Zum Hauptinhalt springen

Bedenken: Der flämische Umweltminister will die Trinkwassernorm in Westflandern lockern

Flanderns Landesumweltminister Jo Brouns von den flämischen Christdemokraten  CD&V erwägt, die Trinkwasserqualitätsstandards in einem großen Teil Westflanderns für einen längeren Zeitraum zu lockern. Eine vorübergehende Anhebung des europäischen Grenzwerts für Pestizide im Trinkwasser ist dort bereits genehmigt. Der Trinkwasserplan, an dem Brouns derzeit arbeitet, sieht vor, diese Lockerung zu verlängern, um eine ausreichende Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Eine schlechte Idee, sagt die Umweltanwältin Isabelle Larmuseau.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

VRT NWS konnte den Entwurf des Plans von Umweltminister Brouns einsehen. Darin heißt es, der Minister wolle die vorübergehende Anhebung des europäischen Grenzwerts verzehnfachen. Umweltanwältin Isabelle Larmuseau findet dies absolut skandalös: „Mit dem Trinkwasserplan wird diese Ausnahmeregelung auf unbestimmte Zeit verlängert. Das ist eklatant illegal. Es gibt absolut keine Rechtsgrundlage für eine solche Ausnahme. Man spielt also mit der Gesundheit Hunderttausender Westflamen.“

Vor einigen Jahren wurden Triazole und Trifluoressigsäure (TFA) im Trinkwasser nachgewiesen. 1,2,4-Triazole sind Abbauprodukte von in der Landwirtschaft eingesetzten Fungiziden. TFA entsteht beim Abbau einer Gruppe von PFAS-Pestiziden. Auch Industrie und Haushalte leiten Triazole und TFA ins Wasser. Nirgends ist die Konzentration von Pestizidrückständen so hoch wie im Wasser des IJzertals, besonders in De Blankaart in Diksmuide (Foto unten).

„Es handelt sich dabei um giftige Substanzen“, erklärt Kristine De Schamphelaere von PAN Europe, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die sich auf europäischer Ebene für einen besseren Umwelt- und Gesundheitsschutz vor Pestiziden einsetzt: „Tierstudien haben bereits gezeigt, dass Triazole und TFA die Fortpflanzung beeinträchtigen können. Bei bestimmten TFA-Konzentrationen wurden verminderte Fruchtbarkeit und Fehlbildungen bei den Nachkommen beobachtet.“

Das Problem an der Quelle angehen: Pestizidverbot?

„Ich verstehe die Bedenken“, so De Schamphelaere weiter: „Eine kurzzeitige Exposition gegenüber einer geringen Dosis birgt kaum ein Risiko. Doch wenn man dort lebt und ständig kleineren Dosen nicht nur eines, sondern mehrerer Stoffe gleichzeitig ausgesetzt ist, sieht die Sache ganz anders aus. Wir sind nicht nur über das Wasser, sondern auch über Lebensmittel und andere Quellen belastet. Wissenschaftler sind sehr besorgt über diese umfassende, chronische Belastung mit verschiedenen Substanzen und bringen sie mit erhöhten Gesundheitsrisiken in Verbindung. Es handelt sich um äußerst besorgniserregende Stoffe, die an der Quelle bekämpft werden müssen.“

Auch die Watergroep, die regionale flämische Wasserversorgungs-Gesellschaft, plädiert für einen Ansatz „an der Quelle“. Das bedeutet, dass der Minister bestimmte Pestizide verbieten kann. Denn was nicht im Trinkwasser landet, muss auch nicht nachträglich herausgefiltert werden. Triazole und Trifluoressigsäure (TFA) lassen sich selbst mit aufwendigen und komplexen Verfahren kaum aus dem Wasser entfernen.

Der Entwurf des Ministers sieht jedoch kein Pestizidverbot vor. Die Niederlande, Dänemark, Norwegen und Schweden haben PFAS-Pestizide bereits verboten. Auch in Wallonien sind Pestizide in Grundwasserentnahmegebieten untersagt. Umweltminister Brouns möchte sich zum Trinkwasserplan noch nicht äußern, um dessen Inhalt nicht vorwegzunehmen. In einer kurzen schriftlichen Stellungnahme erklärt er jedoch, dass er einen soliden und breit unterstützten Plan entwickeln wolle, der die Versorgungssicherheit und die Qualität unseres Trinkwassers, das derzeit höchsten Qualitätsstandards entspricht, auch in Zukunft gewährleisten soll.

Nirgendwo in Westflandern ist die Konzentration von Pestizidrückständen so hoch wie im Wasser des IJzertals, besonders in De Blankaart in Diksmuide

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5