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Krise im Nahen Osten: Belgiens Außenminister reagiert – Reisewarnungen - Zahlreiche Belgier in der Region 

„Die iranischen Angriffe in der Golfregion sind inakzeptabel“, sagte Belgiens Außenminister Maxime Prévot von der frankophonen Zentrumspartei Les Engagés nach einer Videokonferenz mit seinen EU-Amtskollegen. Er unterstrich, dass dieser Standpunkt einstimmig getragen wird, „was selten genug ist.“ Inzwischen gibt das belgische Außenamt Reisewarnungen für seine Landsleute in den betroffenen Ländern aus. Aktuell halten sich in der Region mehr als 2.400 belgische Urlauber auf und im Iran befinden sich derzeit etwa 240 Personen mit belgischer Staatsangehörigkeit. 

Andreas Kockartz
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Laut Prévot rufen die Außenminister der Europäischen Union den Iran dazu auf, „von seinen nuklearen und ballistischen Programmen abzusehen.“ Weiter rufen die EU-Außenminister zu „Zurückhaltung, zum Schutz von Zivilisten und zur Einhaltung von internationalem Recht auf.“

Diese Eskalation müsse enden, so Prévot, denn die Folgen für den Nahen Osten, für Europa und für die Weltwirtschaft seien unberechenbar. Der belgische Außenminister warnt zudem Landsleute in der betroffenen Region dazu auf, den Anordnungen der lokalen Behörden Folge zu leisten. 

Reisewarnungen

Das Außenamt in Brüssel passt seine Reisegutachten für den Nahen und Mittleren Osten an und rät vorläufig davon ab, in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Katar, Bahrein, Kuweit und Jordanien sowie nach Libanon zu reisen. Belgier vor Ort sollen wachsam bleiben und sowohl die Nähe von militärischen Einrichtungen als auch große Versammlungen zu meiden.

Weiter wird von nicht dringend notwendigen Reise nach Saudi-Arabien und Oman abgeraten und Reisen in den Iran, in den Irak sowie in Richtung Palästinensergebiete, sowie Israel und hier besonders Jerusalem sollten vermieden werden. 

Außenminister Francken: „Wenn ein Aufruf kommt, werden vor Belgier evakuieren“

Falls nötig werde die belgische Armee Landsleute aus der Krisenregion evakuieren, sagte Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken von den flämischen Nationaldemokraten N-VA. Gegenüber VRT NWS sagte Francken am Sonntag: „Wir können das und wir haben die Kapazitäten dazu, doch in diesem Augenblick haben wir noch keinen Auftrag erhalten.“

Er mache sich ernsthafte Sorgen über die Belgier in der Region: „ich hoffe, das alles gut verläuft und dass alle aufpassen, denn die Situation ist sehr instabil. Laut Francken liege die Entscheidung beim Außenministerium: „Wenn es nötig ist und wir bekommen den Auftrag, dann werden wir evakuieren.“   

Mehr als 2.400 belgische Touristen im Krisengebiet gestrandet

Aktuell sitzen rund 2.450 belgische Touristen im Nahen Osten fest. Die Hälfte von ihnen macht Urlaub in Dubai. Dies gab Außenminister Maxime Prévot bei unseren frankoponen Kollegen der RTBF-Sendung „Matin première“ bekannt. Eine Evakuierung sei derzeit unmöglich, so Prévot, da der Luftraum in den meisten Ländern der Region gesperrt sei. Man berate sich mit anderen europäischen Ländern, um zu klären, ob und wann eine Evakuierung möglich sein könnte. Prévot appellierte einmal mehr an die belgischen Touristen, Geduld zu haben und die lokalen Sicherheitsbestimmungen zu beachten.

Rund 240 Belgier im Iran

Das belgische Außenamt meldet zudem, dass sich etwa 240 Landsleute aktuell im Iran aufhakten. Alle Betroffen sollen sich möglichst über der Webseite des Ministeriums, Travelers Online melden, insofern dies möglich ist (im Iran ist derzeit das Internet gekappt). Nebenbei befinden sich zwischen 15 und 20 Hochseefrachter, die unter belgischer Flagge fahren oder die zu einer belgischen Reederei gehören, in der Golfregion. Sie sitzen gerade fest, da die Wasserstraße von Hormuz derzeit durch die Kriegswirren am Golf unpassierbar ist.  

Hafenbehörde: „Wir beobachten die Lage genau“

Der Fusionshafen von Antwerpen und Zeebrügge hat bekannt gegeben, die Lage im Nahen Osten genau zu beobachten. Die Hafenbehörde steht in engem Kontakt mit seinen Partnern und Unternehmen im Hafengebiet. Aufgrund der Blockade der Straße von Hormus, der wichtigsten Routen für Schiffe im Persischen Golf, ist der globale Schiffsverkehr beeinträchtigt. Die direkten Auswirkungen sind relativ gering: 2,8 % des Gesamtumschlags der Häfen Antwerpen und Zeebrügge hängen direkt mit der Region um die Straße von Hormus zusammen.

„Dies betrifft insgesamt rund 7,5 Millionen Tonnen Frachtverkehr, hauptsächlich flüssige Massengüter (Kraftstoffe, LNG und chemische Produkte) und Container“, so die Hafenbehörde. „Die Güterströme könnten bei einer weiteren Eskalation der Lage beeinträchtigt werden, ihr Anteil an unserem Gesamtumschlag bleibt jedoch gering. Wichtiger sind die potenziellen indirekten Auswirkungen“, heißt es weiter: „Ein weiterer Anstieg der Energiepreise könnte die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche belasten und somit weitreichendere wirtschaftliche Folgen haben.“ 

Die Terrorwarnstufe in Belgien bleibt bei 3

Das belgische Koordinationsorgan für Bedrohungsanalyse (OCAD) hat die allgemeine Terrorwarnstufe auf „ernst“, sprich auf Stufe 3  (einer vierstufigen Skala) belassen. Dies bedeutet, dass das OCAD das Risiko eines Anschlags als möglich und wahrscheinlich einschätzt. Auch für israelische, amerikanische und iranische Interessen in Belgien gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Terrorwarnstufe 3 gilt in Belgien seit Oktober 2023, als ein islamistischer Terrorist in Brüssel zwei schwedische Fußballfans ermordete.

Am Dienstagnachmittag tritt der Sonderausschuss des Parlaments für auswärtige Angelegenheiten zusammen, um die Lage im Nahen Osten zu erörtern. Dies wurde gegenüber VRT NWS bestätigt. Außenminister Maxime Prévot dabei wird anwesend sein. Inzwischen wird die Krisenregion von Brüssel aus vorerst nicht mehr angeflogen. In der Region gestrandete Touristen aus Belgien beklagen sich über mangelnde Kommunikation und Unterstützung sowie über enorm hohe Kosten, die eine mögliche Heimkehr verursachen sollen. 

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