungen und soziale Begegnungen. Zusammen mit den Entwicklungen am Kessel-Lo-Knotenpunkt wird es ein neuer Teil von Leuven werden.“ Der Wissenschaftspark soll Leuven international als Wissensstadt stärken.
Auf 30 Jahre angelegt
Die neuen Gebäude werden Büros, Labore, Gewerbeflächen usw. beherbergen. „Mit diesen ambitionierten Plänen legen wir den Grundstein für die Transformation des Geländes in den nächsten 30 Jahren. Sie sollen Löwen international als Wissensstadt stärken und dazu beitragen, den Wohlstand in unserer Region nachhaltig zu verankern“, so Löwens Stadtrat für Raumplanung Dirk Vansina (CD&V).
Neben Gewerbeflächen wird es auch Konferenz- und Hoteleinrichtungen, Wohnungen und Einrichtungen für die gesamte Nachbarschaft geben, wie Gastronomie, Einzelhandel, Sportanlagen, Kinderbetreuung und einen Tagungsraum. Zwischen den neuen Gebäuden und der Eénmeilaan entsteht ein großer Park. Das neue Stadtviertel wird zahlreiche Arbeitsplätze schaffen, was mit einem erhöhten Mobilitätsbedarf einhergeht. Die Stadt plant daher, zukünftig einen Shuttle-Service zwischen dem Viertel und dem nahegelegenen Bahnhof einzuführen. Zusätzlich werden Fuß- und Radwege angelegt.
