Der NATO-Luftwaffenstützpunkt Kleine-Brogel bei Peer in der Provinz Limburg wird in den kommenden Jahren mit einem Luftverteidigungssystem ausgestattet. Warum ist dieser zusätzliche Schutz plötzlich notwendig und was hat Belgien davon? VRT NWS-Verteidigungsexperte Jens Franssen erklärt die Situation anhand von einigen wichtigen Fragen.
Der Luftwaffenstützpunkt Kleine-Brogel erhält ab 2028 ein Luftabwehrsystem
Ab 2028 verfügt Belgien über ein eigenes Netz mobiler Luftverteidigungssysteme. Diese Investition soll belgisches Territorium vor modernen Bedrohungen aus der Luft, wie Drohnen und Marschflugkörpern, schützen. Neben dem Antwerpener Hafen wird auch der Luftwaffenstützpunkt Kleine-Brogel Teil dieses neuen Schutzschildes sein.
Was leistet ein solches Luftverteidigungssystem und was nicht?
Ein Luftverteidigungssystem schützt ein Gebiet vor Luftangriffen. Es besteht aus Radargeräten, die Flugzeuge, Drohnen oder Raketen erkennen und neutralisieren können. Das von Belgien erworbene System, das norwegische NASAMS, kann Städte oder strategische Standorte wie Häfen vor Kampfflugzeugen und größeren Drohnen schützen. Es kann ballistische Raketen jedoch nicht abwehren.
Warum erhält der Stützpunkt zusätzlichen Schutz?
Die Entscheidung, die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Stützpunkt zu verstärken, ist kein Zufall. Laut Verteidigungsexperte Jens Franssen spielen zwei Hauptfaktoren eine Rolle: „Erstens werden ab dem nächsten Jahr brandneue amerikanische F-35-Kampfjets auf dem Stützpunkt stationiert. Das sind Tarnkappenflugzeuge der Spitzenklasse. Man will sie einfach besser schützen als die veralteten F-16.“
Darüber hinaus habe sich die Welt außerhalb von Kleine-Brogel deutlich verändert, so Franssen. Während man vor 10 Jahren Bedrohungen aus der Luft kaum in Betracht gezogen habe, sei das inzwischen anders: „Heute sieht man viel mehr unbekannte Drohnen über Europa fliegen, sowohl kleine als auch große. Das erfordert eine andere Art der Luftverteidigung.“
Kleine-Brogel ist kein gewöhnlicher NATO-Luftwaffenstützpunkt. Er ist ein strategischer Knotenpunkt von internationaler Bedeutung. „Es handelt sich um einen ganz besonderen Stützpunkt“, betont Franssen: „Er ist einer von fünf Stützpunkten in Europa, auf denen amerikanische Atomwaffen stationiert sind. Seien wir ehrlich: Russland weiß seit 50 Jahren, wo sich dieser Stützpunkt befindet. Kleine-Brogel war schon immer ein Ziel.“ Die Kombination aus dieser nuklearen Kapazität und der Stationierung der F-35 macht den Stützpunkt zu einem extrem wichtigen Standort für die Verteidigung Belgiens und der übrigen NATO.
Wird das neue System Auswirkungen auf die Anwohner haben?
Anwohner, die massive Anlagen oder erhöhte Lärmbelästigung befürchten, können aufatmen. „Die Systeme sind relativ kompakt und mobil. Sie bestehen aus einer containerisierten Kommandozentrale, Radarsystemen und Raketenbatterien“, erklärt Franssen: „Die Anwohner werden also kaum etwas davon bemerken.“
Zudem ist es möglich, dass die Batterien selbst weiter entfernt stationiert werden: „Die Luftverteidigung wird nie direkt auf das Ziel gerichtet, sondern immer in dessen Nähe eingesetzt. Es ist gut möglich, dass die Systeme auf einem benachbarten Stützpunkt, beispielsweise in Leopoldsburg, stationiert werden.“ Darüber hinaus sind sie mobil: „Die Systeme werden gelegentlich in Kleine-Brogel stationiert, aber nicht immer. Beispielsweise werden sie bei wichtigen europäischen Gipfeltreffen, wie kürzlich in Alden Biesen, eingesetzt. Auch bei ähnlichen Ereignissen in den Nachbarländern jenseits der belgischen Grenze werden die Systeme verlegt.“
Die Systeme sollen 2028 einsatzbereit sein - Was passiert aber, wenn bis dahin der Fall des Falles eintritt?
Die Verteidigungssysteme werden erst in einigen Jahren einsatzbereit sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Stützpunkt derzeit kein sicherer Hafen ist. „Sollte die Bedrohung deutlich zunehmen, können wir andere NATO-Staaten um Unterstützung bitten“, sagt Franssen: „Die Niederlande beispielsweise verfügen bereits über eine solche Infrastruktur und könnten uns unterstützen, bis wir unsere eigenen Systeme haben.“
„Darüber hinaus erwägen wir langfristig auch einen umfassenderen Schutz gegen schwerere Raketen, auch wenn diese Entscheidung erst in sechs oder sieben Jahren endgültig fallen wird“, fügt Franssen hinzu.
