Der Hafen von Antwerpen erhält im Jahr 2027 eine eigene Flugabwehr. Das sagte Premierminister Bart De Wever bei einer Zusammenkunft der Antwerpener Hafenwelt. Das berichtet die flämische Tageszeitung Gazet van Antwerpen und Port of Antwerp-Bruges bestätigt dies. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die belgische Armee norwegische NASAMS-Flugabwehrsysteme angeschafft hatte, konkrete Standorte dafür waren jedoch noch unbekannt.
Premierminister De Wever: Hafen von Antwerpen bekommt eigenes Luftabwehrsystem
Vor einem Publikum von 400 Anwesenden in Antwerpen erklärte Premierminister Bart De Wever (N-VA, flämische Nationaldemokraten), dass 2027 Flugabwehr im Hafen von Antwerpen stationiert werde. De Wever sagte dies während einer Frage-und-Antwort-Runde gemeinsam mit dem CEO des Port of Antwerp-Bruges. Der Hafen bestätigt die Worte des Premiers, enthält sich vorerst jedoch eines Kommentars.
Details zum genauen Standort oder zur Anzahl der Waffen für Antwerpen fehlen bislang. Dabei ist die Hafeninfrastruktur von wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung. Von Antwerpen aus führt eine Kerosin-Pipeline bis nach Marseille. Der Hafen ist zudem entscheidend für die Anlieferung von amerikanischem Militärmaterial nach Europa.
„Dieses wirtschaftliche und militärische Herz muss geschützt werden“, betont VRT NWS-Verteidigungsjournalist Jens Franssen. „In Zeiten eines Konflikts ist dieses Kerosin essenziell, um alle militärischen und zivilen Flughäfen zwischen Schiphol und Marseille mit Treibstoff zu versorgen.“
Dieses System ist einzigartig, weil es perfekt mit den Raketen zusammenarbeitet, die wir bereits verwenden
Jens Franssen, VRT NWS-Journalist
Norwegische Flugabwehr
Im Oktober wurde bereits bekannt, dass die belgische Armee ein norwegisches Abwehrsystem vom Typ NASAMS gekauft hatte. „Dieses System ist einzigartig, weil es perfekt mit den Raketen zusammenarbeitet, die wir bereits verwenden“, erklärte Franssen in De Ochtend im VRT Radio 1.
Es handelt sich um ein flexibles System. „Die Raketen, die derzeit an den F-16-Kampfflugzeugen hängen und bald an den F-35, können eingesetzt werden, und auch die Raketen, die wir bereits anschaffen, sind damit kompatibel.“
NASAMS gehört zur sogenannten „Zwischenebene“ der Flugabwehr. Das System ist dafür ausgelegt, Städte wie Brüssel oder Antwerpen gegen Kampfflugzeuge, große Drohnen oder andere Bedrohungen mit relativ kurzer Reichweite zu schützen. „Gegen beispielsweise ballistische Raketen wirkt es allerdings nicht“, so Franssen.
Flugabwehr besteht aus drei Teilen, erläutert Franssen weiter. „Es gibt Radare, die ankommende Flugzeuge und Raketen erkennen können. Dann gibt es ein Kontrollsystem, das die Bedrohung analysiert, und schließlich weitere Radare, die die fliegenden Abwehrraketen steuern können.“ Ein solches vollständiges System aus Radaren und Flugabwehrraketen wird nun in Antwerpen stationiert.
„Mit einem solchen System kann man etwa eine Shahed-Drohne ausschalten“, nennt er als Beispiel. Dennoch gibt es Einschränkungen: Kleine Drohnen, die in geringer Höhe zwischen Gebäuden fliegen, bleiben schwer zu erkennen. „Dafür investiert die Verteidigung inzwischen in Anti-Drohnen-Drohnen. Jede Bedrohung erfordert also eine spezifische Abwehr“, sagt Franssen.
Eine Benelux-Kuppel
Belgien arbeitet eng mit den Niederlanden zusammen, die dasselbe System einsetzen. „Eine NASAMS-Batterie kann ein Gebiet von mehreren Dutzend Kilometern schützen“, erklärt Franssen. „Indem wir all diese Systeme aufeinander abstimmen, können wir langfristig eine ‚Kuppel‘ über die gesamte Benelux-Region legen.“
Die erste Kuppel, die in etwa einem Jahr über dem Hafen von Antwerpen eingerichtet wird, wird von Norwegen geleast. „Erst ab 2028 werden die von Belgien gekauften Systeme geliefert. Für diese Systeme wird ein neuer Hauptstützpunkt in Ursel in der Provinz Ostflandern errichtet. Er liegt genau in der Mitte des Dreiecks zwischen den Häfen von Zeebrügge, Antwerpen und Gent.“
Laut Franssen wird es langfristig auch bei anderen militärischen Zielen Flugabwehr geben. „Das ist nicht unlogisch angesichts der drohenden Rhetorik aus Russland. Auch die Tatsache, dass Washington nicht länger bedingungslos für die Verteidigung Europas einstehen will, zwingt uns, massiv in eigene europäische Systeme zu investieren.“
