Die Dauerausstellung in der Dossin-Kaserne beim Holocaust-Mahnmal in Mechelen (Provinz Antwerpen) wird bis 2030 komplett erneuert. Das Museum, das sich dem Holocaust, dem Kampf gegen Diskriminierung und den Menschenrechten widmet, möchte neuen Erkenntnissen Raum geben und den in den letzten Jahren stark veränderten Erwartungen der Besucher gerecht werden.
Gegen das Vergessen: Neue Dauerausstellung in der Dossin-Kaserne in Mechelen
Die ehemalige belgische Armeekaserne beherbergt heute eine Gedenkstätte, ein Museum und ein Dokumentationszentrum zum Holocaust und zu Menschenrechten. Während des Zweiten Weltkriegs, als Belgien nach 1914-1918 erneut von den Deutschen besetzt war, diente sie als Durchgangslager, von dem aus Juden und Roma in nationalsozialistische Konzentrationslager deportiert wurden. Viele der Deportierten kehrten nicht zurück.
Die aktuelle Dauerausstellung wurde 2012 zusammen mit dem Museum eröffnet. „Seitdem hat sich viel verändert“, sagt Direktor Tomas Baum: „Neue wissenschaftliche Forschungen haben neue Erkenntnisse gebracht.“ Ein Beispiel ist die Rolle der NMBS, der staatlichen belgischen Eisenbahngesellschaft, im Holocaust. Das Unternehmen wurde für die Deportation von Menschen bezahlt.
Dies ist nur eines der neuen historischen Elemente, die aufgearbeitet werden müssen. Zudem haben sich die Erwartungen der Besucher verändert, so Baum: „2012 waren Smartphones noch nicht so allgegenwärtig wie heute. Das hat die Art und Weise, wie Museumsbesucher lernen, und ihre Erwartungen verändert. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Geschichte des Holocaust weiterhin angemessen erzählen können.“
Das Projekt Modernisierung der Dauerausstellung wird 7 Mio. € kosten. Die flämischen Landesbehörden werden mit 4,2 Mio. € dazu beitragen. Die Stadt Mechelen investiert weitere 500.000 €. Für den Rest werden noch Sponsoren gesucht.
Wichtiges Zentrum in Flandern
Der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele (flämische Nationaldemokraten, N-VA) und die flämische Kulturministerin Caroline Gennez (flämische Sozialisten, Vooruit) besuchten das Museum Ende Januar.
„Es ist wichtig, dass wir diese Geschichte weiterhin erzählen. Nicht nur, um unsere Geschichte zu kennen, sondern auch, um Lehren für die Zukunft zu ziehen“, sagte Ministerpräsident Diependaele: „Das bedeutet, dass sie mit modernsten Techniken erzählt werden muss. Wir sehen heute andere Filme als vor 30 Jahren. Angesichts der aktuellen Weltlage sind diese Lehren heute wieder sehr wichtig. Wir müssen sie daher an junge Menschen und an uns selbst weitergeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns kleine Schritte manchmal in die Irre führen können.“
Das Museum bleibt in den kommenden Jahren geöffnet. Direktor Baum hofft, dass das Haus für die Renovierung nicht allzu lange schließen muss. Er schätzt, dass die Arbeiten während einer Schließung von nur drei bis sechs Monaten abgeschlossen werden können: „Wir stehen noch ganz am Anfang dieses Projekts. Wir werden auch die Besucher befragen, was sie erwarten und was ihnen im Museum derzeit fehlt. Möglicherweise werden wir in den kommenden Jahren kleinere Testinstallationen durchführen.“
