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Mittelalterlicher Bleisarg des „falschen“ Idesbald in Brügge restauriert: „Er bleibt ein wertvolles Kulturgut“

Nach über zehn Jahren des Wartens ist es endlich soweit: Der mittelalterliche Reliquiar (ein Gefäß oder eine Fassung, in dem Reliquien aufbewahrt und verehrt werden) des vermeintlichen Seligen Idesbald im Kloster Onze-Lieve-Vrouw van de Potterie in Brügge wurde restauriert und konserviert. Wissenschaftliche Untersuchungen im Jahr 2015 ergaben, dass der Bleisarg nicht den Leichnam des Seligen Idesbald enthielt. „Dennoch bleibt der Reliquiar ein wertvolles Kulturgut, das die Restaurierung verdient hat,“ heißt es dazu heute.

Andreas Kockartz
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Der Selige Idesbald war der dritte Abt der ehemaligen Zisterzienserabtei Unserer Lieben Frau von den Dünen in Koksijde. Er starb 1167. Lange Zeit glaubte man, Idesbald sei in dem Reliquiar beigesetzt, das seit 1894 im Kloster Onze-Lieve-Vrouw van de Potterie in Brügge aufbewahrt wird. Vor über zehn Jahren ergaben wissenschaftliche Untersuchungen, dass der Leichnam im Bleisarg zu einer Person gehörte, die mehrere Jahrhunderte später gelebt haben musste.

Die Untersuchungen zeigten, dass die Gebeine mehr als 200 Jahre jünger waren als die des Seligen Idesbald. Die einzig logische Erklärung war, dass der Sarg des „falschen Abtes“ aus der ursprünglichen Grabstätte exhumiert worden war. Papst Leo XIII. wusste dies natürlich nicht, als er Idesbald 1894 seligsprach. Auch die vielen Gläubigen und Pilger, die Idesbald, den Schutzpatron gegen Fieber, Rheuma und Gicht, verehrten, wussten es wohl nicht.

Sarg in extrem schlechtem Zustand

Doch die Bruderschaft „De Potterie“ kümmert sich weiterhin um den vermeintlichen Seligen Idesbald, wie er heute genannt wird. Der Bleisarg wurde umfassend restauriert und konservatorisch behandelt. Die Kosten dafür beliefen sich auf 11.800 €. „Als der Sarg 2015 geöffnet wurde, befand er sich in einem extrem schlechten Zustand. Ohne unser Eingreifen wäre er verloren gewesen“, sagt Dirk Francois, Dekan der Bruderschaft Onze-Lieve-Vrouw van de Potterie: „Natürlich waren wir damals enttäuscht, als wir erfuhren, dass der Sarg und die Gebeine nicht von Idesbald stammen konnten. Dennoch bleibt dies ein mittelalterliches Objekt von großem historischem Wert für unsere Region. Es ist Teil unserer Geschichte. Wir müssen es bewahren.“

„Stadtführer mit Herz“

Die Restaurierung wurde durch eine Spende der Brügger „Stadtführer mit Herz“ ermöglicht. Sie spendeten den Erlös ihrer jährlichen Spendenaktion für das Restaurierungsprojekt. Sie sammelten alleine über 11.000 €, indem sie mehr als 600 Kulturinteressierte durch das Gelände des Klosters und der Kirche führten.

„Die Besucher erhielten einen Blick hinter die Kulissen, sogar in das Wohnzimmer der letzten Nonne“, sagt David Serlet von den Brügger „Stadtführern mit Herz“: „Das erfordert zwar Einsatz von den Verantwortlichen, aber es lohnt sich. Dank dieser Initiative hat das Restaurierungsprojekt an Fahrt aufgenommen. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.“

750 Jahr-Feier

Die Restaurierung des Reliquiars ist eine der Initiativen zum Jubiläumsjahr des Klosters Onze-Lieve-Vrouw van de Potterie. In diesem Jahr feiern Krankenhaus, Kloster und Kirche ihr 750-jähriges Bestehen. Die Bruderschaft feiert ihr 250-jähriges und das dazugehörige Museum sein 150-jähriges Bestehen.

Anlässlich dieses dreifachen Jubiläums veröffentlichte „De Potterie“ ein neues Buch und brachte ein eigenes Bier auf den Markt. Die Kirche erhielt außerdem eine neue, zeitgenössische Marienstatue. Zahlreiche weitere Veranstaltungen finden in den kommenden Monaten im Rahmen des Jubiläumsjahres 2026 statt.

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