Einer von acht jungen Menschen zwischen 18 und 26 Jahren sieht fast täglich Videos von riskantem Fahrverhalten auf TikTok und Instagram. Das geht aus einer neuen Studie von VIAS, das belgische Institut für Verkehrssicherheit, hervor. In den Videos sieht man unter anderem, wie Leute auf Straßenbahnen surfen, driften oder auf den Hinterrädern von Motorrädern oder Bikes balancieren.
Tik Tok- und Instagram-Videos zeigen riskante Spielchen im Verkehr – Welchen Einfluss hat so etwas auf junge Leute?
„Wir beobachten, dass junge Menschen, die solche Videos liken oder kommentieren, sie auch häufiger sehen. Dadurch geraten sie in einen regelrechten Kreislauf mit Videos von gefährlichem Fahrverhalten“, erklärte Stef Willems von VIAS gegenüber VRT NWS. Vor allem Männer sehen sich solche Videos an.
Die Studie zeigt außerdem, dass junge Menschen, die häufiger Videos von gefährlichem Fahrverhalten sehen, auch häufiger Bußgelder erhalten und sich öfter riskantes Verkehrsverhalten an den Tag legen.
Zusammenhang? Ursache?
Es besteht also in gewisser Weise ein Zusammenhang, doch ob das eine das andere auch wirklich verursacht, ist noch nicht bewiesen. Die Videos tragen teilweise aber dazu bei, dass riskantes Fahren für junge Menschen gesellschaftlich akzeptabler wird. „Dazu gehören auch das Überfahren roter Ampeln, Autorennen oder das Ignorieren von sinkenden Bahnschranken“, so Willems weiter.
„Junge Menschen, die regelmäßig solche Videos sehen, halten riskantes Fahren eher für cool“, sagt Willems: „Sie neigen auch eher dazu, sich schuldig zu fühlen, wenn sie einen Freund bitten, langsamer zu fahren.“ Die Videos beeinflussen auch das Urteilsvermögen junger Menschen: „Sie glauben eher, das Auto unter Kontrolle zu haben, obwohl sie zu schnell fahren oder ihr Handy benutzen. Indirekt beeinflussen solche Videos in sozialen Medien also das Fahrverhalten junger Menschen.“
Es gibt aber auch gute Nachrichten
Die Videos beeinflussen zwar die Wahrnehmung von gefährlichem Fahren durch junge Menschen, nicht aber deren Absichten. „Junge Menschen finden es vielleicht cooler, aber sie zeigen nicht, dass sie selbst dieses gefährliche Verhalten suchen würden“, sagt Willems. Die überwiegende Mehrheit der jungen Leute verurteilt allerdings dieses Verhalten: „Sie wissen, dass deren Fahrstil nicht gut ist, was eine hoffnungsvolle Botschaft ist.“
VIAS fordert entsprechende Maßnahmen. Das Zentrum für Verkehrssicherheit möchte, dass Videos, die gefährliches Fahrverhalten zeigen, schneller offline genommen werden. Die Urheber dieser Videos sollten auch schneller strafrechtlich verfolgt werden. Das Institut will junge Menschen auch widerstandsfähiger machen. „Wir müssen ihnen beibringen, wie sie besser mit solchen Videos umgehen können. Die Regierung kann soziale Medien auch nutzen, um positives Fahrverhalten zu fördern“, so Stef Willems im Gespräch mit VRT NWS.

