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Unter die Lupe genommen: Die reduzierten Pläne für die neue Brüsseler Metro 3 in 10 Fragen und Antworten

Laut Koalitionsvertrag der neuen Regionalregierung in Brüssel beschränken sich die Arbeiten am Bau der neuen Metrolinie 3 auf den Tunnel zwischen dem Südbahnhof (Gare du Midi) und Anneessens über die neue U-Bahnstation Toots Thielemans. Die Redaktion der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ erklärt in 10 Punkten, was das genau bedeutet.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

1. Was besagt der Koalitionsvertrag?

„Auf der Achse Albert-Nord wird die Brüsseler Regierung die Infrastrukturarbeiten an den Tunneln in der Nähe des Südbahnhofs (Zuidstation/Gare du Midi) innerhalb eines wirtschaftlich tragfähigen Zeitrahmens fortsetzen, um dort den Betrieb mit Straßenbahn anstelle der ursprünglich geplanten Metro zu gewährleisten“, heißt es im endgültigen Text: „Die Inbetriebnahme dieses neuen Tunnels wird den Engpass Lemonnier beseitigen. Diese Maßnahme gewährleistet einen sichereren und reibungsloseren Verkehrsfluss und erhält gleichzeitig die notwendige Kapazität für den späteren Ausbau einer zusätzlichen Linie.“

2. Was ist die Begründung?

Dies ist eines der von der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB entwickelten Szenarien zur Fertigstellung eines Teils des Metro-3-Projekts. So soll sichergestellt werden, dass die bereits getätigten Investitionen - unter anderem in die neue U-Bahnstation Toots Thielemans - nicht umsonst waren. Die Hoffnung - die Kritiker für vergeblich halten - besteht darin, dass die Brüsseler Hauptstadt-Region in ein bis zwei Jahrzehnten finanziell besser aufgestellt sein wird, um die kostspieligen Metropläne zu realisieren, oder dass sie einen privaten Partner dafür findet.

Das fehlende Teilstück für einen vollwertigen Metrotunnel zwischen dem Brüsseler Bahnhof Süd/Midi und Anneessens soll laut Koalitionsvertrag fertiggestellt werden, sodass dort theoretisch eine Metro verkehren könnte. In der Praxis wird die sanierte Strecke jedoch von den bereits bestehenden Straßenbahnlinien 4 und 10 zwischen dem Nord- und dem Süd-Bahnhof genutzt, wobei zukünftig eine dritte Straßenbahnlinie möglich ist.

3. Was bedeutet das für den Südpalast?

Zum großen Bedauern städtischer Organisationen wie Arau ist der Abriss des Südpalastes unter Erhalt der Fassaden weiterhin unerlässlich für die Fertigstellung des fehlenden Tunnelabschnitts. Für eine Fahrt auf der unterirdischen Nord-Süd-Verbindung verlässt die neue Linie die bestehende Strecke vor Lemonnier, etwa an der Rogier Van der Weydenstraat, und führt dann durch den Tunnel unter dem Palast zur neuen Station Toots Thielemans, bevor sie weiter in Richtung Nordbahnhof verläuft.

4. Was passiert mit dem Engpass bei Lemonnier

Die bestehende unterirdische Straßenbahn-Nord-Süd-Linie (Premetro - Linien 4 und 10) wurde bereits größtenteils mit Blick auf eine echte U-Bahn gebaut. Allerdings ist der Straßenbahntunnel bei Lemonnier für eine U-Bahn ungeeignet, da er zu viele Kurven in Richtung Bahnhof Süd/Midi aufweist. Daher kann eine U-Bahn keine akzeptablen Geschwindigkeiten erreichen.

Die neue Streckenführung würde dieses Problem beheben. Es gibt jedoch auch das Problem der Überlastung: Die Straßenbahnen der Nord-Süd-Linie kreuzen sich mit den Straßenbahnen entlang des Kanals (51 und 82), was zu Staus führt. Die neue Strecke Bahnhof Süd/Midi–Toots Thielemans–Anneessens wird diese ungünstige Kreuzung umgehen, da der neue Tunnel unter dem bestehenden Tunnel verlaufen würde. Die Nord-Süd-Linie benötigt daher den Bahnhof Lemonnier nicht mehr.

