Belgien und die Niederlande werden ihre Bemühungen um eine grenzüberschreitende Güterzugverbindung zwischen dem Hafen von Gent und dem Partnerhafen Terneuzen intensivieren. Die Pläne zum Bau des fehlenden Streckenabschnitts bestehen bereits seit Jahren. „Dieser Schritt ist von enormer wirtschaftlicher Bedeutung“, so der CEO des Fusionshafens North Sea Port, der aus den Häfen von Gent und Terneuzen besteht. Unser Foto oben zeigt den Güterbahnhof Gent-Seehafen, den wichtigsten Güterbahn-Hub im Genter Hafen- und Industriegebiet.
Eine direkte Güterzugverbindung zwischen Gent und Terneuzen rückt näher: „Fehlendes Glied von enormer wirtschaftlicher Bedeutung“
„Wir wollen künftig noch mehr Güter per Bahn transportieren und so den LKW-Verkehr reduzieren. Das ist nur möglich, wenn dieser fehlende Streckenabschnitt gebaut wird. Diese Zusammenarbeit ist daher wirtschaftlich sehr wichtig, nicht zuletzt aber auch für die gesamte Hafenregion“, sagt Cas König, CEO von North Sea Port: „Wir freuen uns sehr.“
Der Hafen schlägt jährlich 67 Millionen Tonnen Seefracht um. In Gent produzieren Volvo Cars beispielsweise Autos und ArcelorMittal Stahl, so König: „All diese Produkte müssen den Hafen natürlich wieder verlassen. Wir setzen daher verstärkt auf Binnenschifffahrt, Straßentransport und zunehmend auch auf die Schiene. Der Hafen strebt an, mehr als 15 % seines Güterverkehrs auf der Schiene abzuwickeln.“
Das fehlende Glied zwischen Gent und Terneuzen
Der North Sea Port ist ein Zusammenschluss der Häfen Gent, Terneuzen und Vlissingen. Die grenzüberschreitende Bahnverbindung ist entscheidend für das weitere Wachstum. Der Hafen verkündete Anfang des Jahres positive Zahlen. König sprach sich damals auch für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Belgien und den Niederlanden aus. Der Hafen von Gent verfügt bereits über zahlreiche internationale Bahnverbindungen, sogar nach China. Die intensivierten Gespräche zwischen den beiden Ländern finden vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen in der Weltwirtschaft und Kriegen an Europas Grenzen statt.
„Ziel ist, die Erreichbarkeit, Sicherheit und militärische Mobilität zu verbessern“, heißt es in einer gemeinsamen Absichtserklärung. „Die Zusammenarbeit war bereits konstruktiv, aber mitunter etwas zu wenig ambitioniert. Wir wollen unsere Beziehungen stärken und den Ausbau sicherer und effizienter grenzüberschreitender Bahnverbindungen beschleunigen“, so Belgiens Verkehrsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés).
Absichtserklärung
Belgien und die Niederlande werden enger zusammenarbeiten, um grenzüberschreitende Bahnverbindungen aufzubauen. Die Regierungen wollen zudem die Kapazität bestehender grenzüberschreitender Bahnstrecken erhöhen und neue Strecken entwickeln. So steht beispielsweise eine neue Verbindung zwischen Brüssel und Eindhoven zur Debatte. Belgien und die Niederlande wollen in diesem Sommer konkrete Vereinbarungen abschließen.
Verkehrsminister Crucke und der niederländische Staatssekretär für Infrastruktur, Thierry Aartsen (VVD), haben am Donnerstag in Antwerpen eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Im kommenden Sommer sollen beide Länder einen gemeinsamen Rahmen absprechen, innerhalb dem die wichtigsten Eisenbahndossiers bearbeitet werden.
Neben dem Ausbau des Schienengüterverkehrs zwischen den Häfen von Gent und Terneuzen wollen sie auch den Ausbau weiterer Bahnverbindungen zwischen Belgien und den Niederlanden beschleunigen und langjährige Probleme lösen. Dazu gehört zum Beispiel die historische Verbindung zwischen Antwerpen über Limburg mit dem deutschen Ruhrgebiet - der sogenannte „Eiserne Rhein“, auch 3RX-Verbindung genannt - ein seit langem diskutiertes Thema.
