Der 30-Jährige flämische Landtagsabgeordnete Aimen Horch (Foto) wurde am Samstag im ersten Wahlgang zum Vorsitzenden der flämischen grünen Partei Groen gewählt und setzte sich gegen die beiden anderen Kandidaten, Bogdan Vanden Berghe und Valérie Tanghe, durch. Seine Mitkandidatin Lien Arits (34) wird stellvertretende Parteivorsitzende.
Der flämische Abgeordnete Aimen Horch wurde zum Präsidenten der Grünen Partei Groen gewählt
„Vielen, vielen Dank!“, heißt es in einem Beitrag auf der Instagram-Seite der Partei. „Wir haben es bewiesen: Hoffnung hält uns am Leben. Tausende Mitglieder signalisieren mit dieser Wahl, dass sie mit uns nicht auf Hoffnung warten, sondern sie selbst gestalten wollen“, bemerkte der neue Präsident in seiner ersten Reaktion.
berraschenderweise hatte der bisherige Präsident von Groen, Bart Dhondt, Ende letzten Jahres seinen Rücktritt erklärt. In den folgenden Monaten kandidierten Aimen Horch, der flämische Abgeordnete und ehemalige Präsident der NGO 11.11.11, Bogdan Vanden Berghe, sowie die Überraschungskandidatin Valérie Tanghe für den Vorsitz von Groen, der Grünen Partei in Flandern. Am Samstag wählten rekordverdächtige 3.500 Mitglieder ihren neuen Vorsitzenden. Aimen Horch errang mit 51,1 % der Stimmen die absolute Mehrheit. Bogdan Vanden Berghe erhielt 31,9 % und Valérie Tanghe 16,4 %.
„Ich habe in den letzten Wochen eine unglaubliche Energie verspürt“, erklärte der neue Parteivorsitzende. „Dass sich über 400 Freiwillige für die Partei engagiert haben, hat mich inspiriert, Groen gemeinsam mit ihnen zu einer starken und stolzen grünen Partei zu machen, die sich gegen die Lobby der fossilen Brennstoffindustrie und gegen Ungleichheit stellt“, betonte er.
Als neuer Vorsitzender kritisierte Aimen Horch die Politik der flämischen und der föderalen Regierung scharf. „Während die Menschen massenhaft auf die Straße gehen, um eine gerechte Rente zu fordern, ziehen es die Minister vor, eine Waffenmesse zu besuchen, anstatt ihnen zuzuhören. Von Frauen wird erwartet, dass sie noch härter arbeiten, doch die Regierung versäumt es, allen Kindern eine Kinderbetreuung zu gewährleisten“, bemerkte er.
Ich möchte den Menschen erneut zeigen, dass eine sichere Zukunft möglich ist und dass sie dazu beitragen können“
Aimen Horch
Horch kritisiert auch die Energie- und Außenpolitik der Regierungen: „Während autoritäre Machthaber illegale Kriege führen und täglich unschuldige Opfer fordern – von der Ukraine über den Iran bis zum Libanon, tragen die Bürger die Hauptlast der Folgen auf ihren Energierechnungen. Das ist der Preis unserer Abhängigkeit von Öl und Gas.“
„Die logische Konsequenz wäre, massiv in grüne Energie zu investieren“, betont Horch: „So schützen wir die Menschen, heute und morgen. Doch der Premierminister zieht es vor, Putin wegen des russischen Gases zu umwerben und die europäische Klimapolitik aufzugeben. Dabei gibt es einen anderen Weg. Ich möchte den Menschen erneut zeigen, dass eine sichere Zukunft möglich ist und dass sie dazu beitragen können.“
In Gesprächen mit den Medien zeigte sich Aimen Horch übrigens als Befürworter von neuen Generationen in Sachen Kernenergie. Er wolle abwarten, wie sich dies entwickele, so der frischgebackene Groen-Vorsitzende, dessen Partei sich bisher konsequent als Kernkraftgegner manifestierte.
Ein leidenschaftlicher Redner und Debater
Der in Algerien geborene Aimen Horch kam vor über 20 Jahren als Flüchtling mit seinen Eltern nach Belgien. Er wuchs in Armut in Wemmel und später in Vilvoorde in Flämisch-Brabant unweit von Brüssel auf. Nach seinem Master-Abschluss in Umweltwissenschaften an der Katholischen Universität in Löwen (KU Leuven) in Flämisch-Brabant arbeitete er als Präventionsberater für verschiedene Regierungsbehörden und Unternehmen.
Im Oktober 2018 wurde er im Alter von 22 Jahren für die Partei Groen in den Stadtrat von Vilvoorde gewählt. 2024 gewann er als relativ unbekannter Kandidat in Flämisch-Brabant einen Sitz im flämischen Parlament. Dort konzentrierte sich Horch vor allem auf Klima- und Energiefragen und etablierte sich schnell als leidenschaftlicher Redner. In Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt wurden allerdings einige seiner Aussagen im Rahmen von Kritik an Israel in den sozialen Medien als antisemitisch gewertet.
Für den Parteivorsitz tat sich Horch mit Lien Arits zusammen. Sie hatte zuvor für Groen als lokale Projektmanagerin gearbeitet und war Kommunikationsdirektorin im Büro der ehemaligen stellvertretenden Premierministerin Petra De Sutter. Arits wird Vizepräsidentin der Partei. Groen organisiert am Samstag, den 28. März, einen Frühlingsempfang im Winterzirkus in Gent (Ostflandern). Dort wird der neue Präsident seine erste offizielle Rede halten.
