Im Aachener Ortsteil Burtscheid befindet sich unweit des kleinen Zentrums des Viertels die Marienkapelle (Foto). Dieses „Kapellchen“, wie es im Volksmund genannt wird, wurde im Jahre 1643 von dem Mönch Peter Kerchof, der Äbtissin von Burtscheid und den Burtscheider Bürgern zu Ehren der „Madonna von Scherpenheuvel“ erbaut. Diese Kapelle heißt daher heute im Volksmund auch „Klein-Scherpenheuvel“. Damit steht sie mit dem gleichnamigen Wallfahrtsort im flämisch-brabantischen Zichem/Scherpenheuvel in direkter Verbindung.
Was haben eine Kapelle in Aachen und der flämische Wallfahrtsort Scherpenheuvel gemeinsam?
Die Marienkapelle ist eine, wie der Name andeutet, der Jungfrau Maria gewidmete Kapelle in Aachen-Burtscheid. Sie steht an der Ecke Gregorstraße/Berdoletstraße unweit des Zentrums des Stadtviertels und wurde 1643/44 auf Veranlassung der amtierenden Äbtissin der Reichsabtei Burtscheid, Henrietta Raitz von Frenz, und des Mönchs Peter Kerchof zu Ehren der „Madonna von Scherpenheuvel“ errichtet. Die Kapelle in ihrer aktuellen Form ist ein Sechseck, entspricht im Baustil der Romantik und wurde 1901-1903 nach Plänen von Friedrich Peeters erneuert.
Die Kapelle enthält als wichtigsten Bestandteil ein neu angefertigte Gnadenbild Mariens, das dem Original in der barocken und Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau Scherpenheuvel, einem Ortsteil von Zichem in der Provinz Flämisch-Brabant, im Wesentlichen nachempfunden ist. Es zeigt Maria mit Kind als Himmelskönigin in langem weitem Mantel schwebend vor einem Eichenbaum. Auf dem linken Arm hält sie das Kind und in der rechten Hand das Zepter. Im Hintergrund sind links die Abtei Burtscheid und rechts die Marienkapelle dargestellt.
Dieses Gnadenbild kann man besichtigen, doch das „Kapellchen“ ist leider nicht sehr oft für die Öffentlichkeit zugänglich, was sehr schade ist, denn sie ist ein Kleinod, in das es sich lohnt, einen Blick hineinzuwerfen. Die früher verwendete französische Bezeichnung Montaigu für Scherpenheuvel leitet sich vom lateinischen mons acutus = Spitzer Berg bzw. Scharfer Hügel her. Dies führte im Volksmund in der Aachener Gegend zur Bezeichnung Klein-Scherpenhövel (kleiner scharfer Hügel).
Der Wallfahrtsort Scherpenheuvel in Zichem unweit von Löwen in Flämisch-Brabant
Es gibt nur wenige Orte, an denen die Barockzeit so eindrucksvoll zum Ausdruck kommt wie in der Basilika Unserer Lieben Frau von Scherpenheuvel. Die schönsten Gemälde von Theodoor van Loon zieren dieses barocke Juwel. Kirche und Kunst bilden zusammen den Höhepunkt der Marienverehrung. Ein Besuch der Kirche ist sehr empfehlenswert, heißt es dazu in der Werbung der Gemeinde.
Scherpenheuvel und seine imposante Kuppelkirche entstanden im frühen 17. Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation. Die Wallfahrtskirche mit dem Bild der wundertätigen Maria war und ist ein Publikumsmagnet. Für die Kirche, die buchstäblich im Zentrum steht, wurden mit finanzieller und moralischer Unterstützung des Erzherzogs Albrecht und seiner Frau Isabella die teuersten Materialien verwendet. Seit 1922 ist die Kirche eine Basilika.
Die sieben Gemälde, die die Wallfahrtskirche schmücken, sind die bekanntesten Werke von Theodoor van Loon (Erkelenz, 1581 oder 1582 - Maastricht, 1649). Es sind gleichzeitig auch van Loons einzige Gemälde, die sich als Ganzes noch an ihrem ursprünglichen Standort befinden. Die monumentalen Werke stellen das Leben der Jungfrau dar. Die Themen knüpfen an die sieben Feste an, die am erzherzoglichen Hof von Albrecht und Isabella gefeiert wurden. Die Sieben ist eine wichtige Zahl in der Marienverehrung. Sie steht für sieben traurige und sieben glückliche Momente im Leben von Maria.
