Zum Hauptinhalt springen
Wasserreserve- und Auffangbecken der regionalen flämischen Wasserbehörde De Watergroep

Von Rohstoff zum strategischen Kapital – Wasser ist auch in Flandern ein wirtschaftlich bedeutendes Gut

„Wir befinden uns an einem Wendepunkt: Wir haben zwar noch Wasser, aber immer weniger davon ist nutzbar. Laut den Vereinten Nationen verbrauchen wir unsere weltweiten Wasserressourcen schneller, als die Natur sie regenerieren kann, und steuern damit auf einen globalen Wasserbankrott zu.“ Dies erklärt Dirk Halet vom Wasserforschungszentrum von VITO, dem Flämischen Institut für Technologische Forschung, in der aktuellen Ausgabe von Mediaplanet, einer Veröffentlichung des gleichnamigen und zu Craydon gehörenden Wirtschaftsberatungsunternehmens zum Thema Wasser.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Nicht nur die intensive Nutzung, sondern auch die Verschmutzung trägt dazu bei, dass ein wachsender Teil des Wassers auch im belgischen Bundesland Flandern für Landwirtschaft, Industrie, Trinkwasserversorgung oder Renaturierung unbrauchbar wird. „Die Verschmutzung wirkt somit als stiller, aber mächtiger Beschleuniger des Wasserbankrotts“, so Dirk Halet von VITO. Dies bestätigt auch das Weltwirtschaftsforum, das Klimaextreme, Dürre und Verschmutzung als Risiken identifiziert, die Wertschöpfungsketten unterbrechen, Investitionen beeinflussen und die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen bestimmen.

Diese internationalen Herausforderungen haben auch erhebliche Auswirkungen auf Flandern. Diese Region gehört zu den wasserärmsten Gegenden in Europa. Sechs trockene Sommer und zwei schwere Überschwemmungen in den letzten acht Jahren zeigen, wie anfällig das Wassersystem hier geworden ist. Das hat auch wirtschaftliche Folgen: Die 15 wasserintensivsten Sektoren tragen zusammen zu rund einem Viertel der Beschäftigung und einer Bruttowertschöpfung von über 70 Mia. € bei. Also allein in Flandern ist jeder vierte Arbeitsplatz vom Wasser abhängig.

Kläranlage

„Wasser ist strategisches Kapital“

Wasser ist daher nicht länger nur eine operative Ressource für unsere Unternehmen, sondern ein strategisches Kapital, das die Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Flanderns maßgeblich bestimmt, so Halet: „Indem wir jetzt intelligente und nachhaltige Lösungen wählen, können wir unsere Wassersicherheit wiederherstellen und stärken.“

Mit dem Blue Deal investiert die flämische Landesregierung in ein wasserresilientes Flandern – mit Plänen für eine zuverlässige Versorgung, ein besseres Wassermanagement und innovative Finanzierung. Neben politischen Maßnahmen spielen technologische Innovationen, Kooperationen und Finanzierung eine Schlüsselrolle. Das VITO „Wissenszentrum Wasser“ unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer daher mit Beratung zu intelligenter, sparsamer und nachhaltiger Wassernutzung. „So stärken wir unsere Widerstandsfähigkeit und Flanderns internationale Position als innovative Wasserregion“, so Halet in Mediaplanet.

Auch in Flandern ist Hochwasser nach Starkregen keine Seltenheit

Was ist VITO?

Als führendes europäisches Forschungszentrum setzt VITO, das Flämische Institut für Technologische Forschung, 1.300 Mitarbeitende ein, um wissenschaftliche Erkenntnisse in bahnbrechende technologische Innovationen, KI-Lösungen und politische Beratung umzusetzen. VITO verbindet Fachwissen über Mensch und Umwelt mit technologischen Innovationen, (Pilot-)Infrastruktur und digitalen Anwendungen. Unternehmen, Regierungen und Bürgerinnen und Bürger profitieren von unserer einzigartigen Expertise. So schaffen wir gemeinsam einen positiven und messbaren Beitrag für eine Gesellschaft im Wandel – in Flandern, Europa und weltweit.

Was ist der Blue Deal?

Der Blue Deal wurde von der früheren Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA) ins Leben gerufen. Dabei geht es um "sichere und gesunde Flüsse und Täler, intelligentere Wassernutzung, besseren Schutz des Grund- und Trinkwassers und eine gesündere Wasserqualität". Das Hauptziel besteht darin, Flandern besser gegen starke Regenfälle oder Trockenheit zu wappnen und die Wasserqualität zu verbessern. Flanderns aktueller Umweltminister Jo Brouns (CD&V) reformierte den ursprünglichen Blue Deal und legte einen etwas angepassten Schwerpunkt, der auch auf „Gebietskoalitionen“ und „lokalen Schwammzielen“ liegt.

Wasser ist ein wichtiges Gut, für das Leben, für die Wissenschaft und für die Wirtschaft

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5