Über 90 % aller Wohnungen in Brüssel, die via der Online-Plattform Airbnb vermietet werden, werden illegal vermietet. Dies ist aus einer Untersuchung der regionalen Nachrichtenplattform BRUZZ ersichtlich. Brüssels neuer Ministerpräsident Boris Dilliès (MR), der auch für den Tourismus in der Hauptstadt-Region zuständig ist, versprach in diesem Zusammenhang jetzt, dass die Regeln zur Vermietung von Wohnungen zu touristischen Zwecken strenger werden und dass diese auch besser kontrolliert werden sollen.
Wer in der Brüsseler Hauptstadt-Region ein Studio, ein Appartement, ein Haus oder gar eine Villa für länger als 3 Monate im Jahr vermieten möchte, der braucht dazu einige amtliche Dokumente. Nebenbei müssen die Vermieter solcher Objekte dies sowohl der Brüsseler Behörde für Wirtschaft und Arbeit, als auch dem Steueramt.
Eines der erforderlichen Dokumente, nämlich das sogenannte städtebaukundige Attest, ist allerdings nur schwerlich zu bekommen. Die Brüsseler Gemeinden stimmen damit der Umwandlung einer Wohnung zu einem Hotel bzw. eines touristischen Verbleibortes zu.
Anträge werden oft verweigert - Aus gutem Grund?
Allerdings, und da liegt das Problem, verweigern die zuständigen Stellen dieses Attest recht häufig, um damit den privaten Mietmarkt zu schützen, denn freie und erst recht bezahlbare Mietwohnungen sind in der Hauptstadt eher rar. Je mehr Wohnungen zu touristischen Mietobjekten werden, desto geringer sind die Chancen am Markt in Brüssel, eine Wohnung mieten zu können, so die Begründung der Behörden.
Wohl deshalb, so BRUZZ, entscheiden sich viele Vermieter von touristisch genutzten Objekten dafür, auf eine offizielle Anmeldung zu verzichten und bringen ihre Wohnungen illegal an den Mann und die Frau… BRUZZ hatte die offiziellen Zahlen von registrierten Objekten angefragt und diese Zahl mit den Angeboten auf Airbnb verglichen. Daraus wurde ersichtlich, dass mindestens 90 % aller in Brüssel angebotenen entsprechenden Objekte illegal vermietet werden.
Airbnb verweist auf die schwierigen Prozeduren
Bei Airbnb Belgien verweist man in einer Reaktion auf die Recherchen von BRUZZ auf die komplizierten Verfahren zur Anmeldung solcher Wohnungen als touristischer Verbleibort in Brüssel: „Wenn es die Behörden unmöglich machen, um eine Erlaubnis zu bekommen, ist dies ein deutliches Signal dafür, dass das System nicht funktioniert. Fortschritt ist nur möglich, wenn die Regeln in der Praxis auch funktionieren“, klingt es bei der Mietplattform.
Weiter heißt es dazu: „Mit einer neuen Brüsseler Regierung hoffen wir, dass Raum dafür ist, die Regelung konstruktiv anzupassen. Wir bleiben bereit dazu, um in den Dialog mit den Behörden zu treten, damit diese Regeln ehrlich, verständlich und im Sinne der europäischen Prinzipien sind.“
Welche Dokumente braucht man in Brüssel für eine Airbnb-Registrierung?
Kopie des Personalausweises/Reisepasses des Anbieters;
Auszug aus dem Strafregister;
Nachweis einer Haftpflichtversicherung;
Grundsteuerbescheid für das Gebäude oder Mietvertrag mit schriftlicher Zustimmung des Eigentümers;
Brandschutzbescheinigung oder Prüfbescheinigung;
Baugenehmigung Ihrer Gemeinde;
Grundriss der Unterkunft;
Fotos der Unterkunft;
Bei Miteigentum: Schriftliche Vereinbarung der Miteigentümer;
Bei Rechtspersonen: Kopie der Satzung (Tourismus muss im Unternehmenszweck aufgeführt sein);
Bei Rechtspersonen: Nachweis über die Anstellung der für die laufende Geschäftsführung der Unterkunft verantwortlichen natürlichen Person.
Sobald die Unterkunft von der Brüsseler Behörde für Wirtschaft und Arbeit anerkannt wurde, muss der Betreiber das zu Objekt innerhalb von 31 Tagen beim Brüsseler Finanzamt anmelden, um die regionale (Tourismus-)Steuer zu entrichten. Diese beträgt derzeit 4 bis 5 € pro Übernachtung.
