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Das Bahnhofs- und Diamantenviertel in Antwerpen

Ensemble in Antwerpen: Der Zentralbahnhof und die Diamantenbörse stammen vom gleichen Architekten

Das Umfeld um den prächtigen Antwerpener Zentralbahnhof wird unter anderem vom Diamantenviertel geprägt. Beide Gebäude sind zentrale Anlaufstellen für ihre „Kunden“. Die einen sind abfahrende und ankommende Bahnreisende und Pendler und die anderen sind Diamantenhändler, die Edelsteine kaufen, verkaufen oder schleifen lassen wollen. Beide Gebäude stammen von ein und demselben Architekten: Louis Dela Censerie (1838-1909). Dieser hinterließ aber auch seine Spuren in seiner Heimmatstadt Brügge und in Ostende.     

Andreas Kockartz
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Louis Dela Censerie kam 1838 in Brügge zur Welt und galt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als bedeutender Architekt. Er machte sich in seiner Heimatstadt zunächst verdient, in dem er zahlreiche Gebäude aus dem Mittelalter restaurierte oder auch dort neue Gebäude entwarf. Am Ende seiner beruflichen Laufbahn gab ihm die damalige belgische Eisenbahn den Auftrag, für Antwerpen einen monumentalen Bahnhof zu entwerfen.

Dela Censerie ließ sich dabei vom Pantheon in Rom und vom damals schon beeindruckenden Bahnhof von Luzern inspirieren. Der Architekt starb 1909, vier Jahre nach der Eröffnung des Bahnhofs Antwerpen-Zentral. Seine Entwürfe und Gebäude gefielen seinerzeit nicht jedem, doch seit den 1970er Jahren wird seine Arbeit wieder gewertschätzt. Inzwischen gilt er in der Architekturgeschichte als einer der wichtigsten Vertreter der flämischen bzw. belgischen Architektur des 19. Jahrhunderts. Das belgische Eisenbahnmuseum Train World bewahrt sechs originale Zeichnungen und Entwürfe von Dela Senserie zum Antwerpener Bahnhof.

Eine der originalen Zeichnungen von Louis Dela Censerie für den Bau des Antwerpener Zentralbahnhofs
Modell des Bahnhofs

Die Diamantenbörse

Eines der Gebäude, die Louis Dela Censerie ebenfalls entwarf, ist die Diamantenbörse in Antwerpen, die nur ein Steinwurf entfernt vom Zentralbahnhof in der Hoveniersstraat zu finden ist. Der Architekt fand einen Kompromiss zwischen seinem Stil und den wichtigen Bedürfnissen der Diamantenhändler, zu denen in erster Linie Licht gehörte, ein konkretes Arbeitsmittel für die Begutachtung von Edelsteinen…

„Früher standen hier lange, dichte Tische. Auf der einen Seite boten Diamantenhändler ihre Waren an, auf der anderen warteten potenzielle Kunden. Stellen Sie sich das wie die geschäftige Mensa einer lebhaften Schule vor, wo viel geplaudert wurde und der Preis der Diamanten unter vier Augen verhandelt wurde“, erklärte der Antwerpener Stadtführer Maarten Gillis gegenüber VRT NWS.

Es ist kein Zufall, dass die Halle große, nach Norden ausgerichtete Fenster hat, durch die man die Farbe der Diamanten zu jeder Tageszeit auch ohne direkte Sonneneinstrahlung beurteilen kann. Inzwischen hat sich der Handel in die Hunderte von Büros in den Stockwerken über der großen Halle verlagert.

Einer der Räume in der Diamantenbörse: Hier fließt bewusst kein direktes Licht von außen ein

Der Bahnhof war wichtig für das Diamantenviertel

„Der Bahnhof ist der Grund, warum sich das Diamantenviertel hier befindet“, erzählt Gillis: „1835 wurde eine Eisenbahnlinie zwischen Brüssel und Mechelen gebaut; ein Jahr später reichte sie bereits bis Antwerpen. Zehn Jahre später konnte man mit dem Zug von Brüssel nach Amsterdam fahren, damals die Welthauptstadt des Diamantenhandels.“

„Das Problem war der Mangel an qualifizierten Diamantschleifern in Amsterdam. Deshalb reisten die Diamantenhändler mit dem Zug nach Antwerpen, wo viele Fachkräfte lebten. Sie trafen sich in Cafés in Bahnhofsnähe, um über die Preise zu verhandeln. Mit der Zeit bevorzugten sie jedoch einen sichereren Ort für ihre Treffen, die Hinterzimmer der Cafés. Später wurden eigens dafür Gebäude errichtet“, so Gillies.

Der Antwerpener Stadtführer Maarten Gillis vor der heute unscheinbar aussehenden Diamantenbörse

Dela Censerie baute auch die Sankt-Peter und Pauls-Kirche in Ostende

Louis Dela Cencerie war nicht nur in Antwerpen und in Brügge aktiv. Er fertigte auch die Pläne für die zwischen 1899 und 1905 neu gebaute Sankt-Peter und Pauls-Kirche in Ostende. Diese Kirche entstand dort, wo 1896 die damalige Sankt-Peters-Kirche abbrannte.

Dela Censerie legte genaue Pläne für diese Kirche vor, die im neu-gotischen Stil entstand. Dabei orientierte er sich auch an der Votivkirche in Wien. Jeder Stein und jedes dekorative Element wurden von dem Architekten genauestens bestimmt. Das Gewölbe im Innenschiff besteht aus quadratischen Kreuzelementen, die auf französische Hochgotik zurückzuführen sind. Das Mobiliar wurde von Handwerkern aus Brügge und Antwerpen gefertigt.  

Diese Kirche wurde am 4. September 1905 im Beisein von König Albert II. und zahlreichen prominenten Gästen eröffnet. Geweiht wurde sie aber erst am 31. August 1908 durch den Bischoff von Brügge, Gustavus Jozephus Waffelaert. 

Die Sankt-Peter und Pauls-Kirche in Ostende

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