In Brüssel bauen die Freiwilligen von „Wings for Europe“ seit zwei Jahren Drohnen für die Ukraine. Nach monatelangem Tüfteln ist es ihnen jetzt gelungen, Drohnen zu entwickeln, die russische Kampfdrohnen abfangen können. „Das Gestell wird komplett im 3D-Druckverfahren hergestellt. Die Kosten belaufen sich auf nur 1.000 Euro pro Stück.“
Freiwillige bauen auch in Brüssel Drohnen für die Ukraine, die russische Kampfdrohnen abzuwehren sollen
„Wings for Europe“ wurde gegründet, als die ukrainische Drohnenproduktion bedroht war. „Gemeinsam mit einer Gruppe engagierter Bürger beschlossen wir, aktiv zu werden und unser Möglichstes zu tun“, erzählt Bartas Trakymas (Foto oben, r.), ein Litauer aus Brüssel und einer der Mitbegründer, gegenüber der regionalen Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ. Die Gruppe zählt mittlerweile über 100 Freiwillige in Belgien, Deutschland und Luxemburg.
Jedes Wochenende wird montiert
Die Brüsseler Gruppe trifft sich jedes Wochenende, um Drohnen nach einem festgelegten Schritt-für-Schritt-Plan zu löten und zu montieren. Bei jedem Treffen werden etwa 10 bis 15 Einheiten zu Produktionskosten von je 350 € hergestellt. Das sind Basismodelle, die an der Front an die ukrainischen Bedürfnisse angepasst werden können: Von Transport über Aufklärung und Überwachung bis hin zu militärischen Missionen.
Deutscher Kollege
Am vergangenen Sonntag bekam die Gruppe besonderen Besuch: Ein Kollege aus der deutschen Abteilung (der anonym bleiben möchte) hat nach monatelanger Arbeit erfolgreich ein Modell für eine Abfangdrohne entwickelt. Sie soll russische Kampfdrohnen, insbesondere die aus Iran gelieferten „Shaheds“, zerstören. Diese Drohnen tauchten erstmals im September 2022 in der Ukraine auf und werden von Russland zu Hunderten eingesetzt, um ukrainische Ziele sowohl an der Front als auch in Städten fernab der Front anzugreifen.
Relativ niedrige Produktionskosten
Die Stärke der „Shahed“-Drohnen liegt in ihren vergleichsweise niedrigen Produktionskosten. Sie werden im Iran für jeweils rund 50.000 € hergestellt. Raketen zu ihrer Abwehr kosten jedoch jeweils Millionen. Dies ist für die Ukrainer finanziell nicht tragbar: Daher der Bedarf an funktionstüchtigen und kostengünstigen Abfangdrohnen. „Wir können sie für 1.000 € pro Stück produzieren“, erklärt Trakymas: „Das gesamte Gehäuse kommt aus 3D-Druckern einer NGO, mit der wir zusammenarbeiten. Dass wir alle ehrenamtlich tätig sind, trägt ebenfalls dazu bei, die Kosten so niedrig zu halten.“
Schneller als die iranischen Drohnen der Russen
Der deutsche Kollege arbeitete fast sechs Monate an der Konstruktion, die inzwischen an der Front getestet und für gut befunden wurde. Am Sonntag war er in Brüssel, um den Ausbildern der Brüsseler Niederlassung die Montage beizubringen. Am kommenden Wochenende geben diese ihr Wissen an weitere Ehrenamtliche weiter. Die Abfangdrohne hat, anders als eine herkömmliche Drohne, eine länglichere, raketenähnliche Form. Sie verfügt über vier Propeller am Heck. „Sie können über 200 km/h fliegen, während die Shaheds nur 175 km/h erreichen“, sagte Trakymas gegenüber BRUZZ.
Wie viele Drohnen können produziert werden?
„Wir setzen uns kein festes Ziel. Alles hängt von der Finanzierung ab. Es gibt viele Freiwillige, aber manchmal können wir einfach nicht genug Teile kaufen, um jedem genügend Arbeit zu geben.“ Die Teile - von Motoren über Infrarotkameras bis hin zu Propellern - werden mit Spenden und Merchandise-Einnahmen finanziert. Bei Wings for Europe ist es Tradition, jede Drohne zu benennen. Wer eine komplette Drohne sponsert, kann den Namen selbst wählen. Die erste am Sonntag fertiggestellte Abfangdrohne wurde in gelben Buchstaben auf den Namen „Guardian 001“ getauft.
