Drei Namen, die man sich merken sollte: Julie Kegels, Marie Adam-Leenaerdt und Meryll Rogge (Foto). Drei belgische Designerinnen, die auf den jüngsten Fashion Weeks in Paris und Mailand für Furore sorgten. Zusammen werden sie manchmal als „Belgian 3“ bezeichnet, in Anlehnung an die weltbekannten „Antwerp Six“. Doch anders als ihre Vorgängerinnen und Vorgänger agieren sie in einer deutlich schwierigeren Wirtschaftslage, die von Luxuskonzernen dominiert wird – und genau das macht ihren Aufstieg so bemerkenswert.
Rihanna, Dua Lipa und Kim Kardashian sind Fans: Die „Belgian 3“ schaffen, was nur wenigen jungen Designerinnen gelingt
Es liegt auf der Hand: Belgier sind im internationalen Modesektor unglaublich erfolgreich. Ein belgischer Designer nach dem anderen wird Kreativdirektor eines etablierten Modehauses. Matthieu Blazy für Chanel, Glenn Martens für Maison Margiela, Pieter Mulier für Versace, Raf Simons für Prada. Die Liste wird immer länger. Doch die Ambitionen von Julie Kegels, Marie Adam-Leenaerdt und Meryll Rogge liegen woanders. Sie wollen sich lieber selbst einen Namen machen. Und das mit bemerkenswertem Erfolg: Auf den offiziellen Fashion-Week-Kalendern in Mailand und Paris sind sie neben Schwergewichten wie Gucci, Balenciaga, Dior und Diesel vertreten. Wie David gegen Goliath - und sie gewinnen.
Julie Kegels, ein junges Talent mit Unternehmergeist
Julie Kegels ist gerade einmal 27 Jahre alt. Die Absolventin der Antwerpener Modeakademie gründete ihr eigenes Label 2024. Trotzdem werden ihre Kreationen bereits von internationalen Stars wie Dua Lipa, Demi Lovato und Rosalía getragen. Ihre Mode ist in Boutiquen in ganz Europa, Asien und den USA erhältlich. Laut Eva Koninckx, Modekoordinatorin bei Flanders D.C. (Flanders District of Creativity), ist ihr rasanter Aufstieg kein Zufall: „Julie stammt aus einer Unternehmerfamilie. Sie ist die Tochter von Xavier Kegels, dem Gründer von Kipling und Hedgren, daher hat sie ein echtes Gespür fürs Geschäft. In nur wenigen Saisons hat sie eine Marke mit weltweiter Anhängerschaft aufgebaut.“
Für Kegels sind dies aufregende Zeiten: Sie präsentierte kürzlich ihre fünfte Kollektion auf der Pariser Fashion Week und stand danach im Halbfinale des LVMH-Preises – einer der weltweit renommiertesten Modeauszeichnungen, verliehen vom Luxuskonzern Louis Vuitton Moët Hennessy. Für ein Label, das erst seit zwei Jahren existiert, ist diese Nominierung eine außergewöhnliche Anerkennung.
Marie Adam-Leenaerdt, strategischer Weitblick und perfektes Umfeld
Marie Adam-Leenaerdt gründete ihr Label 2022 und ist eine Meisterin der (De-)Konstruktion und des Layerings. Kim Kardashian trug einen ihrer Blazer. Adam-Leenaerdt schaffte es auf die Forbes Europe-Liste „30 Under 30“ vielversprechender Talente und war Finalistin für den LVMH-Preis 2024.
Laut Eva Koninckx, ist ihr strategischer Ansatz ein großer Vorteil: „Marie hat ihr Label von Anfang an sehr klug geführt. Sie begann bereits während ihres Studiums an der Brüsseler Modeschule La Cambre, ihr Netzwerk aufzubauen und sich mit den richtigen Leuten für Branding, Vertrieb und Showproduktion zu umgeben. Das öffnet Türen.“ Adam-Leenaerdts Mode ist übrigens typisch belgisch. Sie eröffnete ihr eigenes Studio in ihrer Heimatstadt Brüssel. Jenseits der französischen Grenze stoßen ihre Shows auf zunehmend internationales Interesse. Vor einigen Wochen präsentierte sie ihre neueste Kollektion in Paris.
Meryll Rogge, ein aufstrebender Stern mit jahrelanger Erfahrung:
Die in Gent ansässige Designerin Meryll Rogge ist die erfahrenste der drei. Sie ließ sich Zeit, ihr eigenes Label aufzubauen. Zunächst arbeitete sie sieben Jahre lang bei Marc Jacobs und anschließend als Designchefin für ihren belgischen Kollegen Dries Van Noten. „So konnte sie sich ihr eigenes Netzwerk aufbauen“, sagt Koninckx. Ihr eigenes Label, das sie 2020 lancierte, wird von Rihanna, Kendall Jenner, Dua Lipa und Jessie Buckley getragen. Sie gewann den renommierten französischen ANDAM-Preis, der mit 300.000 € Preisgeld und wertvollem Mentoring verbunden ist.
„Diese finanzielle Unterstützung ist sehr willkommen“, so Koninckx: „Von außen betrachtet wirkt ein Eigenlabel glamourös, aber eine Kollektion erfordert enorme Investitionen. Besonders für Meryll. Sie arbeitet mit teuren, hochwertigen Stoffen und entwirft komplette Kollektionen. Selbst für jemanden mit ihrer Erfahrung ist das finanziell sehr anspruchsvoll.“ Rogge wird in der internationalen Presse zunehmend als „belgischer Shootingstar“ gefeiert.
Neben ihrem eigenen Label wurde die Designerin im vergangenen Sommer zur Kreativdirektorin des italienischen Luxushauses Marni ernannt. Damit gehört sie zu den wenigen Frauen an der Spitze eines Luxusmodehauses. Vor einigen Tagen präsentierte Rogge ihre Debütkollektion für Marni im Rahmen der Mailänder Modewoche, die großen Anklang fand.
Vorbilder für die neue Generation
Nicht zuletzt dank Kegels, Adam-Leenaerdt und Rogge träumt nun auch eine neue Generation junger belgischer Designerinnen und Designer von einem eigenen Label. Ein deutlicher Wandel, so Eva Koninckx: „Während Absolventen vor zehn Jahren noch eine Position als künstlerischer Leiter bei einem großen Modehaus anstrebten, verschiebt sich dieses Ziel. Allerdings unterschätzen jüngere Absolventen mitunter die harte Realität der Modebranche.“
Flanders District of Creativity hat sich der Förderung flämischer Designtalente verschrieben. Laut Koninckx gibt es einige wichtige Lektionen, die jeder angehende Designer beherzigen sollte: „Fangen Sie klein an, mit einer überschaubaren Kollektion, die wirtschaftlich tragfähig ist. Wissen Sie außerdem, wer Sie sind und was Sie auszeichnet, denn in einem hart umkämpften Markt ist eine klare Identität entscheidend. Und umgeben Sie sich mit den richtigen Leuten: Von der Produktion über das Branding bis hin zum Vertrieb – niemand baut ein Label allein auf.“