5. Werden die Straßenbahngleise zwischen Lemonnier und Anneessens dadurch überflüssig?

Nein, sagt die ÖPNV-Gesellschaft MIVB. Frühere Pläne für diesen Abschnitt sahen U-Bahnen vor, aber dort könnten genauso gut Straßenbahnen verkehren. „Wir brauchen immer Platz für Straßenbahnen oder U-Bahnen in unserem Netz“, so das Verkehrsunternehmen.

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6. Warum wird die neue Strecke nicht sofort als U-Bahnlinie befahren?

Weil zahlreiche logistische Probleme entstehen, wenn die U-Bahnlinie am Nordbahnhof enden und nicht, wie in den ursprünglichen Plänen für die Metro 3 vorgesehen, bis Evere verlängert wird. Schließlich verfügt der Nordbahnhof über keine U-Bahn-Betriebsanlagen.

„Ohne einen vollwertigen Nebenbahnhof und U-Bahn-Betriebsanlagen am Nordbahnhof ist der Betrieb einer so kurzen U-Bahnlinie praktisch unmöglich“, so die MIVB. Hinzu kämen Kosten für die Anpassung der Gleise und Bahnsteige an die Größe einer U-Bahn.

7. Sind Bauarbeiten zwischen Anneessens und Brüssel-Nord geplant?

Nein, teilt die MIVB mit.

8. Was bedeutet das alles für Fahrgäste der Tramlinien 4 und 10?

Kurzfristig sind Bürgerinitiativen besonders besorgt über die angekündigten Bauarbeiten am Baraplein, die die Verbindung zwischen dem Südbahnhof und Hallepoort unterbrechen werden. „Ein Jahr lang haben Fahrgäste der Straßenbahnlinien 4 und 10 keine direkte Verbindung mehr zum Südbahnhof und ins Stadtzentrum von Ukkel, Vorst und Sint-Gillies aus. Auch Reisende aus dem Zentrum und Norden der Region sind betroffen“, warnen unter anderem die Stadtbewegung Bral und Arau.

Mittelfristig bleibt abzuwarten, ob und wann der Südpalast abgerissen wird, um den fehlenden Verbindungstunnel fertigzustellen. Gegen den Abriss des Südpalastes bestehen nicht nur rechtliche Einwände, sondern in den letzten Jahren traten aufgrund des sumpfigen Untergrunds auch zahlreiche technische Probleme an der Tunnelbaustelle auf.

9. Wie könnte der Südpalast abgerissen werden?

Durch den oberirdisch durchgeführten Bau des Tunnels. Dabei kommen am Südpalast Bagger zum Einsatz, die von der Oberfläche aus graben und die unterirdischen Arbeiten durchführen. Diese sogenannte offene Bauweise wird unweigerlich zu Beeinträchtigungen für die Anwohner führen. Befürworter des Abrisses des Südpalastes weisen darauf hin, dass im Gebäude selbst nur noch wenig historisches Erbe erhalten ist und Ingenieure haben kürzlich die unzureichende Stabilität der bestehenden Geschossdecken bemängelt.

Die Denkmalschutzorganisation Arau hingegen bezeichnet den altehrwürdigen Südpalast als „das schönste Multifunktionsgebäude im Pentagon“ mit über 150-jähriger Geschichte. Zudem machen sich zahlreiche Anwohner, Einzelhändler und Vereine, die in diesem Gebäude ihre Räume hatten, Sorgen über ihre Zukunft.

10. Wie hoch werden die Kosten des reduzierten Plans sein?

Die MIVB/STIB schätzt die Kosten des Regierungsplans aus dem Koalitionsabkommen der Regierung Dilliès, der auf der neuen Strecke eine Straßenbahn anstelle einer U-Bahn vorsieht, auf rund 1 Mia. €, einschließlich bereits angefallener Kosten.

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