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Der Anneessens-Turm an der Keyzerlaan zwischen modernen Gebäuden

Die vier letzten Türme des ersten Brüsseler Stadtwalls – Sind sie dem Verfall preisgegeben?

Der erste Stadtwall um Brüssel bestand aus einer Reihe von Befestigungsanlagen, die Anfang des 13. Jahrhunderts um die Stadt herum errichtet wurden. Die Stadt wuchs schnell über diese hinaus und ab 1356 wurde eine zweite, größere Mauer gebaut, um die Stadt besser sichern und zu verteidigen. Die überflüssigen Mauern des ersten Walls wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert abgerissen. Vier Reste der ersten Mauern sind heute noch sichtbar, doch sie sind teilweise dem Verfall preisgegeben.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Bau der ersten Mauern Brüssels wird auf den Beginn des 13. Jahrhunderts, während der Herrschaft Heinrichs I., des ersten Herzogs von Brabant, datiert. Die genauen Anfangs- und Enddaten sind nicht eindeutig, aber der Bau dauerte lange. Der genaue Verlauf der Mauern ist aber anhand erhaltener historischer Karten und anderer Dokumente bekannt.

Die Mauer war 4 Kilometer lang. Im Westen umfassten sie die Sint-Goriks-Insel (den Gründungsort und die erste Bebauung der Stadt, wo sich heute die Sint-Gorikshallen befinden), den Großen Markt (der wunderbare Hauptplatz der Stadt) und den ersten Hafen an der Senne. Sie erstreckte sich bis zu den Höhen im Osten der Stadt und umschlossen die erste Kathedrale St. Michael und St. Gudula (damals eine Stiftskirche) am Treurenberg. Ebenfalls innerhalb der ersten Stadtmauern befand sich das herzogliche Schloss Coudenberg.

Villers-Turm hinter der Sint-Joris-Schule unweit des Manneken Pis

Nur noch vier architektonische Reststücke in Form von Türmen zu entdecken

Die Mauern bestanden ursprünglich aus Erde mit einem Holzzaun darüber. Diese wichen später 10 Meter hohen und 1 bis 2,5 Meter dicken Steinmauern. Die Mauern wurden von quadratischen Pfeilern getragen, die in einem Abstand von etwa 4 Metern angeordnet und durch eine Reihe von Bögen miteinander verbunden waren. Entlang der Mauern befanden sich etwa vierzig Wehrtürme, sieben Haupttore und fünf kleinere Eingänge.

Davon sind heute nur noch Reste an vier Stellen zu finden: Der leider nicht zugängliche Plebaan-Turm in der Wildewoudstraat hinter der Brüsseler Kathedrale (vom Treurenberg aus ist ein Teil des Turms durch ein Stahlgittertor und inmitten von modernen Gebäuden zu sehen - siehe Foto), der Schwarze Turm, der halbrund von einem Novotel umgeben ganz in der Nähe der Katharinenkirche zu finden ist, der Anneessens-Turm an der Keyzerlaan und der Villers-Turm hinter der Sint-Joris-Schule, der nicht weit vom Manneken Pis entfernt liegt.

Der Schwarze Turm ist im Halbrund im Novotel hinter der Sint-Katelijne-Kirche zu entdecken

Masterplan und Entdeckungstipp

Eigentlich besteht ein Masterplan, um diese vier letzten Teile der ersten Stadtmauer Brüssels zu erhalten, doch faktisch tut sich zum Leidwesen von Historikern und Fachleuten seit langem nicht viel, um sie zu unterhalten. Sie sind eher dem Verfall preisgegeben, so die Kritik. Erste Schäden sind seit etwa 2017 bekannt, doch die verantwortliche Verwaltung der Stadtgemeinde Brüssel geht nicht wirklich dagegen vor.

Die Brüsseler Vereinigung Archistory vzw. reichte 2023 einen 2021 von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten zum Zustand der vier Türme ein, doch seit dem bleibt es still. Die Türme haben heute keine Funktion mehr. Interessiert sich deshalb niemand mehr an öffentlicher Stelle dafür?

Wer sich diese vier Türme einmal ansehen will, der kann ganz nebenbei eine interessante Runde durch das Zentrum Brüssels machen und am Rande dieser Erkundung einiges mehr entdecken. In den Anlaufstellen für Touristen (z.B. Visit Brussels oder die Tourist-Info am Großen Markt) sind Karten und Flyer zu finden, doch man kann das Ganze auch per Wander-Apps oder anderen Online-Anwendungen suchen.  

Der Pleebaan-Turm ist nur noch stückweise vom Treurenberg aus auszumachen

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