Bundesgesundheits- und Vizepremier Frank Vandenbroucke von den flämischen Sozialisten Vooruit (Foto) ist der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht länger ein Partner für Belgien sei. Vandenbroucke, der selbst persönlich von US-Botschafter Bill White beleidigt und bedroht wurde, zählt in der sonntäglichen VRT-Talksendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“) mehrere Bereiche auf, die zu seiner Meinung führen.
Belgiens Gesundheitsminister betrachtet die USA nicht mehr als verlässlichen Partner
Vandenbroucke führt die Bedrohungen der USA gegen Belgien in Sachen Ukraine ebenso an, wie die versuchte Einmischung von Botschafter White in die belgische Innenpolitik und in das Rechtssystem und die Abhängigkeit unseres Landes von Nordamerika in verschiedenen Bereichen, wie Medizin, Verteidigung und Energie.
Der flämische Sozialist Vandenbroucke dreht schon seit gut 40 Jahren in der belgischen Politik mit und hat entsprechend viel erlebt und gesehen: „Wir leben leider nicht mehr in einer Welt, in der internationale Absprachen getroffen werden. Was man in den Vereinigten Staaten, in China und in Russland sieht, zeigt, dass wir in eine Welt der brutalen Macht steuern.“
Das seien schlechte Nachrichten für Europa, so Frank Vandenbroucke, auch, weil die USA „nicht mehr an unserer Seite stehen: „Ich sehe das nicht mehr. Ich finde, dass die Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Ukraine einem wankelnden Kurs gefolgt sind. Heute ist es praktisch nur noch Europa, dass die Ukraine finanziell unterstützt und dafür sorgt, dass sich die Ukraine weiter bewaffnen kann.“
Gesundheitswesen und Verteidigung
In seiner Funktion als belgischer Gesundheitsminister kritisiert der flämische Sozialist die Haltung der USA in Sachen Medikamente und Gesundheitsversorgung: „Das ist eine regelrechte Bedrohung für unser Gesundheitssystem. Sie drohen mit Handelssanktionen, wenn wir nicht das machen, was sie wollen. Das ist kein Partner sondern ein Gegner.“
Ein starkes Europa müsse die Botschaft bei uns lauten: „Wir sind gerne in der NATO und wir arbeiten gerne mit der NATO zusammen, doch gleichzeitig sind wir zu sehr abhängig von den USA. Wir müssen eine eigene starke Verteidigung haben.“
Dass Belgien seit der Ukrainekrise auf Gas aus Russland verzichtet, führte zu einer neuen Abhängigkeit und zwar von Flüssiggas aus den USA. „Das müssen wir auch loswerden,“ so Vandenbroucke.
„Ein sehr vulgärer Minister“
In der vergangenen Woche hatte Bill White, der US-Botschafter in Belgien, Vandenbroucke noch einen „seht vulgären Minister“ genannt, weil sich dieser nicht auf die Forderung eingelassen hatte, ein Justizverfahren gegen drei umstrittene Beschneider aus der jüdischen Gemeinschaft in Antwerpen zu beenden. Diese Polemik fand erst ein Ende, nach dem Bundesaußenminister Maxime Prévot (Les Engagés) White einbestellt hatte…
